Warum mir eigentlich alles egal ist 8

Da sieht man mal wieder, wie groß mein Nachholbedarf in
Sachen Mittelhochdeutsch noch ist: Monophtongierung wird nämlich
mit th geschrieben, also Monophthongierung. Im Gegensatz zum
Diphthong (Zwielaut) handelt es sich beim Monophthong um einen
einfachen Langvokal. Mit diesen beiden Begriffen kann man gut
erklären, wie sich denn die Laute vom Mittelhochdeutschen zum
Neuhochdeutschen verändert haben. Zum Beispiel beim schönen
Wort "Liebe", das im Mittelalter noch "Li-ebe"
ausgesprochen wurde, während es heute nur noch noch mit einem
langen "i" verwendet wird. Wahlweise aber auch kurz, wenn
man sich gerne mal einen schlechten Pornofilm anschaut. Das sind die
Filme, wo sich der Regisseur dann doch entschieden hat, einen Plot zu
schreiben und dann den Hauptdarsteller "Isch libbe disch"
sagen lässt, bevor die Fickerei losgeht. Besonders nett wird es
dann, wenn die Filme nachsynchronisiert sind.

Womit ich wieder bei einem Thema angelangt bin, dass mir momentan
starke Kopfschmerzen bereitet. Denn Liebe ist wird zwar nur mit einem
einfachen Langvokal ausgesprochen, die Realität ist aber
bedeutend schwerer. Wie gut, dass das Deutsche Seminar noch alte
Bücher besitzt, in denen wichtige Sachen auf denPunkt gebracht
werden: "Lieben drückt einen höhern Grad des
Wohlgefallens an einer Person sowohl, als auch das Bestreben ihr zu
gefallen aus", steht in Johann August Eberhards "Synonimischen
Handwörterbuch der deutschen Sprache, für alle, die sich in
dieser Sprache richtig ausdrücken wollen", aus dem Jahre
1832. Liebe und Gegenliebe sind aber zwei verschiedene Dinge, wie ich
momentan feststelle. Zur richtigen Vorgehensweise hilft da vielleicht
folgende kleine Strophe weiter: "Kann besserer Grund sich, dich
zu lieben, zeigen, / Als hoch zu preisen jenen ewigen Frieden, / Der
Dir, was göttlich an dir ist, beschieden / Und macht, daß
Edle sich zur Reinheit neigen?" (Michelangelo).

Schnell zu einem anderen Thema, nämlich meinem momentanen
Lieblingscafé in Freiburg. Das ist in der Eisenbahnstraße
und ziemlich klein, so klein, dass hinter der Theke gerade mal so
viele Tassen stehen, wie es Plätze an den Stehtischen gibt. Der
Chef heißt Gino und sein Mitarbeiter Marco. Gino weiß
mittlerweile schon, dass ich immer einen doppelten Espresso ohne
Lametta trinke, und Marco hat bis heute nicht gerafft, dass ich
ihm Trinkgeld für seine Dienste geben will. "Stimmt so",
sage ich, und Marco gibt mir immer die Differenz des Betrages zurück,
den ich laut Anschrieb an der Schiefertafel hinter ihm zahlen muss.
Mittags kommen dann immer die Angestellten aus den umliegenden
Bürogebäuden zu Gino, und Gino sagt dann immer "Wünsche
schöne Mittagspause". Wenn eine Frau ihren Kaffee bestellt,
auch schon mal ein Wörtchen mehr. Schön ist, dass man bei
Gino immer den aktuellen Spiegel oder Stern lesen kann. Er sollte
aber dringend aufhören die Freiburger Werbeblättchen, die
sowieso kein Mensch liest, zwischen die zwei Stöcke zu spannen,
die man dann auch aufhängen kann (wie heißen die
nochmal?). Und wenn Gino besonders gut drauf ist, dann stellt er sein
Radio ganz laut, vorzugsweise bei Zuccheros "Senza una donna",
Dann fange ich an zu grübeln, denn ich bin ja schließlich
immer noch verliebt.