„Konzept“ steht auf dem Collegeblock

Langsam müsste ich doch mal über den Status dieses Schulaufsatzgeschwurbels hinwegkommen, denke ich mir immer wieder. Das ist schnell gesagt, schwer zu schaffen. Wie oft habe ich schon auf eine leere Seite in meinem Collegeblock das Wort „Konzept“ geschrieben, dann lange drüber nachgedacht, und die Seite ist leergeblieben.

„Lesen ist Quatsch“, sagt mein Mitbewohner Daniel mit Überzeugung in den Augen. Kein Wunder, denke ich mir, mit Blick auf seine Videosammlung – alles Komödien, amerikanisch, Hollywood halt mit Happy-End und einer Figur zum Sich-identifizieren. Mit deutschen Filmen kann er nichts anfangen, sagt er. Das ist ja immer das Gleiche, sagt er: Da wird dann zuviel geredet, und die Frauen sehen meisten auch noch scheiße aus.

Dafür hängt dann JeLo an unserer Klotür, von außen. Das war ein Poster mit zwei Teilen, die wir dann mit Tesa zusammengeklebt haben. Nun sieht JeLo ein bisschen aus, als wenn sie Zellulite hat, Auf jeden Fall sieht man, wie klein sie ist. Das hat Madonna immer gut zu vertuschen gewusst. Aber JeLo steht ja auch zu ihrem dicken Hintern, hab ich gelesen. Und dann Daniel erzählt, weil der ja nichts liest. Der sagt, das muss so sein, und es sieht gut aus.

„Konzept“ steht da auf der leeren Karoseite. Aber ich habe kein Konzept, weil man Konzepte erst haben kann, wenn man weise ist und ganz viel gelesen hat. Denke ich mir. Auch die ganzen Klassiker, damit man die dann ins Konzept einbasteln kann. Und wenn das Buch dann fertig gedruckt ist, müssen die Kritiker die Klassiker wieder rausbasteln. Um dann so Sätze zu schreiben, wie: „In der Hauptfigur vereinen sich Charakterzüge des jungen Werthers und Raskolnikows.“ Will ich so was lesen? Thomas Mann ist übrigens auch ohne Stilmittel-Kunde lustig.

Mitbewohner Hendrik liest lieber Terry Pratchett, weil der so coole Charaktere erschaffen hat und man immer lachen muss. Deshalb liegt auch seit Wochen das Scheibenwelt-Handlexikon mit einer Übersicht über alle Charaktere auf dem Klo, auf der Ablage über dem Klorollenhalter. Henrik kommt nämlich nur auf dem Klo dazu, das Handbuch zu lesen, oder nachts. Aber dann muss er ja wieder aufstehen, über den kalten Flur, in die kalte Küche und dann ins kalte Bad, um sich das Buch zu holen. Aber wenigstens liest er. Weil Lesen ja viel besser ist als Fernsehgucken. Und man sich nach einem guten Buch nicht so ausgebrannt fühlt. Aber wir haben ja sowieso nur fünf Sender.

„Konzept“ steht auf dem Collegeblock.