Vom Todeswunsch

Hatten Sie schon
einmal den Gedanken, dass Sie sterben müssen? Verzeihung,
vielleicht ist das jetzt zu plötzlich und persönlich,
aber um das richtig zu stellen:

Damit meine ich
nicht den Gedanken, der einen überfällt, wenn man sich
gerade bei der Aral-Tankstelle noch zwei Dosen Tuborg gekauft hat
und einem dann auf halbem Rückweg einfällt, dass man
Zigaretten vergessen hat und – weil es einem zu peinlich ist,
seine Vergesslichkeit dem Aral-Verkäufer-Sklaven
einzugestehen – einfach in die Kneipe am Wegesrand geht, um
sich dort mit Rauchwaren einzudecken. Dann bemerkt man am
Automaten, dass man sich nicht in irgendeiner Kneipe befindet,
sondern im „Café
Verkehrt
„, dem
städtischen Schwulentreff, und wenn man dann die Lokalität
zügig und mit dem Rücken zur Wand verlässt, läuft
man am Ausgang seinen Kommilitoninnen in die Arme.

Der Gedanke, der
einen dann beschleicht ist ein Anderer. Das ist der
Ich-wollte-ich-wäre-tot„-Gedanke.
Nein, ich spreche auch nicht von dem leicht pubertär-suizidären
aber kausal-verknüpfenden Gedanken
was-wäre-wenn-ich-tot-wäre„.
Dieser endet doch im gesunden Fall damit, dass man statistisch
abwägt, wer einem alles eine Träne nachweinen würde
und wer sich wiederum einen Ast freut. Da die Liste der Letzteren
sich meist ins Unendliche fortsetzt, wird der suizidäre Teil
dieses Gedankens doch dann hoffentlich wieder verworfen.

Und ich spreche
auch nicht von dem melancholischen Anflug, der einem wie ein
Windhauch durch die Knochen fährt, wenn man sich seiner
eigenen Vergänglichkeit bewusst wird. Nein.

Auch ist hier
nicht das Gefühl vor z.B. Einer Klausur gemeint, wenn man von
Negativmotivation, Genervtheit, Stress und bestimmt auch von einem
gewissen Schuldgefühl zerfressen auf die Idee kommt:
du-bist-so-gut-wie-tot„.

Auch will ich
nicht auf den an sich super-depressiven Gedanken hinaus:
wär-ich-bloß-nie-geboren-worden„.

Ganz und gar
ausschließen möchte ich an dieser Stelle, dass ich mich
an dieser Stelle und in aller Öffentlichkeit zu dem
habgierigen und besitzergreifenden Gedanken „wenn-ich-das
/den /die-nicht-bekommen-kann-muss /werde /will ich
lieber-sterben

äußere.

Auch will ich
nicht näher auf den Gedanken
wenn-das-jetzt-nicht-klappt-bringt-
mich-mein-Vermieter-um

eingehen, der einen meist dann befällt, wenn man mit diversen
Tuben Teppichschaum auf dem mit Rotwein versauten
Velours-Teppichboden – dem Stolz seines Vermieters und sozusagen dem
Ersatz für dessen nie gezeugten Sohn –
kniet.

Eigentlich wollte
ich nur von dem Gedanken sprechen, den man montags morgens hat,
wenn einem alle Knochen wehtun und man dennoch aufstehen muss,
aber das ist jetzt eh müßig, da mir dieser Artikel
sowieso vollkommen entglitten ist. Manche werden sogar sagen, er
sei zu lang.

Aus der
umnachteten Lokalredaktion Trier ein doch recht verwirrter Kai
Kugler.