Mich trifft es besonders hart – ich habe einen 70l Tank

Zahlen sind nach dem Menschen
wohl das grösste Mysterium der Welt. Der grösste Schock, um bei den
Superlativen zu bleiben, für einen Herrn im Vorruhestand war wohl die insgesamt
drastische Benzinpreiserhöhung Anfang 2000.

Dieser Herr war in einer
TV-Umfrage nach seiner Meinung gefragt worden und er hat sich mit dem Satz
„Mich trifft es besonders hart – ich habe einen 70l Tank.“ in meiner
Erinnerung verewigt.

Warscheinlich
für immer.

Dabei müsste man in den
Industriestaaten doch von einer durchgängig wenigstens ausreichenden
mathematischen Vorbildung ausgehen können.

Man kann nicht.

Offener Brief für den unbekannten
Herrn im Vorruhestand

Sehr geehrter Herr,

um es direkt zu sagen: Ihr
Tankinhalt hat nichts mit dem Benzinpreis zu tun. Der Tankinhalt wird natürlich
immer 70l betragen, wenn er vorher bereits dieses Raumvolumen zur
Verfügung gestellt hat. Eine Erhöhung
des Preises hat darauf keinen Einfluss. Weiterhin wird Ihr Auto bei vorgegebenen
Einflussfaktoren auch nicht mehr verbrauchen, weil sich der Benzinpreis erhöht
hat. Was sich ändert, wie sie vielleicht schon bemerkt haben, ist der Preis für
eine Tankfüllung. Dieser Änderung liegt eine mathematische Formel zugrunde:

Preis pro Liter Benzin * Tankinhalt in
Litern = Preis pro Tankfüllung

Nun ist es aber nicht so, dass es
Sie hart trifft. Es trifft Sie genau gleich hart wie andere Personen, die Benzin
käuflich erwerben. Die Korelation, die Sie zwischen Tankinhalt und Benzinpreis
zu finden glauben, existiert indess, wie eingangs erwähnt, nicht. Nehmen wir
einmal modellhaft an, Ihr Tankinhalt wäre geringer – beispielsweise 34 Liter.
Das hätte keinerlei Auswirkungen auf den Benzinpreis, da dieser ja gegeben ist,
und auch keine Auswirkungen auf den Verbrauch, den wir ebenfalls als gegeben
ansehen wollen. Das Einzige, was sich änderte, wäre der Preis einer Tankfüllung.
Dieses können Sie anhand oben angegebener Formel leicht nachrechnen.

Da Sie nun mit einem niedrigeren
Tankvolumen über eine direkt proportional geringere Reichweite verfügen, tanken
Sie folgerichtig häufiger als vorher, so daß sich zwar die Endbeträge
verringern ließen, gleichzeitig aber dann die Anzahl der Tankfüllungen in
gleichem Maß zunimmt und diese Ersparnis vollkommen aufbraucht. Über einen
längeren Zeitraum betrachtet äußert sich ein größeres Tankvolumen, bei
fixem Benzinverbrauch des Fahrzeugs, darin, dass sich nicht nur die Reichweite
erhöht, sondern sich bei entsprechend umsichtigem Konsumverhalten auch zu
günstigen Zeitpunkten nachtanken ließe. Dieses ist bei geringeren Volumen des
Kraftstoffbehälters schwieriger zu optimieren. Daher ist das von Ihnen durch „besonders“
gesteigerte Adjektiv hart hinreichend falsch, denn Sie können durch das
grössere Tankvolumen die Marktlage besser nutzen als dieses bei Fahrern von Fahrzeugen
mit geringerem Tankinhalt der Fall ist.

Nach dieser, zugegebenermassen,
belehrenden Erklärung etwas Konstruktives:

Denken
Sie mal über Aluminiumfahrräder nach…

Veröffentlicht unter marcus

Warum mir eigentlich alles egal ist 10

Okay, dann erzähle ich zur Abwechslung mal etwas Positives:
Heute morgen stand ich an der Straßenbahnhaltestelle
Stadttheater, und auf einmal ging im Baum hinter mir das große
Geschilpe los. Die Vogelmutter war wohl gerade in ihr Nest zurück
gekehrt und hatte Futter für ihre Jungen organisiert. Nicht nur
ich drehte mich nach dem Baum um und blickte in die Krone, um einen
Blick auf das Nest zu bekommen. Aber trotz des saisonbedingten kahlen
Baumkleids hatte es die Vogelmutter wohl geschafft, ihr Nest
strategisch günstig, also unsichtbar für alle Gaffer und
potentiellen Feinde, zu platzieren. Das Geschilpe wollte gar nicht
mehr aufhören, so dass ich annehme, dass die Mutter wohl einen
guten Tag hatte. Und das, wo der Betonierungsfaktor in der Innenstadt
ziemlich hoch ist. Mutter Natur setzt sich halt immer noch durch,
auch wenn der Mensch dies verhindern möchte.

