Der modernisierte Kinderfresser

Es war an meiner Zeit erstmal ein Pausenbrot einzulegen, das vorsorglich eingepackte Sixpack wird verteilt und verzehrt, gedrückte Stimmung.
Seit unserer Flucht von der Redaktionsgaleere hat sich viel ereignet, wenig davon ist erfreulich zu nennen.
Beginnen wir, wie es sich gehört, am Anfang.
Fangen wir dort an, wo alles beginnt.

Es ist einer jener Tage wo die grausame Hand des skrupellosen Schinders einmal mehr seiner Willkür über uns alle frönt.
In kleinen Verschlägen aneinander und übereinandergereiht, kauert die Tagschicht des „technisierten Kinderfressers“; in ihren Käfigen nur die Hitze und eine kleine Tastatur.
Dumpf und schnell tönt das Metronom, nach dem wir zu Schreiben haben. Sind wir zu langsam, setzt es Elektroschocks.

Alle sehnen sich an die gloreiche Zeit vor der Rationalisierung zurück, als man noch dekadent in Ledersesseln diskutierte was man als nächstes zu tun gedenke, irgendwann, und was man nun als nächstes trinken würde.
Doch unsere Lebensart, unsere Verschwendungssucht, unsere total überzogenen Gehaltsforderungen und unsere lockere Moral trieben uns an den Rande des Ruins.
So ist es wahrscheinlich auch verständlich, daß wir uns bereit erklärten alles zu tun für jemanden, der den Karren aus dem Dreck holen würde.
Und wir bekamen Captim, er versprach uns allen Ruhm und Reichtum, wenn wir einwilligen würden, nach seinem System zu arbeiten.
Arglos unterschrieben wir.
Wir erhielten ein wunderschönes Forum.
Wir bezahlten es mit Knechtschaft.
Von nun an war nichts mehr so wie vorher, statt Redaktionsorgien gab es die Peitsche, statt Crashrennen mit Cashewkernen im Neuwagen Akten stapeln und sortieren.
Durch geschickte Manipulation wurden wir mehr und mehr in die Abhängigkeit der Redaktion getrieben, wer nicht spurte wurde „ehrenhaft entlassen“, keiner wollte wissen was das bedeutet, doch das Lächeln in Captims Gesicht nach einem „Mitarbeitergespräch“, wie er es nannte, sprach mehr als tausend Bände.

Ein weiterer Schock durchzieht meinen Leib und ich winde mich vor Schmerz, das Jaulen aus meiner Nachbarzelle verrät, das Kollege Kai wohl auch zu lange in Melancholie verharrte, schnell beeile ich mich etwas lustiges über Ziegen zu schreiben, eine weitere Rationsstreichung wegen eines mißlungenen Artikels werde ich wohl kaum überleben.

Es geschieht an einem Samstag, als Captim uns eröffnet, er habe einen Weg gefunden die Stromkosten zu senken.
Ein einfacher Wechsel zu Yellow- Strom habe dies ermöglicht und alles was wir dafür zu tun hätten wäre in all unsere Texte unterschwellige Werbebotschaften einzuflechten.
An diesem Tag kommt es zum Aufstand, Elektroschocks sind unmenschlich, aber auch noch mit politisch unkorrektem Atomstrom, daß ist der kleine Schritt zu weit.
Dank dem Simpsonssyndrom sprengt jemand seine Zellentür mit einem Sprengsatz aus Cola und Frigobrause, zusammengebracht in seiner Trinkflasche, die Redaktion wird in Brand gesteckt und unter Solidaritätsrufen und dem Bellen der Hunde unserer Häscher beginnt die Flucht derer, die sich schnell genug befreien konnten.
Unsere Truppe entkommt durch einen einfachen Trick: wir verkleiden uns als Pfandflaschen und werden vom pfennigfuchsenden Captim
am Büdchen im Foyer eingelöst.
Von dort aus Taumeln wir, geblendet vom grellen Tageslicht in unsere neugewonnene Freiheit, selbstverständlich erst nachdem wir alle unsere 15 Pfennig Pfand beim Hausmeister abgearbeitet haben.
Als Fluchtfahrzeug bleibt uns nur Kais Ente, alle anderen Privatwagen wurden gewinnbringend veräußert, weh oh weh mein schöner Silberpfeil.

Acht Mann in einer Ente entfliehen gen Sonnenuntergang als einziges Gepäck die Hoffnung auf ein wenig Würde.

