Scheiß egal, der Frühling ist da…

Quer durch die Vorlesung schießen die ersten
warmen Sonnenstrahlen des neuen Jahres und hinterlassen bei den sonst
so strebsamen Studenten einen stärkeren Eindruck als der
hilflose Dozent vor seiner kryptisch vollgeschriebenen Tafel. Der
doch recht stumpfe Unterrichtsstoff verliert an Bedeutung, er wird
zunehmend egal.

Draußen lümmeln schon die ersten Studenten
mit Bongos herum und machen lärmend auf sich aufmerksam. Die
altphilologische Fakultät reißt die Fenster auf, um den
Mief des vergangenen Winters zu entsorgen. Gleißendes Licht
spielt mit den Staubflocken auf den Regalen der Bibliothek. Das
jauchzende Aufatmen umspült Geist und Sinne mit Frische, die
selbst ein General Bergfrühling nicht zu überbieten weiß.

Hat der Tag auch noch so seltsam begonnen, hat man auch
die erste Vorlesung verschlafen, hat man all seine Stifte oder
wichtige Unterlagen vergessen, es weht einem dennoch mit den ersten
lauen Lüften ein Anflug von Gleichgültigkeit entgegen, der
fast schon mehr erträglich macht, als einem schlimmstenfalls
überhaupt passieren kann.

Sogar, wenn man mehrmals am Tag vergeblich gegen Türen
rennt, die in die andere Richtung aufgehen. Egal, ob einem irgendwer
eine Antwort abnötigt, die man eigentlich nicht weiß. Ein
selbstzufriedenes Scheiß-egal-lächeln aufgesetzt, es wird
Frühling!

Von einer seichten Unbeschwertheit umweht nimmt man
alles gelassener hin und harrt der Dinge, die da noch kommen mögen.
Diese Coolness sei einem dann der Eierstich der Glückseligkeit
in der Brühe des Lebens (igit, das ist ja ekelhaft!) oder die
Schokostreusel auf dem Cappuccino, wie auch immer.

Der Frühling eignet sich ganz hervorragend, um
eine positiv begründete Gleichgültigkeit aufzubauen und
natürlich, und was noch viel wichtiger ist, um sich zu
verlieben. (Und wenn man nicht verliebt ist – auch egal.)