Spätsommer im Jahr 2K

Im Fernsehen läuft ein Film von Christof Schlingensief mit Helge Schneider.
Es ist bereits null Uhr zweiundzwanzig und auf meinem Schreibtisch liegen
die leeren Blätter, die ich heute nachmittag besser hätte vollschreiben
sollen. Fernsehen ist zu schwierig, die dritte Flasche Mineralwasser heute
Abend schon leer. Es ist heiß in der Butze. Draußen legt sich das
kühle Band der Nacht über die Innenstadtstraßen und will nicht
so recht zu mir hereinkommen. In der Wohnung direkt gegenüber hat jemand
lauthals Sex. Man könnte das auf Tonband aufnehmen und ein Pornokino für
Blinde eröffnen.
Meine Gedanken nähren sich wieder an ihrer eigenen
Verwirrtheit. Helge heißt in dem Film Martin und schreit. Unten auf der
Straße hupt ein Corsa vor McDonalds und dazu schwirren die quäkenden
Trompetentöne aus der Jazzkneipe vom anderen Straßenende herbei. Stille!
Stille!
Absatzgeklapper. Jazzposaunen. Und dazu die Hitze, die noch in den
dicken Sandsteinwänden der alten Innenstadthäuser klebt. Aus der Wohnung
gegenüber ist nun nur noch ein leises Gespräch zu hören.
Das ging ja schnell. Die Zigarette danach rauche ich für euch. Eine neue Flasche
Wasser muß dran glauben. Ich klemme mich also zwischen die dicken
Außenwände auf die
Fensterbank und lasse die Geräuschfetzen von extatischem Gesang und wirren
Instrumenten auf mich einströmen. Das Ganze mischt sich mit den lauten
Passanten auf dem nahen Hauptmarkt.
Die Nacht wird noch länger dauern.