Doch zuerst verdienen wir unser Brot, indem wir uns öffentlich demütigen lassen, sprich wir arbeiten im Drive Thru des örtlichen Mäcces, die Enge der Kabine sind wir ja gewöhnt, das ganze wird jedoch mit Rauswurf enden, weil wir ständig die Majo vergessen, so ein Scheiß.

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Immer wieder Sonntags

Was hänge ich eigentlich hier rum? Was könnte man nicht alles erreichen an so einem Sonntag! Aber nein, ich hänge nur ab, wie irgend so eine NO Futur Type, unmöglich sowas!
Man könnte sich ja mal aufraffen und seinen abgeschlafften Abhänger-Körper in Form bringen, mit Joggen, Schwimmen, Fahrrad fahren oder sogar Bodybuilding! Aber nein, ich muß ja unbedingt bis zwei Uhr schlafen.
Auch das Ehrenamt hat einiges für sich, der Jugend könnte man auf den rechten Weg helfen, von den weisen Greisen lernen, oder im Gottesdienst die Kollekte eintreiben, auch die freiwillige Feuerwehr sucht nach mutigen Rettern.
Aber was tu ich? Genau bis vier Uhr nachmittags frühstücken, ich glaube es hackt!
Fürs Leben lernen könnte ich auf all den schönen Waldlehrpfaden, oder mir eine Fremdsprache aneignen im besten europäischen Gedanken.
Oh, all die Weltliteratur die ihrer Interpretation harrt – und warum nicht selbst welche verfassen?
Welch verlorene Stunden, die ich in der Sonne liegend im Park verschwende, fauler als das sprichwörtliche Faultier. Es würde mich nicht wundern wenn mich bald die Trunksucht oder die Melancholie in ihren Fesseln hält, bei meinem unlauteren Lebenswandel.
Was hänge ich nur hier rum? All die Stunden die ich nur an meine Liebe denke, anstatt den Garten herzurichten, den Bürgersteig zu fegen, das Haus zu streichen, ja, Hans-Guck-in-die-Luft und morgen über das undichte Dach jammern, schlimm sowas.

Und dann immer dieses herumgetreibe mit dem Kinderfresserpack, das nimmt doch kein gutes Ende, ich weiss es ja.

Ach, all die vertanen Sonntage an denen ich hätte Präsident werden, den Mars erforschen, alle Krankheiten besiegen, den Weltfrieden bringen, die Inflation und den Walfang und die Frauenbewegung stoppen, eine Nation werden, die Bibel übersetzen, Picasso verstehen, den Müll runter bringen, Bücher über Internetetikette schreiben, Kontakt zu Außerirdischen aufnehmen, die Genforschung revolutionieren, meine fünfte Million machen, den Vollmond leeren, den Friedensnobelpreis stiften, die Krankenkassen und Ärzte zusammenführen, den Kinderfresser aktualisieren, meiner Mutter schreiben, die Leiden der Welt lindern, die Unvollendete vollenden können.
Aber ich häng ja lieber rum.

Selber Schuld!

Ein Irrer, der sich für Gott hält und es wahrscheinlich auch ist

Über den Pförtner vom Deutschen Seminar habe ich schon lange eine Geschichte geplant. Die war auch schon geschrieben, ist aber doch ein bisschen zu duster ausgefallen und gefiel mir auf einmal nicht mehr – irgendwie nicht veröffentlichungsreif. Im Finale metzelt der Pförtner als irrer, wirrer Massenmörder mit Klumpfuß unschuldige Studentinnen nieder. Plötzlich hält er inne, fängt an zu Kotzen, kann nicht mehr aufhören, macht alles voll (auch sein letztes Opfer), krümmt sich vor Schmerzen mit einem irren Grinsen im Gesicht und fährt schließlich, unter dem Beifall der Anwesenden, in einem riesigen Feuerball und mit einem goldenen Wagen zum Himmel. Das ist dann wahrscheinlich doch etwas übertrieben, beschreibt den Herrn aber schon ganz gut.

Also eine Kurzbeschreibung: Der Pförtner macht nie den Mund auf, heißt Marx (was ihn schon verdächtig macht), grüßt nie zurück, und wenn er doch mal was sagt, dann wirres Zeug. Er hört dann auch gar nicht mehr auf und man fragt sich als Zuhörer hilflos, wie man aus dem Gespräch elegant rauskommt und wer denn jetzt hier wirklich irre ist.

