Die neue Dimension des Horrors

(Mysteriöse Anfangsmelodie erklingt)

Nein, schon lange
ist nicht mehr Mitternacht die Geisterstunde, und auch wandeln
dann nicht mehr Untote unter den Lebenden, nein, es passiert etwas
viel gruseligeres zur neuen Zeit des Horrors, ich spreche von der
magischen Zeit 20.15 Uhr.

Was ich meine wird
nur der Leser verstehen, der wie ich und auch wie mein Kollege K.
fremde Fenster in Massen beobachten muss.

Pünktlich
allabendlich verwandeln sich dort die Lebenden in Tote, dann geht
das Licht in ihrer Gruft aus und wird vom blauen Zucken ihrer
Fernseher geflutet.

Ihre so von unten
angeleuchteten Häupter und ihre Regungslosigkeit machen mir
derart Angst, daß ich nur noch wage, den Fernseher tagsüber
anzuschalten, auch hüpfe ich dann alle zwei Minuten auf und
ab, um mir selbst zu versichern, dass ich noch lebe.

Am schlimmsten ist
es Freitagabends. Berlin ist eine Freitagabendhölle.

Das Menschen um
mich herum leben, merke ich dann nur daran, dass ihre Handys
Störwellen an mein Radio senden.

Und steht gar ein
mediales Großereignis in der Tür, liege ich bibbernd
mit Kruzifix und Weihwasser unter meinem Bett, was gar nicht so
einfach ist, weil ich auf einer Matratze auf dem Boden zu schlafen
pflege! Aber alles besser als sehen zu müssen, wie die
Fernsehschatten synchron auf den umgekehrten Zombies tanzen.

Es gibt, glaube
ich, auch eine Micky-Maus-Geschichte, in der Goofy und andere
Entenhausener von einem Fiesling per TV hypnotisiert und zu
Untaten angestiftet werden, aber das gehört hier nicht hin,
kauft euch gefälligst selbst Comichefte (Tipp: Donald-Duck-
Hefte sind viel besser als die Mickylangweilermaus, aber das weiß
ja eh jeder, also streichen sie diesen besserwisserischen Müll
mit einem dicken Filzer raus!).

Eine Tages, ich
weiß das, werden sich die Fernsehzombies erheben und unsere
Gehirne schlürfen. Seid bereit, schon bald schlägt es
wieder 20.15!

(Eine gruselige Endmelodie ertönt)

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