Gerd trifft Jacques Teil 2

Rückblende: 6.50 Uhr. Mir immer meiner journalistischen Pflicht bewusst, habe ich mich schon um diese Uhrzeit aus dem Bett geschwungen und bin in die Stadt geradelt. Es ist kalt an diesem Morgen am Nabel der Welt, der sich Freiburg nennt, aber wolkenlos. In Richtung Innenstadt ist alles geflaggt, und auch die lustigen Schwulen haben spaßeshalber ihre Regenbogenfahne aus dem Fenster gehängt.

In der Nebenstraße vor der Alten Uni steht gravitätisch einer der Freiburger Hilfspolizisten. Das sind die, die die alten Oliv-Uniformen der Polizei auftragen und normalerweise ihr Geld mit Knöllchen auf der Straße verdienen. „Anhalden bidde“, sagt der Hilfspolizist mit strengem Blick, während aus der Nebenstraße 5-6-7 Polizeikleinbusse gerollt kommen. „Weiderfahn bidde“, sagt der Hilfspolizist und macht eine Geste als stände er als Verkehrsbulle an einer Kreuzung, wo gerade die Ampeln ausgefallen sind. Einen Rang, den der Hilfspolizist nie erreichen wird.

7.15 Uhr: Investigativ, wie ich nun mal bin, interviewe ich spontan Frau Franke, die in der Volkshochschule ab 5 Uhr morgens putzt. Dazu muss man wissen, dass die VHS direkt neben dem Colombi-Hotel liegt. Das Hotel also, wo die Großen dieser Welt genächtigt haben. „Was halten Sie denn von dem Rummel?“, frage ich Frau Franke. „Wer kommt da? Der Schröder? Ah, und was bringts uns? Nix bringts uns.“

7.45 Uhr: Der unvermeidliche Gang am Colombi vorbei. Allüberall stehen Citroens und Peugeots mit gelben Nummernschildern rum. Es muss nicht immer Audi sein. Die Polizei hat ganze Arbeit geleistet und die Nebenstraßen rund ums Hotel abgeriegelt. Die Kehrmaschine darf noch durch – der Nabel der Welt soll schließlich glänzen. Überall Absperrgitter, sogar über die Bächle. Dahinter grüne Männchen, die aussehen als hätten sie nichts zu tun. Jetzt frühstückt der Gerd wohl mit Jacques, und Joschka und Rudolf dürfen auch dabei sein. Und ich kann mich nur mit Mühe und Not zum Bäcker durchschlagen. Der kleine Unterschied halt.

„Bienvenue en Freiburg“ prangt über der Rathaus-Fassade. Und auf dem hässlichen Baugerüst an der Rathausgasse haben sich Ordnungshüter verschanzt. Mehr als Taubendreck scheinen sie nicht gefunden zu haben. Wo sind eigentlich die Fixer, die normalerweise neben dem Treff-Discount an der Eisenbahnstraße dahinsiechen? Tatütata liegt in der Luft. Und es wird heiß und heißer.