Warum mir eigentlich alles egal ist 13

Ich lese das, was keiner liest und deshalb auch mit Vorliebe Grußworte in Vereinszeitschriften. Karneval ist lange vorbei, aber in irgendeiner Supermarkt-Ecke lag das schöne Vereinsheft zum 50jährigen Bestehen der Unterwiehremer Käsrieber. Das haben sie offensichtlich in dieser Session gefeiert, steht auf der ersten Seite. Die Käsrieber müssen zu den wohlhabenderen Narrenzünften gehören, denn das Heft ist aufwendig gestaltet: Vierfarb-Cover, ein einheitliches, zeitgemäßes Layout, eine ordentliche Paginierung und schönes, dickes, mattglänzendes Papier. Die alte Frage, was man denn in einem Grußwort schreiben soll, hat Oberbürgermeister Rolf Böhme so gelöst: Er versucht es auf die volkstümliche Art und zitiert einen „Neckvers aus der Inflationszeit“: „In de Wiehre, in de Wiehre, do gibt?s Backsteikäs um Viere.“ Schon wieder sind fünf Zeilen gefüllt, ohne das irgendein Sinn erkennbar ist. Aber das macht ja nichts, weil es sowieso keiner liest. Hauptsache, man hat gezeigt, dass der „Oberbiergermaischder“ die Käsrieber nicht vergessen hat. Beim Lesen des Grußwortes von Zunftvogt Ralf Höll wird ganz schnell klar, warum sich Jugendliche einen Dreck um das Brauchtum scheren: „Für die Älteren werden vergangene Ereignisse wieder lebendig, für die Jugend wird uns soll es die Begeisterung sein, neue Ideen im Sinne des Brauchtums zu erwecken und zu verwirklichen.“ Schnarch, gähn…

Endlich mal wieder ein Tag, den man getrost im Bett verbringen könnte. Der Nebel will einfach nicht aus den umliegenden Hängen abziehen, ich muss um 14 Uhr schon die Schreibtischlampe anmachen. Zeit, um sich wieder mal Gedanken über den Sinn dieser Serie zu machen. Der Sinn sitzt anderthalb Autostunden entfernt und ist momentan viel zu beschäftigt, um sich mit mir zu befassen. Was ich sehr schade finde, denn meine Botschaft bleibt bestehen:

„Es soll kein Andrer sein,
Der mich soll nehmen ein,
Als du, o schönstes Kind,
Dir bleib ich treu!“

Dieses Zeilen stammen von Clemens Brentano, der sich in seinen Beziehungen aufgeführt hat wie Sau, aber wenigstens welche hatte. Das Problem sind nicht die anderthalb Stunden Autofahrt, die ich für so eine Frau jeden Tag mehrmals zurücklegen würde. Problematischer ist wohl, dass meine Botschaft immer noch nicht angekommen ist. Aber ich bleibe stur und hartnäckig, denn so eine Frau kann ich einfach nicht aufgeben.

Und weiter geht?s im lustigen Landtagswahlkampf, wo sich Spitzenpolitiker auch mal in die Pampas trauen. Wie zum Beispiel Friedrich Merz ins schöne Buchenbach. Dort hat er doch allen Ernstes behauptet, wie ich der lokalen Tagespresse entnehme, dass der Mittelstand zu den wichtigsten Stützen der Gesellschaft gehöre, aber „zu schlecht organisiert ist, um den Zumutungen der rot-grünen Bundesregierung wirksam begegnen zu können.“ Die Frage ist, wer momentan schlecht organisiert ist und wer sich mal ernsthaft überlegen sollte, ein Konzept auf den Markt zu werfen. Gut gefällt mir das Pressefoto, wo Merz lächelnd auf den formschönen, braunen Sparkassen-Glasaschenbecher stiert. Dabei reibt er sich nervös an seiner Uhr, auf die er wahrscheinlich kurz vorher gestiert hat, weil er nicht den ganzen Tag in der Pampas verbringen will. Ich bin immer noch verliebt.