Und noch etwas Positives schreibe ich jetzt auf: Ich habe vor
einigen Tagen die Frau meines Vermieters getroffen, als ich gerade
beim Müllwegbringen war. Ich habe sie nett gegrüßt,
sie hat nett zurück gegrüßt. Und dann sagte sie mir
mit einem Lächeln im Gesicht und nachsichtigem Kopfschütteln,
dass es im Treppenhaus immer noch permanent nach Rauche rieche. Und
mit tadelnder Stimme fragte sie mich, was mir denn einfallen würde,
mir in der Wohnung eine Zigarette anzustecken. Ich fühlte mich
stark zurückerinnert an eine Szene vor ein paar Monaten, als
mein Vermieter am Morgen nach einer kleinen Party wutentbrannt anrief
und mir vorhielt, er habe wegen des Qualms im Flur bis zwei Uhr
nachts kein Auge zumachen können um sich anschließend in
einen zehnminütigen Cholerikanfall hineinzureden. Das Gespräch
endete damals mit meinem Hinweis, er solle wieder anrufen, wenn er
sich beruhigt habe, weil ich mich von nichts und niemanden in der
Welt beleidigen lasse. Damals bin ich etwas wütend geworden,
diesmal blieb ich gelassener: "Ich kann mir gar nicht erklären,
warum es im Flur nach Rauch riecht. Ich beschränke meinen
Zigarettenkonsum sowieso auf ein Minimum, und zwar auf dem Balkon",
heuchelte ich mit einem freundlichen Lächeln im Gesicht. Ich
brachte die Mülltüte weg, und als ich wieder nach oben kam,
stand die Vermieterin schnüffelnd vor meiner Tür: "Oh,
da muss ich mich wohl bei Ihnen entschuldigen. In Ihrer Wohnung
riecht es tatsächlich nicht nach Qualm." Es hat also doch
Vorteile, wenn man Kochaktionen mit gedünsteten Zwiebeln und
Knoblauch startet. So weit, so entspannend, dachte ich mir, während
ich mir in meinen Zimmer eine Zigarette anmachte.

Und dann drückte ich ganz entspannt auf die Taste meines
CD-Spielers, wo seit einer Woche permanent eine der schönsten
Neuerscheinungen der letzten Zeit steckt. Nämlich die CD der
isländischen Gruppe Sigur Rós, Und das auch nur, weil es
mein favorisierter Plattenhändler in drei Wochen nicht geschafft
hat, das Ding als Vinyl zu bekommen ("S’isch wohl ein Engpass").
Neuerscheinung ist das falsche Wort, weil die Platte von 1998 ist und
jetzt erst langsam Deutschland erreicht. Als ich erste Ausschnitte
im vergangenen Sommer bei "Raum und Zeit" hörte, bin
ich sofort in die Düsseldorfer Plattenläden gelaufen, wo
mich die Plattenhändler ziemlich blöd angeschaut haben.
Jetzt ärgert mich, das Sigur Rós als CD des Monats groß
bei WOM im Schaufenster plakatiert ist. Ich fühlte mich spontan
an einen Spruch von Benjamin von Stuckrad-Barre erinnert, der zur
"Urban Hymns"-Platte von The Verve gesagt hat, dazu müsse
man auf den Tisch steigen und laut mitgröhlen. Leider kann ich
kein isländisch. Außerdem bin ich immer noch verliebt.

Veröffentlicht unter egal

Warum mir eigentlich alles egal ist 9

Es lohnt sich doch, dass ich jeden Tag zum Frühstück die
Todesanzeigen in der lokalen Tagespresse studiere. So habe ich zum
Beispiel als erster vom Tod der Mutter meines Latein-Dozenten
erfahren. Und weil Universitäts-Angestellten beim Ableben eines
nahen Verwandten zwei Tage Urlaub zustehen, hatte ich an diesem Tag
kein Latein. Außerdem bekommt man beim Lesen unfreiwillig
Vorlagen, wie man es nicht machen sollte. In eine übliche
deutsche Todesanzeige, wie sie jeder Beerdigungsunternehmer in seinem
Katalog hat, gehört oben rechts ein Sprüchlein, wie:

Schlicht und einfach war dein Leben
treu und fleißig
deine Hand,
hast dein Bestes uns gegeben,
schlafe wohl, hab‘
vielen Dank.

