Der grenzdebile Onkel Kai erzählt aus seinem Leben (Teil 1)

Hab ich euch schon von meinem letzten Krankenhausaufenthalt
erzählt?

Nein? Nun gut, mal überlegen, wie bin ich denn in den
Schlammassel gekommen? Wie ihr wißt, passieren einem oft recht
unvorhergesehene Dinge. Wie, als ich neulich mit dem Bus fuhr.
Nachts, mit einem Linie, mit der ich normalerweise nicht fahre. Das
war der Fehler.

Hätte ich aufmerksamer aus dem Fenster gestarrt, anstatt
einem Gespräch zwischen zwei Psychologie-Studenten zu lauschen,
hätte ich bestimmt gemerkt, daß mir die Gegend, durch die
der Bus fuhr, alles andere als bekannt war. Es war auch auffällig,
daß sich die Anzahl der Fahrgäste von Station zu Station
verringerte. Besonders auffällig war, daß ich zwischen der
vorletzten und letzten Station der letzte Fahrgast überhaupt
war.

Letzte Station? Ja richtig. Der Busfahrer drehte sich zu mir um
und raunte nur sein "hier is Schluß". Ich begriff
immerhin, daß ich mal wieder zur falschen Zeit am falschen Ort
war und offensichtlich einen Fehler gemacht hatte. Ich war
aufgestanden und mein rechtes Bein steckte schon in der Tür, die
gerade zuging. Ich danke an dieser Stelle demjenigen, der die
Lichtschranke erfunden hat und mich so vor einer Amputation bewahrte.

Den gut gemeinten Rat, nicht mit dem Fahrer zu sprechen,
beherzigte ich leider nicht:

"Ich dachte, Sie fahren in die Stadt"
"Ne"
"Fahren
Sie denn zum Busdepot?"
"Natürlich"
"Das
ist doch in der Stadt"
"Ne, das is ganz woanders"

Fast, um ein Haar hätte ich gefragt, ob er mich denn nach
‚ganz woanders‘ hin mitnimmt. Mir behagte der Gedanke wenig, irgendwo
im Nichts und das noch mitten in der Nacht ausgesetzt zu werden.

"Fährt denn noch einer in die andere Richtung?"
"Da
kommen noch viele"

Hätte er meine Frage verneint, hätte er mich aus seinem
Bus schon mit Gewalt entfernen müssen. So stieg ich aus, der
Busfahrer fuhr seinem Feierabend entgegen. Aber der Mann hatte recht.
Es fuhren noch Busse in die andere Richtung. Zwei Stück, der
erste davon in knapp 50 Minuten. Mahlzeit. Ich beschloss – und das
war eher ein Reflex – mich zu Fuß auf den Weg zu machen anstatt
jämmerlich in der Gosse zu erfrieren. Wer konnte schon ahnen,
daß diese Unternehmung ein Todesmarsch auf der Straße
nach Nirgendwo werden sollte. Auf dem Fußmarsch nach Hause bin
ich dann auch an dem Krankenhaus vorbeigekommen, in dem ich den
Samstag davor war. Ach ja, das war ja auch die Geschichte, die ich
euch eigentlich erzählen wollte!

Aber jetzt ist’s schon spät. Ab in’s Bett. Diese Geschichte
erzähl‘ ich euch ein andermal.

Veröffentlicht unter kai

Silvestern von gestern

Ja ja, der Jahreswechsel. Eines der blödesten Ereignisse im
Jahr. (Und ich feier es doch… Das nenn‘ ich blöd!) Eigentlich
passiert nichts anderes als in jeder anderen Nacht, nur, daß
man sich am verkaterten nächsten Tag an eine andere Jahreszahl
im Datum gewöhnen muß. Gut, für so Gewohnheitslemmige
wie mich ist das schon schwer genug und es dauert auch jedes Jahr bis
an die 365 Tage, bis ich den Dreh dann endlich raus hab‘. Also
eindeutig kein Grund zu feiern! Aber man feiert ja so viel, warum
dann nicht auch den 31. Dezember? Es bietet sich schließlich
an, gerade an dem Abend zu feiern, während andere ihre schwer
verdiente Knete in Form von Sprengstoff und Magnesium und so’n Zeug
all in die Luft schießen. Ne ehrlich, ich find das sogar ganz
reizend solang mich das kein Geld kostet.

Und was bringt Silvester noch? Die obligatorischen Vorsätze
und das trübsinnige Nachdenken über die Zukunft. Beides
durchaus frustrierend. Die Vorsätze, weil man sie eh nicht
einhält. Wetten?

Dann machen Sie doch mal den schwer nikotinsüchtigen (seit
1.1. 0.00h vorübergehend clean) Studenten ganz nebenbei darauf
aufmerksam, wann irgendwelche Prüfungstermine sind, wie die
Prüfungen ablaufen oder wahlweise, wann irgendwelche
Abgabetermine von irgendwelchen Arbeiten sind oder wie die
Berufschancen nach abgeschlossenem Studium aussehen. Schon gibt es
einen Vorsatzbrecher mehr auf der Welt. Ich find‘ das auch gar nicht
schlimm.

