Cidre in der Nacht

Ach je, weh weh, wie gern` hätt` ich jetzt ein Gläschen Cidre, eines nur, ach nur eins,
ich armer Kerl.

Nur ein einziges Gläschen, nur um des Prickelns willen, welches es auf meiner Zunge
erzeugt, nur um den schalen Geschmack des Wassers zu vertreiben das ich zu trinken
gezwungen bin.

Ich will ja gar nicht viel, ein Gläschen nur, wer könnte mir das schon verübeln und
vielleicht ein Fläschchen dazu, nur zum Nachschütten, damit das eine Glas nicht so
einsam bleibt.

Was verlange ich schon? Eine einsame Flasche, das ist alles, nur damit ich ein Gesellen
am Abend habe, wenn mich das Licht des Tages verläßt.

Eine traurige Flasche, nicht der Rede wert, nur um meinen Durst zu stillen und den
Geschmack von Äpfeln und Herbst ein paar Minuten zu vernehmen, daß ist doch alles.
Ist solches denn vielleicht schon zuviel verlangt?

Vielleicht wäre zudem noch eine zweite Flasche angebracht, damit nicht nach dem
ersten essentiellen Durstlöschen nichts mehr zum Genießen übrig ist.

Ach zwei Fläschchen nur und alles wäre viel netter, so wenig macht mich doch schon
so fröhlich.

Oi, oi, oi klagen die Griechen mit mir, mit zwei Fläschchen kann man die Perser gut
bemitleiden, aber wie wäre es mit dreien, damit sich der Weg zum Altglascontainer lohnt?
Recht haben meine umweltbewußten Griechen, wer könnte es abstreiten?

Drei Fläschchen, was ist das schon für einen strammen Burschen wie mich und schließlich
soll es in meiner Bude nicht aussehen wie bei einem Säufer!

Ja, grobe Worte mich zu tadeln sind da fehl am Platze, drei Fläschchen, mehr würde
man einem Hund gönnen!

Ach ich bitte doch nur um vier Fläschchen Cidre, denn das Zählen fällt mir schwer ohne
Apfelwein, wie soll ich wohl sonst die Übel der Menschheit aufzählen?

Nur wer leugnet, daß es diese gibt, würde mir diese vier Fläschchen verwehren, fürwahr!
Ja, für das Wohl des Volkes tränke ich diese Flaschen, man kann nicht oft genug auf
die Gesundheit aller Gruppen oder Minderheiten anstoßen und die Schrecken dieser Welt
verdammen!

Apropos verdammt, verdammt ich weiß nicht mehr ob ich das Licht in der Küche
ausgemacht habe, guckt doch mal nach und wenn da zufällig noch ne Flasche im
Kühlschrank liegt, laßt sie nicht frieren, ich nähme sie gern an mein großes warmes Herz.

Aber es mag mühsam sein, fünf Flaschen zu entkorken, das leuchtet ein, ja es würde
vielleicht die ganze Gemütlichkeit zerstören und somit auch den Grund überhaupt nur ein
einziges Gläschen zu trinken.

Ach! Ich scheue mich nicht, auch hier in die Bresche zu springen, ein Fässchen bringt
die notwendige Lockerheit und wer würde es abstreiten, Lockerheit braucht man um
Artikel zu schreiben.

Um was bitte ich also schon, doch nur um eine kleine Aufmerksamkeit, damit ich einen
Artikel schreiben kann, um nicht mehr und nicht weniger! Denn Artikel schreiben sollte
man solange man lebt, deshalb sollte auch ein solches Faß nicht zu klein sein.

Abschließend möchte ich sagen, dass Rotwein auch seinen Zweck erfüllen würde.