Bösartig zwischen den Zeilen gelesen heißt das jetzt:
Der Verstorbene war geizig, ständig auf Geschäftsreise und
hatte deshalb nie Zeit für seine Familie. Ohne Vorurteile
gelesen wollte die Familie nur die guten Seiten des Verstorbenen
darstellen, weil man ja über Tote nicht schlecht spricht. Oder
doch die Verwandten ärgern, die keine persönliche
Sterbeanzeige geschickt bekommen haben (inklusive Kärtchen für
den Leichenschmaus). Die Sprüche wiederholen sich oft: Wem
nichts einfällt, nimmt die Bibel, wer deutsche Dichter schätzt,
Hesse oder Schiller, die ganz Kreativen nehmen ein Zitat aus dem
"Kleinen Prinz", das Bildungsbürgertum aus dem "Petit
Prince". Ganz schlecht ist die Sorte Sprüchlein, die sich
nach Büttenrede oder wie von Oma gereimt anhört (s.o.).

Oft sind die Verfasser der Sprüchlein nicht angegeben, so
dass sich zwangsweise Fehler einschleichen. Heute tauchten zwei
verschiedene Versionen von ein und demselben Vers auf. Einmal:

Wenn die Kraft zu Ende geht,
ist Erlösung Gnade.

Die zweite Variante:

Wenn die Kraft zu Ende geht,
ist Erlösung eine
Gnade.

Welche Fassung nun stimmt, mag ich nicht zu sagen. Ich tippe auf
die erste. Geradezu peinlich sind Rechtschreibfehler in
Todesanzeigen, wie zum Beispiel heute beim "Omnibusunternehmer"
Artur Boch, wo die Verwandten bitten "von Beileidbezeigungen"
Abstand zu nehmen. Dieser Fehler ist weder durch große Trauer
noch durch die Feinheiten des badischen Dialekts zu entschuldigen.
Der Beerdigungsunternehmer sollte lieber mal seinen Computer
anschmeißen und die fehlerhafte Datei ändern. Denn dieser
Satz wird häufiger mal gebraucht.

Darf man so über eine solch ernste Sache wie den Tod
schreiben, frage ich mich, während ich die beiden ersten beiden
Absätze noch einmal durchlese. Es geht noch kälter: "Und
plötzlich erinnere ich mich schmerzlich, wie gerne ich Alison an
diesem Frühlingsnachmittag hätte zu Tode bluten sehen, aber
etwas hatte mich zurückgehalten." (‚American
Psycho‘, Seite 290). Aber es geht auch viel, viel schöner:

Seid, Augen mein, gewiß:
Die Zeit vergeht, und
jene Stunde naht
Und setzt ein Ende eurer Tränenflut.
Euch
Flieh die Finsternis,
Solange ihre Gnad‘
Auf dieser Erde
hold
zu sein geruht.
Und ist der Herr so gut
Und schenkt ihr
Heiligenwonne –
Wenn meine Lebenssonne
Sich von uns kehr zu
jenen Himmelsauene,
Was, Augen, bleibt auf Erden euch zu
schauen?
 
(Michelangelo).

Solche Verse gehören in eine Todesanzeige, sofern der
Verstorbene christlich getauft war. Und nicht wie die knauserigen
Stammtischkollegen des verstorbenen "Omnibusunternehmers"
Artur Boch, die sich mit einem nichtssagenden "Adieu"
verabschiedet haben. Außerdem bin ich immer noch verliebt.

Veröffentlicht unter egal

Warum mir eigentlich alles egal ist 8

Da sieht man mal wieder, wie groß mein Nachholbedarf in
Sachen Mittelhochdeutsch noch ist: Monophtongierung wird nämlich
mit th geschrieben, also Monophthongierung. Im Gegensatz zum
Diphthong (Zwielaut) handelt es sich beim Monophthong um einen
einfachen Langvokal. Mit diesen beiden Begriffen kann man gut
erklären, wie sich denn die Laute vom Mittelhochdeutschen zum
Neuhochdeutschen verändert haben. Zum Beispiel beim schönen
Wort "Liebe", das im Mittelalter noch "Li-ebe"
ausgesprochen wurde, während es heute nur noch noch mit einem
langen "i" verwendet wird. Wahlweise aber auch kurz, wenn
man sich gerne mal einen schlechten Pornofilm anschaut. Das sind die
Filme, wo sich der Regisseur dann doch entschieden hat, einen Plot zu
schreiben und dann den Hauptdarsteller "Isch libbe disch"
sagen lässt, bevor die Fickerei losgeht. Besonders nett wird es
dann, wenn die Filme nachsynchronisiert sind.

