Der grenzdebile Onkel Kai erzält aus seinem Leben (Teil 2)

Wollte ich euch nicht eigentlich noch meine lustige
Krankenhausgeschichte erzählen? Also das war ungefähr so:
An Samstagen passieren einem ja immer die absurdesten Sachen. Da ja
alles, was schiefgehen kann auch irgendwann schiefgeht, müssen
sich die unangenehmen Dinge, die in der vorhergehenden Woche nicht
eingetreten sind, noch schnell behaupten und pfuschen sich am
Wochenende eins zurecht, um wenigstens ihr Wochenpensum zu erfüllen.
Nach einer bis dato recht erfolgreichen Woche, also eine, in der mich
kein Sattelschlepper überrollt hat, muß am Wochenende also
noch das schier unmögliche passieren: Wer sollte meinen, daß
Müsli-essen Gefahren birgt?

Ich hätte mir noch vorstellen können, daß es mit
gewissen Gefahren verbunden ist, Aligatoreneier selbst zu sammeln und
vor Ort zu verspeisen oder einen Kampfstier bei lebendigem Leibe zu
verputzen, aber Müsli? Und doch musste ich grausame Qualen
erleiden. Irgendetwas stach mich in den Hals, von innen! Zwar wurde
ich nicht gerade vor Schmerzen ohnmächtig oder wahnsinnig, aber
es befremdet einen doch ungemein, wenn man sich fühlt, als hätte
man Stacheldraht gefrühstückt.

Nach mehreren Stunden vergeblichen Hustens muß dann doch
irgendwie ein Fachmann her. Aber wie kommt man an einem Samstag an
einen Halsarzt? In der Aufnahme vom nächstbesten Krankenhaus
schickt man mich natürlich prompt in die Aufnahme des
übernächstbesten Krankenhauses am anderen Ende der
Innenstadt. Ein hustender, heiserer Mensch läuft mit einer
Flasche Mineralwasser quer durch die ganze Stadt. Endlich im
Krankenhaus der Borromäerinnen angekommen, darf ich auch gleich
das rosa Formular 19a ausfüllen und dann auf die HNO-Station, wo
ich auf den Arzt warte.

Das Keuchen aus den Krankenzimmern entlang des Flures macht mich
darauf aufmerksam, wie lächerlich mein Leiden doch ist.
Irgendwann kommt der Arzt und hat auch schon wenig später seine
Hände in meinem Rachen. Nachdem er von seiner Expedition einen
undefinierbaren Holzsplitter mitgebracht hat, lasse ich mich dazu
hinreißen, Konversation zu betreiben:

"Wie kann denn sowas kommen?"
"Bei
Ihren riesigen Mandeln kann da schonmal was dahinter stecken
bleiben."

Ich bin gekränkt.

"Aber keine Sorge, daran stirbt man nicht so
schnell."

Jetzt fühle ich mich zu recht verarscht.

"Danke schön",
"bitte schön"

und schon bin ich aus dem Krankenhaus der Borromäerinnen
wieder raus.

Da es dann doch schon recht spät geworden ist, dachte ich mir
zur Wundversorgung, sozusagen als Nachbehandlung, etwas ganz
besonderes aus: ich salbte meinen Rachen noch mit ein paar kühlen
Bier.

So weit kann es also kommen, wenn man Müsli ißt. Da
bleibt man doch besser bei den dicken Schweinehaxen.