Warum mir eigentlich alles egal ist 15

Der Wäscheständer des benachbarten spanischen Weinrestaurants ist schon wieder umgekippt. Dabei hat es diese Nacht gar nicht gestürmt. Das muss dann wohl doch an den ungeschickten Restaurant-Mitarbeitern gelegen haben, die den Ständer gnadenlos überladen haben. Auf dem gnadenlos zugeparkten Hinter-Hinterhof balgen sich zwei Kinder mit Fußball darum, wo man denn die Linie für das Tor ziehen könnte. Jeder zweite Schuss endet schließlich auf irgendeinem Autodach, und ich überlege mir, was ich den Kindern erzählen würde, wenn mein Auto auf dem Hinter-Hinterhof geparkt wäre. Der Hausmeister in der Volkshochschule würde dazu badisch „Galama“ sagen, was im neuhochdeutschen soviel wie „Stress machen“ und „Ärger“ bedeutet. Die Kinder stören sich nicht daran, denn schließlich sind die Bewohner meines Stadtteils äußerst alternativ, antiautoriär und somit völlig unfähig, Kinder richtig zu erziehen. Lieber ziehen sie sich selbst und ihren Kindern selbstgestrickte, kunterbunte Wollpullis und Mützen an. Damit machen sich die Kinder zwar zum Gespött in der Grundschule, aber das macht den Eltern ja nichts.

Es ist wieder Zeit, auf mein eigentliches Hauptthema in der Serie zu kommen: Die Liebe. Die ist in den letzten Tagen ein bisschen in den Hintergrund gerückt, weil Semesterferien sind und meine Herzensdame im Urlaub ist. Zuletzt habe ich ihr einen Ausschnitt aus Tolstois „Anna Karenina“ geschickt. Und zwar den, wo der ländlich geprägte Lewin mit seiner Angebeteten ein Malspiel veranstaltet. Er malt mit Kreide die Anfangsbuchstaben von Sätzen auf den Tisch, und Kitty, die Angebetete, muss erraten, was die Buchstaben wohl bedeuten. Er fragt sie verschlüsselt, ob es denn bei ihrem „Nein“ zu einer Partnerschaft bleibt, worauf sie aufmalt, was sie sich am meisten wünscht: „D. S. v. u. v. k., w. g. i.!“, was heißen soll „Dass Sie vergessen und verzeihen könnten, was geschehen ist!“ Lewin ist gerührt, seine Hände fangen an zu zittern, und er schreibt pathetisch: „Ich habe nichts zu vergessen und zu verzeihen; ich habe nicht aufgehört, Sie zu lieben.“ Und ab geht es vor den Traualtar. Eine sehr schöne Szene, die man wunderbar auf meine Situation ummünzen kann, wobei ich die letzte Konsequenz ohne weiteres streichen würde. Bisher kam keine Antwort, weil meine Angebetete schließlich im Urlaub ist und sich hoffentlich danach über die Szene den Kopf zerbricht.

Ich war am Samstag in der Stadt, was ich besser nicht gemacht hätte. Denn nichts ist schlimmer, als am Samstag in die Freiburger Innenstadt zu laufen. Lustig wirds dann, wenn der SC ein Heimspiel hat und sich die Fans vor Spielbeginn überlegen, wie man sich kostengünstig in Stimmung bringt. Wohlgemerkt mittags um 12. Am kostengünstigsten geht das beim Penny-Markt gegenüber der Uni. Da kostet die Dose Karlskrone 59 Pfennig. Ich werde nie vergessen, wie mich vor dem Heimspiel Freiburg gegen Borussia Dortmund ein angetrunkener Dortmund-Anhänger im Penny-Markt gefragt hat, wo denn die Toilette ist. Da hätte ich am liebsten zurückgefragt, seit wann Fußball-Fans zum Pinkeln denn eine Toilette benötigen. Es lohnt sich auch immer, in den McDonald’s zu schauen. Da stehen dann die Fans an, für die sich der Besitz einer Payback-Karte richtig lohnt. Oder gibts die da gar nicht? Ich bin übrigens immer noch verliebt.