Das äußerliche Erscheinungsbild: wie gesagt Hinkebein, trotz orthopädischer Schuhe schlurft der Mann, was wohl mit einem irreparablen Hüftschaden zusammen hängen muss. Dazu trägt er meistens 70er-Jahre Polyester-Hemden, aber nicht die freakigen, sondern die, die schon damals out waren und von den Opas getragen wurden. Nur die Hosenträger lässt er weg. Unvermeidlich sind außerdem die dunkelbraunen Hosen mit Schlag. Der Mann trägt grundsätzlich eine halbe Brille und hockt in seinem Kabuff vor einem weißen Laptop, was die Gerüchteküche schon lange zum Brodeln bringt: Man sagt sich, der Pförtner arbeite an einem Horrorroman.

Ein Gedächtnisprotokoll

Ich stelle meine volle Tasche auf einem Tisch ab und rauche mir noch ein Zigarettchen.

DER PFÖRTNER (ebenfalls rauchend): Na, da schleppen Sie wohl Ihr gesamtes Wissen mit sich rum.
ICH: Nö, der Rest liegt zu Hause auf meinem Schreibtisch.
ER: Ist schon eine komische Vorstellung, dass man sein gesamtes Wissen in eine Tasche packen kann. Ich hab ja irgendwann beschlossen, dass ich alles weiß.
ICH (Böses ahnend): Soso. Wann war denn das?
ER: Ach, lange her. Da war ich in Indien, so 81/82. Das war alles so anders, dass mir gar nichts anderes übrig blieb. Ich hab da unten so viel gelesen. Und ich war so verwirrt, weil das ganze Wissen auf mich einstürzte. Ich hab mir dann einfach gesagt, ich glaube jetzt alles. Ich hab an alles geglaubt, was ich gelesen habe. Und dann war irgendwann der Punkt erreicht, wo ich nur noch wie besoffen durch die Straßen getorkelt bin.
ICH: Und dann haben Sie auf einmal alles gewusst.
ER: Da kam es dann irgendwann über mich. Es war wie eine Vision, wie eine Erleuchtung. Plötzlich wusste ich, dass ich alles weiß. Dass das alles wie ein dicker Stein in meinem Innern liegt und dass ich das nur noch schöpfen muss.
ICH: Wie weit sind Sie denn mit dem Schöpfen?
ER: Da ist schon noch was unten, aber weil ich ja alles weiß, kann ich mir mit dem Schöpfen ja Zeit lassen. Das eilt ja nicht.
ICH: Was hat Sie denn überhaupt nach Indien verschlagen?
ER: Ich wollte mal eine Abwechslung haben. Hier fiel mir die Decke auf den Kopf. War gerade in der Ausbildung, das kotzte mich alles an, weil es immer derselbe Dreck war. Jeden Tag derselbe Quatsch mit denselben beschränkten Leuten. Und dann hab ich mich ganz schnell entschlossen, bin zum Flughafen und nach Indien. Kein Mensch wusste was davon. Nach Indien muss man alleine gehen, weil sonst hat das keinen Sinn. Das war beeindruckend da unten: Ringherum um mich nur Pampas und ein paar klapprige Hütten der Einwohner und dann das massive Bhagwan-Haus, ganz sauber und sehr gepflegt. Ich hab mal eine indische Gruppe gesehen, die mit dem Bus ankam, die es dann wirklich mit der Angst zu tun bekam, weil die so massive Steinhäuser nicht kannten. Die standen dann mit offenen Mündern vor dem schmiedeeisernen Eingangstor und trauten sich nicht reinzugehen. Weil das so beängstigend für die war.
ICH: Für Sie ja wohl weniger.
ER: Nein, für mich nicht. Aber die haben mich ja gar nicht reingelassen, weil die wohl meinten, dass ich zu extrem bin. Ich hatte vorher schon mal einen Brief geschrieben und gesagt, dass ich alles wissen will, alles Wissen der Welt, und dass es mir scheißegal ist, wie lamge das dauert. Und das war denen wohl nicht geheuer.
ICH:Und was haben Sie dann gemacht?
ER: Ich bin rumgewandert, von Ort zu Ort, habe versucht, mit den Leuten klarzukommen und mit mir. Ich bin fast verrückt geworden, weil ich mit der Sprache nicht zureckt kam. Ich hatte kein Englisch auf der Schule, und Indisch schon gleich gar nicht. Und ich kann Ihnen sagen: Ein stures Volk ist das, den ganzen Tag bekifft, nicht ansprechbar. Und ich genau so. Und dann kam das Wissen über mich. Da hab ich dann auch mein Ich verloren. Ich habe plötzlich gewusst, dass Gott ein Atheist sein muss. Gott ist kein Christ, Gott ist kein Guter, sondern ein strafender Gott, böse, ein böser Gott, der sich absolut unchristlich verhält. Plötzlich wusste ich, dass ich selbst Gott bin, denn nur Gott kann alles wissen. Und ich wusste es auf einmal. Da hab ich mein Ich verloren.
ICH: Irgendwie müssen Sie ja dann doch mal wieder nach Deutschland gekommen sein.
ER: Ich habs geschafft, aber nur mit Mühe und Not. Es war verdammt knapp. Ich wusste plötzlich: Wenn ich eine Woche länger bleibe, ist es aus mit mir. Ich habe einen Kanadier getroffen, der seit zwanzig Jahren in Indien lebt. Was heißt lebt, dahinsiecht. Mit dem ist nichts mehr anzufangen, völlig durchgeknallt, zu bis oben hin, die Birne völlig weichgekifft und gesoffen, totale Gehirnwäsche. Der ist fertig, verdammt noch mal fertig.

