Zurück in der Institution

Der oft gescholtene Duden möchte unter einer Institution eine öffentliche
Einrichtung verstehen. In meinem kleinen persönlichen Wörterbuch findet sich
dagegen nur die Umschreibung „groß und grau“. Jetzt mag sich der ein oder andere
vielleicht empört erheben und zu bedenken geben, ein Elephant sei nach dieser
Definition auch eine Institution. Er wäre damit im Recht. Unter einer
Institution möchte ich jedoch vielmehr diese Orte des Schreckens verstehen, die
sich vor einem auftürmen und in denen man Abschnitte seines Daseins fristen muß.
Man betritt eine Institution oftmals durch ein Loch an einer Seite oder in der
Mitte und befindet sich dann in riesigen Fluren oder weitläufigen Hallen, die
einem die Nichtigkeit des eigenen Seins vor Augen führen wollen. Schier endlose,
verwinkelte Schlauchgänge pumpen Menschenmassen in die sich wie Herzklappen
öffnenden und schließenden Türen.

Andere Gänge sind nur selten bevölkert und tot. Abgestorben und oft nur mit
zirpendem Neonlicht verseucht scheinen sie unter der Last sich verlaufender
Eindringlinge „du bist falsch“ zu stöhnen. Immer gleiche Fragen wandern durch
die verwirrten Gedanken der von der Institution gefressenen Wesen: Wo ist Raum
H1030? Nicht besser, sondern vielleicht sogar schlimmer, wenn man sich auskennt
und perfekt orientieren kann. Man kennt die Winkel, die Abkürzungen immer
gleicher Wege. Man macht sich dem Klotz Institution gleich, stumpft ab,
verrichtet Arbeit, ist anwesend. Das Zurückkehren an eine Institution ist meist
mit unterschiedlichen Gefühlen beladen. Zum einen darf man die Geborgenheit des
Altbekannten genießen, die unangenehmen Überraschungen halten sich meist in
Grenzen: Oh, der Kaffeeautomat ist immer noch kaputt. Andererseits verabschieden
sich die positiven Gefühle gänzlich, wenn man feststellen muß, daß es auf den
Toiletten immer noch so riecht, als hätte jemand versucht, einen verwesenden
Pottwal hinunterzuspülen.
Das ist für mich eine Institution. Im Langenscheidt Lateinisch-Deutsch
Wörterbuch findet man übrigens unter dem Verb „instituo“ mannigfaltige
Übersetzungen wie z.B.: hinstellen, aufstellen, anstellen, einführen, einsetzen,
ordnen. Unter „institutio“ findet man u.a. Die Übersetzungen „Grundsätze,
Methode“ Irgendwie stimmt das alles mit meinem Verständnis einer Institution
überein.

Wo ist jetzt die Parallele zu dem Elephanten? Man möchte von beidem nicht,
das es sich auf einen draufsetzt. Nach diesem wenig stichhaltigen und durchaus
verwirrendem Quatsch schließe ich mit der Bemerkung, daß mir das Wort
Institution urplötzlich in den Sinn gekommen ist, als jemand genau vor mir in
dem übervölkerten Flur einer solchen einen epileptischen Anfall bekam.

Mehr Definitionen bekannter und beliebter Fremdwörter bald und an dieser
Stelle aus der Lokalredaktion Trier von mir,
dem Kai.