Ein kleiner Jahresrückblick

Seit ich zu Hause ausgezogen bin, weiß ich wie viele Schamhaare der junge Mensch innerhalb einer Woche verliert, wie viel Geschirr man auf eine Spüle türmen und wie voll mein Aschenbecher auf dem Balkon sein kann, ohne dass er vom Wind umgeweht wird.

Weitere Erkenntnisse des auslaufenden Jahres: Ich bin zu häufig im Internet, so dass sich die AOL-Flatrate ohne weiteres rechnen würde. Ich telefoniere zu oft und zu lange. Ich habe meinen Zigarettenkonsum trotz Drohungen des Vermieters (schließlich wohne ich in einer Nichtraucher-WG) eher noch ausgeweitet, und ich sollte mir langsam mal überlegen, ob ich meine Unterlagen vom ersten Semester nicht doch vielleicht einmal sortieren und abheften sollte.

Außerdem: Ständiges Fahrradfahren ohne Licht kommt bei den Freiburger Hilfspolizisten nicht sonderlich gut an, genauso wenig wie Parken in der Fußgängerzone („Ich wollte doch nur meine gehbehinderte Oma abholen…“). Überhaupt sollte ich mir ein Fahrrad mit dickeren Reifen zulegen, weil ich ständig Gefahr laufe, in die Rillen der Straßenbahnschienen zu geraten. Meine Bilanz: Drei mittelschwere Stürze, zum Glück ohne Blut und zerrissener Kleidung…..

Was ich dieses Jahr so alles gelernt habe: Spätestens seit Dienstantritt bei meinem neuen Arbeitgeber (Volkshochschule Freiburg) weiß ich, was Mobbing ist. Lustige Zettelchen der Verwaltungsspitze („Schrauben Sie im Haus sämtliche Steckdosen-Gehäuse ab und reinigen Sie diese mit einem feuchten Tuch.“; „Entfernen Sie die Tesafilm-Reste an allen Glastüren.“; „Mein Heizkörper ist eiskalt.“; „Mein Heizkörper ist glühend heiß.“; „Mein Heizkörper ist lauwarm.“; „In den Lampenschalen haben sich Ablagerungen gebildet. Sofort entfernen!!“; „Tragen Sie im Haus immer Ihr Namensschildchen.“; „Entfernen Sie den Taubendreck auf dem Schaltkasten neben dem Hauseingang.“ etc. pp.) erfreuen mich jeden Tag aufs neue. Nett sind auch Gespräch mit badischen Handwerksmeistern (am besten immer „Ja“ sagen oder demonstrativ nicken). Dazu die Erkenntnis: Nie mehr werde ich bei der Arbeit eine schwarze Hose anziehen („Bringen Sie doch mal die Farbeimer auf den Speicher.“).

Zu meinem Studium: Ich bin immer noch so faul, wie schon zu Schulzeiten. Dazu habe ich ein Talent entwickelt, mich in der Mediävistik-Vorlesung genau so zu setzen, dass ich bei der Übersetzung auf jeden Fall dran komme. Und das vornehmlich, wenn ich die Übersetzung wieder mal nicht geschafft habe. Wie gut, dass ich da mein Improvisationstalent entdeckt habe. Das hat mich in diesem Jahr aus dem gröbsten Schlamassel rausgehalten, sowohl in Mediävistik, als auch in Linguistik, als auch in der Spanisch-Vorlesung, als auch in meiner Geschichts-Übung „Russische Kulturpropaganda der 30er Jahre“. Trotzdem ärgere ich mich ständig über meine fehlende Lerndisziplin, die mir auch in 2000 erhalten geblieben ist: Hausarbeiten schreibe ich innerhalb von zwei Tagen und Nächten, weil ich davor drei Monate geschlampt habe. Bis jetzt zumindest hat es hingehauen. Mal schauen, wie das im nächsten Semester aussieht, wenn ich zwei liegen gebliebene Hausarbeiten vom Sommersemester 2000, eine Spanisch-Sprachklausur und Klausuren in Linguistik und Mediävistik schreiben muss. Dazu nahen die Zwischenprüfungen in Germanistik und Geschichte, die ich ohne die vorher erwähnten Klausuren und Hausarbeiten nicht ablegen kann.

Fazit: Irgendwie kriegen wir das schon hin.