Veröffentlicht unter michi

Helpensteins historische Nachrichten

Sehr gehrte Damen und Herren,
hiermit darf ich Ihnen freudigst mitteilen, dass nun feierlich Ihre
Lokalredaktion Bonn eingerichtet worden ist – und das, ob Sie nun wollen oder nicht!

Lassen Sie mich – lieber Leser – zum anfänglichen Warmwerden einige
bedeutende Nachrichten aus dem neuen Standort übermitteln: Bonn am Rhein, die
ehemalige Bundehauptstadt, Bonna solum felix, wie der Lateiner sagt, Bonn – du
glücklicher Boden.

Auf eben diesem Boden ereitelte sich kürzlich ein Jungsporn, schwächlicher
Statur, auf einem Aluminium-Rad, das so schwerfällig läuft, wie das hölzerne
Laufrad von Francois Derallonde von 1806, dem Erfinder des gleichnamigen
Dellaronde-Rades von 1806. Zu dieser Zeit studierte an der Rheinischen
Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn auch Ernst Moritz Arndt, dem heute ein kleines
aber auffälliges Zinnguss-Denkmal am „alten Zoll“ in Rheinnähe gebührt. Auch
Heine kam später dazu und Marx. Dieser Trierer (hallo Kaihai!!!) studierte
Rechtswissenschaften und Ökonomie (das ist, wenn Katholiken und Protestanten
gemeinsam nach der Prozession in „Zum Kothen“ einen saufen gehen) und war in der
Trierer Landsmannschaft aktiv. Dieser altehrwürdige Verein schämt sich
heutzutage über ihr Gründungsmitglied von früher, weil dieser später dann eine
unglaubliche Entdeckung machte: den Weltkommunismus. Heute erinnert an der
Universität weder eine Plakette an die Studizeit von Karl Marx, noch an die Taten
von Oskar Schindler oder Karl-Heinz Bogomiehl, dem einarmigen
Schiffschaukelbremser von der Oberbilker Kirmes, der in den 1960ern von einem blonden
Betriebsmeister eines bekannten Lintorfer Mittelstandsunternehmen gesehen worden war
und seither bei diesem Mann einen überaus starken Eindruck hinterlassen hat,
der manches Mal zu psychotischen Ausbrüchen führt.

Heine hingegen wird in
Bonn dennoch Ehre gebührt, und das mittels eines markanten Basaltblockes, auf
dem schlicht steht: „Heinrich Heine“. Auf manchen anderen Gegenständen steht:
„Thunfisch ohne Öl, in Stücken“ oder „Teakholzstuhl, massiv, von Dr. Teak“.
Henry Heine schrieb Lieder über bekiffte Blondinen, die auf Basaltblöcken am
Rhein sitzen, auf denen „Heinrich Heine“ zu lesen ist, und sich das Haar
kämmen und singen (für alle BWL- und Jura-Studenten: damit ist natürlich die
Schlagzeugerin von Lenny Kravitz gemeint, die mich mit ihrem schnellen
Rhythmus-Spiel beim vorletzten Loreley-Festival, auf der Loreley gelegen, ganz
verzückte!). Dieses Lied wird heute noch als ‚Lied von einem unbekannten Dichter‘ von
so manchem betrunkenen, deutschnationalen und antisemitischen
Burschenschaftler der Trierer Landsmannschaft gegrölt, am Grab von Immanuel Kant in
Königsberg, nachts, heimlich, manchmal.

