Warum mir eigentlich alles egal ist 7

Wie gut, dass ich das Edeka-Magazin "Diese Woche"
diesmal nicht sofort weggeschmissen habe. Denn sonst hätte ich
wohl nie erfahren, was auf Käseverpackungen die tolle Abkürzung
"Fett in Tr." heißt. "Was ,Fett in Tr.‘ bei Käse
überhaupt bedeutet, warum die Angaben so kompliziert sind und
wie Sie ganz schnell den wirklichen Fettgehalt errechnen können,
möchte ich Ihnen hier erklären", schreibt
Ernährungsexpertin Gabriele Voigt-Gempp. Fett in Tr. heißt
nämlich anderes, als ,Fett in Trockenmasse‘. Weil jeder Käse
aber außer Trockenmasse noch Wasser enthält, täuscht
der oft sehr hohe "Fett in Tr."-Gehalt. Beim "Trick
für clevere Kunden" heißt es dann auch: "Teilen
Sie bei Hartkäsen und Schnittkäsen die Angabe des
Fettgehalts in der Trockenmasse durch zwei und schon haben Sie den
ungefähren wirklichen Fettgehalt ermittelt." Immer auf der
Suche nach leckeren Light-Produkten, bin ich mittlerweile bei "Bresso
Balance" angelangt: Ein annehmbarer Fettgehalt, geschmacklich
ähnlich wie das Produkt in der Doppelrahmstufe. Bei den
Frischkäsen ohne Kräuter schneidet "Philadelphia
fitness" am besten ab. Nicht zu empfehlen ist "Exquisa
Vital": Kaum Fett, dafür schmeckt das Zeug aber auch
schlecht. "Le Tartard balance" ist zwar geschmacklich
einwandfrei, dafür aber zu teuer und zu wenig Inhalt.

Juchhu, ich darf endlich wieder wählen, und zwar den
baden-württembergischen Landtag. Langsam begreife ich auch,
warum hier permanent die Polit-Prominenz ins Breisgau reist. Neben
unserem Bundesaußenminister Fischer und dem Staatsminister für
Kultur Julian Nida-Rümelin sind hier in den letzten Tagen auch
Bundesfamilienministerin Christine Bergmann (noch weniger Zuschauer
als Nida-Rümelin), ehemals Bergmann-Pohl, und Hermann-Otto Solms
aufgetaucht. Der ehemalige FDP-Fraktionsvorsitzende hat bei
irgendeiner schlagenden Allemania irgendwas-Verbindung geredet und
nennt sich jetzt ernsthaft "Vizepräsident des Deutschen
Bundestages". So darf man sich nennen, wenn man von der Partei
gechast wurde und trotzdem noch ordentliche Bezüge erhält,
habe ich mir gedacht, als ich das Flugblatt in der Mensa gesehen
habe. Wie ich dem Bundestagshandbuch entnehme, hatte der Mann in den
Siebzigern einen ähnlich guten Posten: Da war er nämlich
persönlicher Referent der Bundestagsvizepräsidentin
Liselotte Funcke.

Wo ich schon bei politischen Themen bin, zitiere ich zur
Abwechslung mal unseren Bundespräsidenten Rau, der ja immer noch
krampfhaft darum bemüht ist, eine Rede zu halten, mit der er in
die Annalen eingeht: "Wir müssen die Wirklichkeit zur
Kenntnis nehmen, wenn wir sie erfolgreich gestalten wollen – ohne
Angst und ohne Träumereien." Die Wirklichkeit sieht bei mir
momentan eher bitter aus: Ich schreibe am Wochenende meine
Mittelhochdeutsch-Klausur, für die ich immer noch zu wenig getan
habe. Meine Wohnung sieht aus wie ein Schweinestall, weil ich seit
dem ersten Semester aufgehört habe, meine Papiere abzuheften und
die Mülltonnen im Innenhof schon wieder voll sind. Ich habe kein
Geld, und niemand liebt mich. Womit ich wieder bei Michel Houellebecq
angekommen bin: "Gegenwärtig bewegen wir uns in einem
zweidimensionalen System: dem der erotischen Attraktivität und
dem des Geldes. Alles andere, das Glück und das Unglück der
Leute, leitet sich daraus ab." Wobei es wohl bei mir noch nicht
so schlimm ist, denn ich bin ja schließlich immer noch
verliebt.