Eine Zugfahrt, die ist lustig…

… eine Zugfahrt, die ist schön.

Wer hat dieses blöde Lied geschrieben?

Ich fahre täglich mehrmals mit öffentlichen Verkehrsmittel der DB und was man da so erlebt ist überhaupt nicht lustig und schon gar nicht schön.

Ich habe er mir mittlerweile abgewöhnt, mich bei Fahrzeiten von weniger als 15 Minuten hinzusetzen, da die Chance, einen netten Menschen neben sich sitzen zu haben scheinbar relativ gering ist.

Und wenn mal ein hübsches Mädchen alleine auf einem dieser gesprächsfördernden Man-sitzt-sich-gegenüber-Sitzplätze hockt und ich mich dazu setze, steigt diese entweder die nächste Station aus, oder zwei Helly-Hansen-Jacken-tragende Mobiltelefonierer setzen sich dazu und lassen die ganze Zeit Ihre Handy-Melodien ertönen.

Ich kann die Lieder der verschiedenen Handys schon auswendig mitsingen und weiß immer, welche Klingeltöne in und welche out sind.

Nicht, dass ich was gegen Handys habe, mehr gegen einige der Besitzer. Es gibt da diejenigen, die ihrem Kumpel gesagt haben, er solle mal um 13:21 Uhr anrufen, weil sie da gerade in der Bahn sitzen und das voll cool kommt.Dann sind da noch die, die jemanden anrufen, um ihm mitzuteilen, dass sie in 2 Minuten da sind, und sie sich ja dann sehen (was ja wirklich wichtig ist).Aber ich glaube, die meisten tun nur so, als würden sie telefonieren („Ja hallo ich bin’s … Waaas … Echt … Ja… Ja … Ne … Mmmh … Ja … Ok …. Tschöö“).

Kennt Ihr die Situation, wenn einem alte Leute gegenüber sitzen (ich meine richtig alte)?

Die reden nur über so Sachen wie das Wasser, was sich in den letzten Wochen im Knie angesammelt hat, oder über den Neffen vom Karl-Heinz, der jawohl ein ganz Lieber ist.

Ich bin dann immer schon sprungbereit, weil dann als nächstes die Frage an mich kommt, ob wir nicht die Plätze tauschen könnten („Ich kann nicht so gut gegen die Fahrtrichtung sitzen !“).

Ich sag dann meistens, ich müsse eh die nächste raus, und verdrücke mich heimlich ins nächste Abteil, da die alten Menschen mich ansonsten in ihr Gespräch einbeziehen und erzählen, dass es ja nur noch wenige so nette junge Leute gäbe.

Auch immer wieder beliebt, sind Schulklassen, die die sowieso schon angeregte Stimmung dadurch würzen, dass sie erstens einen Kinderfurz nach dem anderen in den Waggon hängen und einen zweitens dazu bringen, aus den komischsten Dingen, die man gerade zur Hand hat, einen Oropax-Ersatz zu basteln.

Aber das schärfste ist mir letztens passiert:

Ich saß in der S1 auf dem Weg nach Hause, als sich ein Pärchen mittleren Alters zu mir setzte.

Ich tat gerade so, als würde ich für die Uni lernen und blätterte in einem Skript, als die Frau – nachdem sie unauffällig einen Blick in meine Unterlagen riskiert hatte – plötzlich anfing, dem Mann zu erzählen, dass sie früher nicht so schwere Dinge in der Schule gehabt hätten. Der Mann schaute somit noch viel unauffälliger in mein Skript und wusste natürlich sofort, was ich studiere. Er fing an, seiner Frau zu erklären, wie das funktioniert und das er das auch alles kann und überhaupt ist Elektro-Technik ein unglaublich spannendes Studium -;

Mir wurde heiß und kalt: der Moment, vor dem ich mich immer gefürchtet hatte, war gekommen.

Ich war gezwungen, in der Bahn mit fremden Menschen (die mir auch noch unsympathisch waren) zu kommunizieren. Ich konnte das aber nicht auf mir sitzen lassen. Somit sagte ich also dann zu den beiden, um die Sache zu klären: „Ich studiere NICHT E-Technik!!!“ Was natürlich ein schwerwiegender Fehler war. Ich wurde sofort mit Fragen gepeitscht und konnte nicht anders, als mich einem Small-Talk auszusetzen.

Doch meine gesunde Menschenkenntnis brachte mich nach kurzer Zeit dazu, die Gutmütigkeit der Frau auszunutzen. Und somit schaute ich immer wieder in meine Unterlagen, bis die Frau dann endlich ihrem Mann klar machte, ich müsse lernen und er solle mich in Ruhe lassen.

Ich schaute schüchtern hoch und setzte noch so ein „Entschuldigung- ich- würde- mich- gerne-noch- weiter- unterhalten- aber- ich- muss- lernen“-Lächeln auf. Bingo! Die beiden ließen mich also in Ruhe und versuchten auch nicht weiter, meinen Lebensweg zu erraten.

Es sind aber nicht bloß die Fahrgäste, die einem den Verstand rauben.

Im Dortmunder Hbf gibt es EIN Gleis, welches nicht überdacht ist und sehr weit ausgelagert vom wirklichen Bahnhof liegt. Dort hält die S-Bahn immer dann, wenn es in Strömen gießt ! Das bedeutet dann totale Panik und natürlich Hass auf die DB.

Seit ich einen Mitschüler aus meiner Grundschulzeit gesehen habe, welcher vorne aus dem Führerhaus der S-Bahn geschaut hatte, weiß ich eh nicht, ob ich noch mal in so einen Zug steige. Ich würde ihm zutrauen, sich auf der Strecke zwischen Dortmund und Essen zu verfahren !

Ich weiß, ich bin nicht der einzige Mensch, dem solche Situationen in einem öffentlichen Verkehrsmittel geschehen. Schreibt mir doch mal Eure Erfahrungen, die Ihr so auf den Gleisen Deutschlands gemacht habt.Ich bin sicher, da gibt es noch viel schlimmere Dinge, wie z.B. in einem Abteil mit 3000 Onkelz-Fans zu sitzen, die gerade vom Konzert kommen.

Oder das Problem, wenn man im Zug wirklich mal auf die Toilette muss (in manchen Abteils riecht es, als hätte jemand in den Mülleimer gepisst).

Sicher gibt es auch S-Bahn-Fetischisten, die so Dinge voll anmacht.Zu denen gehöre ich jedenfalls nicht ! Und trotzdem werde ich nicht drumherum kommen, mich auch weiterhin solchen Qualen auszusetzen. Es wird immer wieder viel zu berichten geben.

Also Kopf hoch und nicht unterkriegen lassen,
Euer Chris

P.S.: Diese Geschichten sind alle authentisch und entsprechen nicht wilden Horrortrips aus meiner Phantasie!

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Veröffentlicht unter chris