Auch Freiherr Friedrich vom und zum Stein, der mit seinem Kollegen,
Staatsminister Hardenberg, die preußischen Reformen durchsetzte, kann alleine schon
wegen seines Namens mit Heinrich-Heine-Granitquardern in Verbindung gebracht
werden. Er hielt, ebenso wie der bekannte Althistoriker Berthold Gustav
Droysen, zahlreiche Vorträge an der Bonner Uni, z.B.: „Das Laufrad – Segensbringer
oder Teufelswerk?“ oder „zum Verständnis der lyrischen Teakholz-Trilogie von
Heinrich Heine“.

Zurück zum Jungsporn: Als dieser also auf seinem Dellaronde-Rad, Baujahr
1806, aus Teakholz, aus der Manufaktur von Dr. Teak, an dem
Ernst-Moritz-Arndt-Denkmal und einem Basaltblock, auf dem Lenny Kravitz saß und kiffte,
vorbeifuhr, wurde ihm grausig die ganze Tragweite des 19. Jahrhunderts offenbar. Er
gab seinem Rad die Sporen, setzte seinen Monokel auf, raffte Gamaschen,
Anglaise, Schnupftaback und Taschenuhr zusammen und fuhr auf schnellstem Wege zur
Uni, wo ihm der Kurs „Feministische Literaturtheorien“ völlig die
konservativ-reaktionäre Laune vermasselte, weil darauf herumgehackt wurde, dass es in
Schillers ‚Ode an die Freiheit‘ heißt: Alle Menschen werden Brüder! und nicht:
alle Menschen/-innen werden lesbisch!

P.S.: Das ist mir jetzt irgendwie zu primitiv am Schluß. Ich möchte damit
nicht so aufhören, ich möchte viel lieber an einer modernen Uni studieren, wo
Denkmäler von Container-Alex und Stefan Raab rumstehen und ich entzückt
ausrufen könnte: Hach, wie modern! Aber wo ist´s schon so stylish…?

Freakshow um acht Uhr morgens

Es gibt Tage, an denen man sich fragt, wo man um 8 Uhr morgens in Freiburg einen Kaffee bekommt. Hauptbahnhof scheidet aus, weil zu weit weg und siffig, das Lieblinsgcafe hat noch zu, weil der Besitzer gerne länger schläft. Also ab auf den Campus und ins Europacafe, das um diese Zeit einen lausigen Umsatz haben muss, weil Uni halt und der der Campus menschenleer.

Menschenleer? Zumindest drei oder vier Tische im Cafe sind besetzt, an der Kasse stehen auch noch ein paar Leute mit Tabletts in der Hand. Zwei Typen im Blaumann schlürfen ihren Kaffee, an den restlichen Tischen sitzen ausschließlich Mädels (bestimmt keine Geisteswissenschaftlerinnen, nein, nicht um diese Zeit).

Es ist eine Zeit, zu der noch so wenige Leute im Cafe sitzen, dass man sich kurz grüßen muss. Zwar nur kurz, aber man muss. „Morgen“, grüßt die erste ältere Frau im Cafe die Typen im Blaumann, die sie wahrscheinlich noch nie im Leben gesehen hat.

An der Theke nicht nur die Erkenntnis, dass morgens um 8 Uhr die Welt noch in Ordnung ist, sondern dass es noch Brezeln gibt. Und dass um diese Zeit noch keine Aschenbecher an den Tischen stehen. Die muss man sich dann an der Kasse holen..

Die Mädels, offensichtlich von der Schwäbschen Alb, schwätzen über Treibhauseffekt und CO2-Gehalt (wie gesagt: keine Geistenwissenschaftlerinnen). Und der Kaffee schmeckt so, als wäre gerade die Maschine gereinigt und entkalkt und der obligatorische Durchlauf mit klarem Wasser vergessen worden.

Auf einmal stehen nur noch alte Leute an der Kasse. Irgendwo muss ein Nest sein würde mein Vater jetzt sagen.

Veröffentlicht unter michi