Zahn um Zahnalttestamentarische Gerechtigkeit in einem ‚modernen‘ Staat

Ja, es ist moralisch unmöglich von mir, mich jetzt hinzusetzen und etwas
Zu diesem Thema zu schreiben, da ich doch weiß, das ’so etwas‘ in den vereinigten Staaten an der Tagesordnung ist – ja, es scheint schon einen riesigen Medienaufstand zu erfordern, damit ich mein NEIN in die Welt brülle:

Heute haben gewählte Volksvertreter dieses amerikanischen Staates, der sich selbst als Rechtsstaat und Demokratie bezeichnet, einen jungen Menschen
hingerichtet/ermordet/getötet und der oberste Verantwortliche trat
vor die Weltöffentlichkeit und behauptete, es gehe nicht um Rache, sondern um
Gerechtigkeit.

Nun gut, das ist also eine Definition von Gerechtigkeit. Da
scheint mir ein christlich geprägter und vielleicht deshalb so prüder Staat
im Buch der Bücher gelesen zu haben und hoppla, schon beim alten Testament wurden die Augen müder und müder, man hat gerade noch das „Auge um Auge“
mitbekommen, ist dann aber gähnend eingenickt. So geht man also
unbefangen von einem strafenden Gott aus und dessen Gerechtigkeit macht sich der
Mensch selber, und zwar so vergeltend, wie es geht.

Das hat ja nichts mit Rache zu tun. Nein Rache ist nämlich, Rache ist, ja, was ist Rache eigentlich, wenn die Vergeltung ‚Gerechtigkeit‘ heißt?

Und wir nehmen mit ehrfürchtig gebeugtem Kopf zur Kenntnis, daß heute wieder
einen jungen Mann sein „Schicksal ereilt“ hat – meint zumindest ein
vor-sich-hin-philosophierender alter Texaner. Das ist also Schicksal.
Interessant. Ein Resultat auf eigene Taten ist also das eigene Schicksal.
Ermorde ich Menschen, ist mein gerechtes Schicksal, selber ermordet zu
werden (in der Rolle des Schicksals – mit angeklebtem Bart – der Staat). Was
ist nun, wenn ich etwas klaue, dann ist mein gerechtes Schicksal, daß mir
etwas geklaut wird. Wenn ich hier meinen Unmut kundtue, dann darf irgendjemand
aufschreiben, was ihm an mir nicht gefällt. Jage ich eine Fliege aus meiner
Wohnung, so werde ich aus Heim und Hof in die weite Ferne vertrieben.
Dies wäre dann zumindest mein gerechtes Schicksal.

Natürlich weiß ich, dass ich hier übertreibe, aber wo soll man denn bei dieser Art Gerechtigkeit die Grenzen ziehen? Ich bin da überfragt.

Und wenn der große Oberbefehlshaber im Westen die Beschlüsse aus Kyoto mit einem
Schulterzucken abtut, dann sei es das gerechte Schicksal, wenn sein Land von
einer Überschwemmungskatastrophe nach der anderen heimgesucht wird.

Vielleicht gibt es ja doch einen strafenden Gott oder vielleicht ist die
Vergeltung ja ein Naturprinzip. Und wenn dem so ist, dann mordet beruhigt
weiter, denn der Mensch ist dem Menschen bekanntlich ein Wolf und im Laufe
der Welt wird sich nichts ‚rächen‘, sondern eure sogenannte ‚Gerechtigkeit‘
wird obsiegen. Dann müsst ihr nur noch zusehen, wie ihr mit eurem eigenen
‚Schicksal‘ zurechtkommt.