Womit ich wieder bei einem Thema angelangt bin, dass mir momentan
starke Kopfschmerzen bereitet. Denn Liebe ist wird zwar nur mit einem
einfachen Langvokal ausgesprochen, die Realität ist aber
bedeutend schwerer. Wie gut, dass das Deutsche Seminar noch alte
Bücher besitzt, in denen wichtige Sachen auf denPunkt gebracht
werden: "Lieben drückt einen höhern Grad des
Wohlgefallens an einer Person sowohl, als auch das Bestreben ihr zu
gefallen aus", steht in Johann August Eberhards "Synonimischen
Handwörterbuch der deutschen Sprache, für alle, die sich in
dieser Sprache richtig ausdrücken wollen", aus dem Jahre
1832. Liebe und Gegenliebe sind aber zwei verschiedene Dinge, wie ich
momentan feststelle. Zur richtigen Vorgehensweise hilft da vielleicht
folgende kleine Strophe weiter: "Kann besserer Grund sich, dich
zu lieben, zeigen, / Als hoch zu preisen jenen ewigen Frieden, / Der
Dir, was göttlich an dir ist, beschieden / Und macht, daß
Edle sich zur Reinheit neigen?" (Michelangelo).

Schnell zu einem anderen Thema, nämlich meinem momentanen
Lieblingscafé in Freiburg. Das ist in der Eisenbahnstraße
und ziemlich klein, so klein, dass hinter der Theke gerade mal so
viele Tassen stehen, wie es Plätze an den Stehtischen gibt. Der
Chef heißt Gino und sein Mitarbeiter Marco. Gino weiß
mittlerweile schon, dass ich immer einen doppelten Espresso ohne
Lametta trinke, und Marco hat bis heute nicht gerafft, dass ich
ihm Trinkgeld für seine Dienste geben will. "Stimmt so",
sage ich, und Marco gibt mir immer die Differenz des Betrages zurück,
den ich laut Anschrieb an der Schiefertafel hinter ihm zahlen muss.
Mittags kommen dann immer die Angestellten aus den umliegenden
Bürogebäuden zu Gino, und Gino sagt dann immer "Wünsche
schöne Mittagspause". Wenn eine Frau ihren Kaffee bestellt,
auch schon mal ein Wörtchen mehr. Schön ist, dass man bei
Gino immer den aktuellen Spiegel oder Stern lesen kann. Er sollte
aber dringend aufhören die Freiburger Werbeblättchen, die
sowieso kein Mensch liest, zwischen die zwei Stöcke zu spannen,
die man dann auch aufhängen kann (wie heißen die
nochmal?). Und wenn Gino besonders gut drauf ist, dann stellt er sein
Radio ganz laut, vorzugsweise bei Zuccheros "Senza una donna",
Dann fange ich an zu grübeln, denn ich bin ja schließlich
immer noch verliebt.

Veröffentlicht unter egal

hast Du schon einmal ein Computerspiel gespielt?

Ich meine so richtig, nicht Mohrhuhn schießen, sondern ein
wirklich langes.

Nach ungefähr einem halben Monat spielen, beendete ich ein
solches, welches spielt keine Rolle. Bringt eure erlahmte Phantasie
mal in mein Zimmer und durchlebt mit mir die ersten Minuten Mach dem
Spiel.

Völlig unerwartet ist es auf einmal vorbei, du hast ihn
geschlagen, den Endfeind. Der Bildschirm wird schwarz, und doch
siehst du immer noch Farben. Die Ruhe ist beängstigend und doch
ist es das Gefühl, auf das Du seit dem Anfang des Finallevels
gewartet hast. Als du auf die Windowsoberfläche zurückkehrst,
wird dir plötzlich klar, dass du der Besiegte bist. 2 Uhr 30
zeigt die Uhr, bei dem Gedanken an diese Uhrzeit fühlst du dich
auf einmal unendlich müde, nicht die Art von Müdigkeit die
man hat, nachdem man ein 2m tiefes Loch gegraben hat, sondern eine
tiefere Müdigkeit, so als wenn Dich jemand, gefesselt, ein
Abhang hinunter geschubst hätte. Kurz nachdem der Computer
endlich runtergefahren ist, versuchst du Deine Augen aus dem
Bildschirm auszuklinken, voller Verwunderung stellst du fest, dass
sich Deine Grafikgeschwindigkeit auf ca. 31 Frames verringert und
wild rumzuckt. Du fährst Deinen externen Buffer aus und suchst
nach Halt. Im letzten Augenblick verhinderst du einen Systemabsturz.

