Warum mir eigentlich alles egal ist 11

Kurz etwas zu meiner Mittelhochdeutsch-Klausur: Der
Übersetzungsteil lief hervorragend, der zweite dann eher
bescheiden, weil er aus einer Ansammlung von Fangfragen im Stile von
"Wer wird Millionär" bestand: Wie kam der Eneasroman
Heinrichs von Veldeke nach Thüringen?

a) per E-Mail
b) überhaupt nicht
c) aus verständlichen
Gründen erst nach der Wende
d) durch Diebstahl während
der Hochzeit des Landgrafen Ludwig III. von Thüringen und
Margarethe von Kleve.

Antwort d) wäre richtig gewesen, wie ich nach der Klausur
herausgefunden habe. Nun heißt es Warten auf das
Klausurergebnis, denn davon hängt ab, ob ich meine
Zwischenprüfung ablegen kann. Das habe ich gestern bei einem
kurzen Gespräch mit dem Dozenten herausgefunden, der im
Deutschen Seminar für Zwischenprüfungsfragen zuständig
ist: Die Zwischenprüfung darf erst abgelegt werden, wenn alle
Scheine da sind. Und was ich über Scheinerwerb denke, habe ich
ja schon gesagt.

Damit in dieser Serie die Quantität Qualität nicht
überragt, habe ich mich entschlossen, langsam mal etwas
konkreter zu werden. Ich wollte schon immer mal die Wahrheit
schreiben, und nichts als die Wahrheit. Und die Wahrheit ist, dass
ich nach langer Zeit mal wieder richtig verknallt bin. Verknallt in
ihre riesigen, neugierigen Augen, verknallt in diesen wunderbar
sinnlichen Mund, ihren geilen Bauchnabel, ihren wunderbar schlanken
Körper, ihre langen Finger. Wer behauptet, das klinge
oberflächlich, lügt. Denn wer sich zur Abwechslung mal
nichts vormacht, wird zugeben, dass der visuelle Eindruck bei einem
Menschen, den man trifft, der intensivste ist. Irgendetwas muss mich
an einem Menschen faszinieren, um mit ihm in Kontakt zu treten. Und
das ist zuallererst bestimmt nicht der Charakter. Das kann ein Blick
sein, oder eine besonders sonore Stimme, ein selbstbewusstes
Auftreten. Treffen mehrere dieser Merkmale zu, ist mein Interesse
vollends geweckt. Bei ihr ist es die Kombination, die mich so völlig
aus der Bahn geworfen hat. Liebe auf den ersten Blick ist Blödsinn.
Der zweite ist viel interessanter. Und weil der dritte mich dann
völlig umgekippt hat, muss sie schon sehr, sehr geil sein.

Sehr geschwankt bin ich (was ein Übergang), als ich in der
lokalen Tagespresse vom Schicksal des Freiburger Friedensaktivisten
Armin Simon gelesen habe. Der Student der Geschichte, Psychologie und
Germanistik ist zu 20 Tagen verknackt worden, weil er widerrechtlich
über den Zaun eines Militärflughafens geklettert ist. "Das
war eine symbolische Aktion, mit der wir zeigen wollten, dass wir
einen Zaun, hinter dem Unrecht versteckt wird, nicht respektieren."
Nicht nur sein kollektives "Wir" kotzt mich an (soll wohl
Stärke implizieren), sondern dass der Typ wieder mal sämtlichen
Klischees entspricht, die man über die Randgruppe
Friedensaktivist hat. Simon: "Wenn ich jetzt dafür
eingesperrt werde, dann betrachte ich meinen Gefängnisaufenthalt
als eine Art Mahnwache hinter Gittern." Und zieht davor drei
Tage mit seinen Unterstützern in einem Protestmarsch zum Knast.
Sehr anregend fand ich das Foto: Er schaut völlig entrückt
in die Kamera, bekleidet mit gestreiftem Sträflingshemd und
einem Halstuch, dahinter ist ein bemaltes Bettlaken zu sehen:
"Freiburger Friedensaktivist geht ins Gefängnis",
natürlich mit dem unvermeidlichen Herzchen anstatt eines
I-Punktes. Schön stelle ich mir die Kontaktaufnahme im Knast
vor: "Warum sitzt Du denn?" "Ich bin Friedensaktivist.
Und Du?" "Massenmörder." Und wie ihr ja wisst,
bin ich immer noch verliebt.

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Veröffentlicht unter egal