Vorsätze sind also Quatsch. Genauso wie die
Zukunftsprognosen. Es wird alles
besser/schlechter/anders/wieauchimmer. Who knows? Pro7 hat zum neuen
Jahr sein Vorabendprogramm geändert. Who cares? Die
Horrormeldungen am laufenden Band aus allen Massenmedien werden auch
in diesem Jahr nicht versiegen. Irgendwer trennt sich von irgendwem,
dasunddas darf man nicht mehr essen, irgendwo brennts oder es tritt
diesundjenes aus und dann noch die Wetterkatastrophen (wer ist
eigentlich Paul?), ein Naziaufmarsch, ein Skandal, ein paar Urlauber
werden entführt, noch ein Skandal, dann noch eine moralisch
bedenkliche Fernsehshow, Kinder werden totgebissen, Ausländer
werden totgeschlagen, ein beliebter Fernsehstar stribt und dazu noch
immer die scheiß Politik und die verdammten Steuern! Ich sollte
Hellseher werden. Obiges ist also meine Prognose für dieses
Jahr.

Das eigentlich schlimme ist: Ich will das alles nicht mehr hören.
Man ist versucht, sich aller Informationsquellen zu entledigen und
sich zu verbarrikadieren.

Eine andere Möglichkeit wäre die Realisation eines
Konzeptes, welches schon lange in meinem Kopf rumspukt: Ein positiver
Nachrichtensender:

Guten Tag, meine Damen und Herren. Topthemen heute: In
Wuppertal-Barmen sind gegen 14:30h unheimlich niedliche Katzenjunge
gesund zur Welt gekommen; Einem Rentner aus Oberhausen ist es
gelungen, einen besonders wohlschmeckenden Kaffee aufzubrühen;
Bei dem großen Mensch-ärger-dich-nicht Turnier in
Papenburg gab es keine Verlierer, da nur ein Teilnehmer antrat und
auch prompt das Spiel gegen sich selbst gewann. Wir schalten nun live
zu unserem Reporter vor Ort und gratulieren dem glücklichen
Gewinner…

Das wär dann mal ein gutes neues Jahr!

Veröffentlicht unter kai

Mein schönstes Ferienerlebnis das ich je hatte

Von Kire Lesiem, Klasse 6b

Wie ich mal den technisierten Kinderfresser besuchen durfte.

Die mit virtuosen Goldschlagarbeiten verzierte Flügeltür
schwingt auf und der ehrfürchtige Besucher betritt die marmorne
Eingangshalle, ein Drink wird gereicht während man im Golfwagen in Richtung Rezeption
gleitet, an den Wänden edle Teppiche und Portraits der
glorreichen Urväter der Redaktionen.

An der Rezeption herrscht entspannter Aktionismus, freundliche, ja
ungemein freundliche Damen (nutch, nutch, say no more), bemühen
sich jeden Wunsch zu erfüllen, ja vielleicht ist es heute ja
sogar möglich jemanden aus der Redaktion persönlich zu
sprechen, aufgeregt wird getuschelt, vorsorglich ein neuer Film
eingelegt. Doch zunächst freut man sich auf das
Informationszentrum mit Souvenirshop, der unbestrittene Höhepunkt
ist ein Theaterstück über die Gründung der Redaktion.

Es wird jedoch noch spannender, man nähert sich dem Herzen
des Kinderfresser, den Büros der Idole einer ganzen Epoche.
Weite luftige und sonnige Hallen werden Durchfahren überall
befinden sich gemütliche Sitzecken, Weinregale,
Computerterminals aus Platin, Whirlpools, Massageliegen, Saunen,
ganze Spaßbäder und Sekretärinnen, um, wie erklärt
wird, sicherzustellen, dass auf dem Weg zur Arbeit keine Idee
verloren geht. Der Audienzsaal in unvorstellbarer Pracht, an den
Wänden all die Trophäen, Pulitzerpreise, abgelehnte MTV
Awards alle erdenklichen Nobelpreise usw. (ungenau!)