In der Küche angekommen greifst du nach einer Wasserflasche,
von Muskelkrämpfen geplagt, führst du sie an den Mund und
spürst schließlich wie sich die Fluten über den
staubtrockenen Rachen ergießen. Das Leben scheint wieder
zurückzukehren. Du denkst, noch ein paar Healthpacks (Toast mit
Marmelade) und ein wenig Armor (Kaffee) bringen dich wieder auf einen
speicherwerten Level. Von wegen, die verbrannte und schlecht
programmierte Engine deines Körpers, gibt nach und du wählst
die Option schlafen um dem Endfeind ein weiteres mal entgegen zu
treten, nur mit anderer Textur……………..

Veröffentlicht unter martin

Der grenzdebile Onkel Kai erzält aus seinem Leben (Teil 2)

Wollte ich euch nicht eigentlich noch meine lustige
Krankenhausgeschichte erzählen? Also das war ungefähr so:
An Samstagen passieren einem ja immer die absurdesten Sachen. Da ja
alles, was schiefgehen kann auch irgendwann schiefgeht, müssen
sich die unangenehmen Dinge, die in der vorhergehenden Woche nicht
eingetreten sind, noch schnell behaupten und pfuschen sich am
Wochenende eins zurecht, um wenigstens ihr Wochenpensum zu erfüllen.
Nach einer bis dato recht erfolgreichen Woche, also eine, in der mich
kein Sattelschlepper überrollt hat, muß am Wochenende also
noch das schier unmögliche passieren: Wer sollte meinen, daß
Müsli-essen Gefahren birgt?

Ich hätte mir noch vorstellen können, daß es mit
gewissen Gefahren verbunden ist, Aligatoreneier selbst zu sammeln und
vor Ort zu verspeisen oder einen Kampfstier bei lebendigem Leibe zu
verputzen, aber Müsli? Und doch musste ich grausame Qualen
erleiden. Irgendetwas stach mich in den Hals, von innen! Zwar wurde
ich nicht gerade vor Schmerzen ohnmächtig oder wahnsinnig, aber
es befremdet einen doch ungemein, wenn man sich fühlt, als hätte
man Stacheldraht gefrühstückt.

Nach mehreren Stunden vergeblichen Hustens muß dann doch
irgendwie ein Fachmann her. Aber wie kommt man an einem Samstag an
einen Halsarzt? In der Aufnahme vom nächstbesten Krankenhaus
schickt man mich natürlich prompt in die Aufnahme des
übernächstbesten Krankenhauses am anderen Ende der
Innenstadt. Ein hustender, heiserer Mensch läuft mit einer
Flasche Mineralwasser quer durch die ganze Stadt. Endlich im
Krankenhaus der Borromäerinnen angekommen, darf ich auch gleich
das rosa Formular 19a ausfüllen und dann auf die HNO-Station, wo
ich auf den Arzt warte.

Das Keuchen aus den Krankenzimmern entlang des Flures macht mich
darauf aufmerksam, wie lächerlich mein Leiden doch ist.
Irgendwann kommt der Arzt und hat auch schon wenig später seine
Hände in meinem Rachen. Nachdem er von seiner Expedition einen
undefinierbaren Holzsplitter mitgebracht hat, lasse ich mich dazu
hinreißen, Konversation zu betreiben:

"Wie kann denn sowas kommen?"
"Bei
Ihren riesigen Mandeln kann da schonmal was dahinter stecken
bleiben."

Ich bin gekränkt.

"Aber keine Sorge, daran stirbt man nicht so
schnell."

Jetzt fühle ich mich zu recht verarscht.

"Danke schön",
"bitte schön"

und schon bin ich aus dem Krankenhaus der Borromäerinnen
wieder raus.

Da es dann doch schon recht spät geworden ist, dachte ich mir
zur Wundversorgung, sozusagen als Nachbehandlung, etwas ganz
besonderes aus: ich salbte meinen Rachen noch mit ein paar kühlen
Bier.

