Hallelujah!

Ich glaubte nicht
an den lieben Gott, echt wahr!

Gab es doch immer
so viel Ungerechtigkeit in meiner Kindheit. Immer musste ich um
neun ins Bett, den Müll herunterbringen, oder den schlucken,
den mein großer Bruder mir erzählte; und nie konnte ich
die wirklich interessanten RTL-Filme sehen, weil wir kein Kabel
hatten.

Meine kriminelle
Laufbahn begann deshalb auch schon sehr früh, sei es als
Armenkassenräuber im Kindergarten (mit 5) oder als Besitzer

einer Privatarmee in der 3. Klasse (finanziert durch
Brausestangen).

Die Faszination
von Raub und Gewalt führten mich zu dem unweigerlichen
Schluss, es könne keinen Gott geben, denn der hätte mir
sonst wohl die Leviten gelesen. Mein endgültiger Bruch mit
Gott kam, als „Herr Rossi sucht das Glück“
abgesetzt wurde, monatelang hatte ich die Serie verfolgt und
gewartet, dass Herr Rossi es endlich findet (und somit auch mir
dieses Geheimnis offenbart werde); und dann das: Suche
eingestellt, Kind desillusioniert.

Meine
ungesetzlichen Aktivitäten nahmen neue Maßstäbe
an, alsbald Trat ich der „Lintorfer kriminellen Linken“
bei und beging so als Ratinger quasi Vaterlandsverrat. Es folgten
Jahre geprägt von Alkohol, Drogen, Frauen und natürlich
Gottlosigkeit.

Gefährliche
Meinungsmacher umgarnten mich mit ihren Revoluzzergedanken,
zuletzt plante ich sogar selbst eine Revolution mit Genosse K.
Teuflisch nannten wir uns „Kommando riechend durch die
Republik“; unser Ziel: Entwendung eines
Heißmangelwäschetransporters um uns in duftende Linnen
zu hüllen. So wollten wir uns an die Spitze der Macht
katapultieren!

Doch Du
„Kinderfresser“ warst mir ein Licht in dunkler Stunde,
die rettende Hand für den Ertrinkenden, Du führtest mich
zurück auf den Weg Gottes.

Als ich gestern
Nacht auf Deine Seiten blickte, fühlte ich die Liebe, die
fast 700 Kilometer durch dünne Leitungen zu mir schwappte und
ich erkannte, solch eine Liebe kann nur Gott einer Gruppe junger
Schreiberlinge geschenkt haben.

Dir mein Herz!

Vergebt einem
fehlgeleiteten
Erik Meisel