Sie stehen in und auf gigantischen Bücherregalen, hier kommen
die schönsten Fanbriefe hin (Ein ganzer Gebäudekomplex
widmet sich nur der Beantwortung dieser Briefe). Es macht sich stille
Ehrfurcht breit. Auf einmal ein Kreischen und Aufheulen, unfassbar,
ein Redaktionsmitglied kommt aus seinem angrenzendem Refugium, einer
jener Räume die nur sehr ausgewählte Leute betreten dürfen.
(Anmaßend! Ich weiss, was ein Refugium ist!)
Nicht
wenige fallen in Ohnmacht als dieses Mitglied seinen Weg nicht
fortsetzt sondern lächelnd auf unsere Gruppe zukommt, mein
eigenen Herz schlägt mir bis zum Hals. Ich erkenne das
Redaktionsmitglied als erster als es sich uns auf etwa Fünfzig
Meter genähert hat, es ist Sir Kugler (Er hat endlich das Bitten
des englischen Königshauses erhört), die Waagen halten
jetzt auf ihn zu und meine Knie werden weich, die Leute schnattern
aufgeregt. Sir Kugler begrüßt jeden Persönlich mit
Handschlag (ich hab meine seit vier Wochen nicht mehr gewaschen)
viele der Frauen fallen schon wieder in Ohnmacht.

Als wäre unser Glück nicht schon perfekt, gestattet Sir
Kugler was noch keinem vergönnt war, wir dürfen einer
Redaktionssitzung beiwohnen (ein Paar Besucher werden jedoch in den
Krankenflügel gebracht ). Wir werden in einen Raum gebracht in
dem man hinter Panzerglas den Sitzungsaal (??
Sitzungs-Aal ??)
sehen kann. Und jetzt kommt der Hammer!!!
Weil ich ja so klein bin konnte ich schlecht über den Rand
gucken, dies sah Sir Kai (Dieser Mann ist trotz seines
Unwahrscheinlichen Erfolgs so bodennah und Mensch geblieben, obwohl
er für mich mehr ein Gott ist)und befahl, dass man mich direkt
an den Redaktionstisch setzten solle! Ich hab die Tür nicht mehr
zugekriegt!

Da saß ich nun im Zentrum der Macht und fast alle waren sie
da, Herr von Franz, Prinz Cechura, Präsident Minarzik und über
ein großes Display aus Berlin zugeschaltet Herr Dr.Meisel,
letzterer begrüßte mich mit den Worten ob „wir denn
ein neues junges Redaktionsmitglied hätten“ und „das
ein wenig junges Blut ja nicht schaden kann.“

Über das was besprochen wurde dürfen wir natürlich
nicht sprechen, sonst werden wir erschossen und ich bin mir nicht
sicher ob das ein Scherz war.

Aber soviel darf ich sagen:Das war das schönste Erlebnis,
dass ich je hatte und wenn ich jetzt sterben würde fänd ich
das garnicht gar nicht!!
schlimm!

1+ Gott wie ich Dich beneide

Veröffentlicht unter erik

Winter

Schon bald ist Sommer

Heute lag mir der Gedanke im Kopf, es würde schon Sommer.
Alle laufen naß vom Schweiß durch die Gegend. Frauen
laufen dreiviertelnackt durch die Gegend und überfluten alle
Männer mit unangemessen sexuellen Reizen, Hessenkollegschüler
gehen den ganzen Tag einkaufen weil im Norma eine Klimaanlage
Abkühlung verschafft und die Reichen haben Sonnenbrand vom
Cabrio. Das Flimmern der Hitze verdirbt die Augen, die Erlösung
durch die Kühle der Nacht kommt erst um Zehn und die
Sonnenstrahlen der Morgensonne bohren sich schon um 5 Uhr 30 in die
Augen. Die ozonhaltige Luft vermischt sich mit dem Smog und bildet
eine giftige Glocke die während der Windstille die Lungen
vergiftet. Lauwarme Getränke, Mückenstiche, Sonnenstich und
das Schlimmste aller Übel: Die Haut wird Braun! Diese "Gesunde
Bräune" brennt sich auf die Haut wie auf ein altes
aufgebackenes Brot.

Doch zum Glück ist es noch Winter.

Sanft legt die Kälte ihre erfrischenden Schleier übers
Land, die Bäume entfangen sie mit Offenherzig und müssen
sich nicht hinter einem Mantel aus Grün vor der verbrennenden
Sonne schützen. Aller Schmutz, alles Unreine wird mit großen
Güssen hinfort gespült. Kleidung bekommt einen Sinn. Schöne
Farben zeigen das Land wie es wirklich ist, alles ist so ehrlich und
doch kann sich der Winter auch verdeckt zeigen, er bedeckt alles mit
weiß als ob er uns alle vor den Flammen der Sonne schützen
will. Schon die kleinsten Andeutungen eines wohl geformten weiblichen
Körpers versprühen heiße Erotik da die Dosis einfach
stimmt. Erst die Kargheit und Einfachheit des Winters öffnen die
Augen für die wirklich schönen Dinge. Eine Blume, mag sie
noch so herrlich sein, ist um so schöner wenn sie allein dar
steht, denn im Feld währe sie verloren und unattraktiv. Wenn die
Kälte kommt, gib es doch nichts schöneres als die Wärme
einer Feuerstelle oder sogar eines Körpers zu spüren und
während dessen die frische kühle Luft zu Atmen.

Martin im Winter

Veröffentlicht unter martin