So weit kann es also kommen, wenn man Müsli ißt. Da
bleibt man doch besser bei den dicken Schweinehaxen.

Veröffentlicht unter kai

Warum mir eigentlich alles egal ist 7

Wie gut, dass ich das Edeka-Magazin "Diese Woche"
diesmal nicht sofort weggeschmissen habe. Denn sonst hätte ich
wohl nie erfahren, was auf Käseverpackungen die tolle Abkürzung
"Fett in Tr." heißt. "Was ,Fett in Tr.‘ bei Käse
überhaupt bedeutet, warum die Angaben so kompliziert sind und
wie Sie ganz schnell den wirklichen Fettgehalt errechnen können,
möchte ich Ihnen hier erklären", schreibt
Ernährungsexpertin Gabriele Voigt-Gempp. Fett in Tr. heißt
nämlich anderes, als ,Fett in Trockenmasse‘. Weil jeder Käse
aber außer Trockenmasse noch Wasser enthält, täuscht
der oft sehr hohe "Fett in Tr."-Gehalt. Beim "Trick
für clevere Kunden" heißt es dann auch: "Teilen
Sie bei Hartkäsen und Schnittkäsen die Angabe des
Fettgehalts in der Trockenmasse durch zwei und schon haben Sie den
ungefähren wirklichen Fettgehalt ermittelt." Immer auf der
Suche nach leckeren Light-Produkten, bin ich mittlerweile bei "Bresso
Balance" angelangt: Ein annehmbarer Fettgehalt, geschmacklich
ähnlich wie das Produkt in der Doppelrahmstufe. Bei den
Frischkäsen ohne Kräuter schneidet "Philadelphia
fitness" am besten ab. Nicht zu empfehlen ist "Exquisa
Vital": Kaum Fett, dafür schmeckt das Zeug aber auch
schlecht. "Le Tartard balance" ist zwar geschmacklich
einwandfrei, dafür aber zu teuer und zu wenig Inhalt.

Juchhu, ich darf endlich wieder wählen, und zwar den
baden-württembergischen Landtag. Langsam begreife ich auch,
warum hier permanent die Polit-Prominenz ins Breisgau reist. Neben
unserem Bundesaußenminister Fischer und dem Staatsminister für
Kultur Julian Nida-Rümelin sind hier in den letzten Tagen auch
Bundesfamilienministerin Christine Bergmann (noch weniger Zuschauer
als Nida-Rümelin), ehemals Bergmann-Pohl, und Hermann-Otto Solms
aufgetaucht. Der ehemalige FDP-Fraktionsvorsitzende hat bei
irgendeiner schlagenden Allemania irgendwas-Verbindung geredet und
nennt sich jetzt ernsthaft "Vizepräsident des Deutschen
Bundestages". So darf man sich nennen, wenn man von der Partei
gechast wurde und trotzdem noch ordentliche Bezüge erhält,
habe ich mir gedacht, als ich das Flugblatt in der Mensa gesehen
habe. Wie ich dem Bundestagshandbuch entnehme, hatte der Mann in den
Siebzigern einen ähnlich guten Posten: Da war er nämlich
persönlicher Referent der Bundestagsvizepräsidentin
Liselotte Funcke.

Wo ich schon bei politischen Themen bin, zitiere ich zur
Abwechslung mal unseren Bundespräsidenten Rau, der ja immer noch
krampfhaft darum bemüht ist, eine Rede zu halten, mit der er in
die Annalen eingeht: "Wir müssen die Wirklichkeit zur
Kenntnis nehmen, wenn wir sie erfolgreich gestalten wollen – ohne
Angst und ohne Träumereien." Die Wirklichkeit sieht bei mir
momentan eher bitter aus: Ich schreibe am Wochenende meine
Mittelhochdeutsch-Klausur, für die ich immer noch zu wenig getan
habe. Meine Wohnung sieht aus wie ein Schweinestall, weil ich seit
dem ersten Semester aufgehört habe, meine Papiere abzuheften und
die Mülltonnen im Innenhof schon wieder voll sind. Ich habe kein
Geld, und niemand liebt mich. Womit ich wieder bei Michel Houellebecq
angekommen bin: "Gegenwärtig bewegen wir uns in einem
zweidimensionalen System: dem der erotischen Attraktivität und
dem des Geldes. Alles andere, das Glück und das Unglück der
Leute, leitet sich daraus ab." Wobei es wohl bei mir noch nicht
so schlimm ist, denn ich bin ja schließlich immer noch
verliebt.

Veröffentlicht unter egal