Warum mir eigentlich alles egal ist 14

Irgendjemand im Haus (ich glaube von oben) hat die Frankfurter Allgemeine abonniert und lässt grundsätzlich am Samstag den dicken Anzeigenteil unten im Postkorb liegen. So ein Pech, dass der Banause damit auch regelmäßig die schöne Beilage „Bilder und Zeiten“ liegen lässt. Wie ich die Herrschaften von oben einschätze, weiß derjenige noch nicht einmal, dass es diese Beilage gibt. Ich muss es wissen, denn zu Bundeswehrzeiten hatte ich den Teil zu Wochenbeginn immer vor dem Altpapier zu retten. Denn der General war historisch interessiert und offensichtlich zu schlecht bezahlt, um sich ein FAZ-Abo zu leisten. Die Schreierei ging dann immer los, wenn der dämliche Zeitungsausträger die Samstagsausgabe nicht in die Kaserne geliefert hatte. Dann stiefelte ich los um irgendeinen Kioskbesitzer im Umkreis zu überzeugen, dass er die FAZ vom Samstag doch bitte nicht unverkauft zurückschicken, sondern lieber mir überlassen solle. Mein Leben hinge davon ab, sagte ich mit Hundeblick. Hat dann meistens auch geklappt.

Der ungebildete Pöbel von oben wird somit nie etwas von der „Frankfurter Anthologie“ erfahren, die sich diesmal mit dem kurzen Goethe-Gedicht „Behandelt die Frauen mit Nachsicht!“ befasst:

„Behandelt die Frauen mit Nachsicht!
Aus krummer Rippe ward sie erschaffen
Gott konnte sie nicht ganz grade machen.
Willst du sie biegen, sie bricht.
Läßt du sie ruhig, sie wird noch krümmer,
Du guter Adam, was ist denn schlimmer?-
Behandelt die Frauen mit Nachsicht:
Es ist nicht gut, daß euch eine Rippe bricht.“

Die Verse stammen aus dem „West-östlichen Diva“, und der Autor des nebenstehenden Artikels fragt sich, was Goethe denn damit gemeint haben könnte. Seine Antwort: Goethe hat aus der Sunna, der Sammlung mündlicher Äußerungen Mohammeds, geklaut. „Die Knittelverse überlagern den geistreich-herablassenden Ton des Sunna-Wortes mit einem derb-humoristischen Ton, hinter dem sich die kritische Stimme des Sunna-Lesers Goethe versteckt.“ Blasphemie? Ist somit nicht nur die Frau, sondern auch Gott unvollkommen? Man weiß es nicht so recht, schließt der Autor.

Wo ich schon bei den Nachbarn bin, kann ich ja auch mal erzählen, dass alle paar Tage zu späterer Stunde die Türklingel geht und ein reichlich verwirrter junger Mann von oben fragt: „Könntet ihr die Musik leiser drehen? Das kommt doch von euch, oder?“ Stutzig macht mich, dass der junge Mann immer die gleichen Fragen stellt. Das kurze Gespräch endet dann meist mit einem nachsichtigen Lächeln seinerseits, das wohl soviel aussagen soll, wie : ‚Ich bin ja auch noch jung, aber ich habe doch noch soviel zu tun und muss mich doch konzentrieren. Sonst komme ich in des Teufels Küche.‘ An mich denkt natürlich wieder keiner. Dabei habe ich über Monate den Eindruck gehabt, dass im Zimmer unter mir eine komplette Rockband probt. Ärgerlich war, dass die Band wohl gerade frisch gegründet war und permanent nur ein Teilchen aus Nirvanas „Smells like teens spirit“ geübt hat: Dädädä, didido, dädädä, didido… Und nur das Stückchen, und das über Wochen und Monate. Und wenn ich mein Ohr auf den Teppich gehalten habe, konnte ich neben dem dumpfen Bass-Gebrumm meistens noch die Original-Platte hören, die wohl auf Dauer-Repeat gestellt war. Mit solchen Leuten muss ich das Treppenhaus teilen. Übrigens bin ich immer noch verliebt.