Winter

Schon bald ist Sommer

Heute lag mir der Gedanke im Kopf, es würde schon Sommer.
Alle laufen naß vom Schweiß durch die Gegend. Frauen
laufen dreiviertelnackt durch die Gegend und überfluten alle
Männer mit unangemessen sexuellen Reizen, Hessenkollegschüler
gehen den ganzen Tag einkaufen weil im Norma eine Klimaanlage
Abkühlung verschafft und die Reichen haben Sonnenbrand vom
Cabrio. Das Flimmern der Hitze verdirbt die Augen, die Erlösung
durch die Kühle der Nacht kommt erst um Zehn und die
Sonnenstrahlen der Morgensonne bohren sich schon um 5 Uhr 30 in die
Augen. Die ozonhaltige Luft vermischt sich mit dem Smog und bildet
eine giftige Glocke die während der Windstille die Lungen
vergiftet. Lauwarme Getränke, Mückenstiche, Sonnenstich und
das Schlimmste aller Übel: Die Haut wird Braun! Diese "Gesunde
Bräune" brennt sich auf die Haut wie auf ein altes
aufgebackenes Brot.

Doch zum Glück ist es noch Winter.

Sanft legt die Kälte ihre erfrischenden Schleier übers
Land, die Bäume entfangen sie mit Offenherzig und müssen
sich nicht hinter einem Mantel aus Grün vor der verbrennenden
Sonne schützen. Aller Schmutz, alles Unreine wird mit großen
Güssen hinfort gespült. Kleidung bekommt einen Sinn. Schöne
Farben zeigen das Land wie es wirklich ist, alles ist so ehrlich und
doch kann sich der Winter auch verdeckt zeigen, er bedeckt alles mit
weiß als ob er uns alle vor den Flammen der Sonne schützen
will. Schon die kleinsten Andeutungen eines wohl geformten weiblichen
Körpers versprühen heiße Erotik da die Dosis einfach
stimmt. Erst die Kargheit und Einfachheit des Winters öffnen die
Augen für die wirklich schönen Dinge. Eine Blume, mag sie
noch so herrlich sein, ist um so schöner wenn sie allein dar
steht, denn im Feld währe sie verloren und unattraktiv. Wenn die
Kälte kommt, gib es doch nichts schöneres als die Wärme
einer Feuerstelle oder sogar eines Körpers zu spüren und
während dessen die frische kühle Luft zu Atmen.

Martin im Winter