Helpensteins historische Nachrichten

Sehr gehrte Damen und Herren,
hiermit darf ich Ihnen freudigst mitteilen, dass nun feierlich Ihre
Lokalredaktion Bonn eingerichtet worden ist – und das, ob Sie nun wollen oder nicht!

Lassen Sie mich – lieber Leser – zum anfänglichen Warmwerden einige
bedeutende Nachrichten aus dem neuen Standort übermitteln: Bonn am Rhein, die
ehemalige Bundehauptstadt, Bonna solum felix, wie der Lateiner sagt, Bonn – du
glücklicher Boden.

Auf eben diesem Boden ereitelte sich kürzlich ein Jungsporn, schwächlicher
Statur, auf einem Aluminium-Rad, das so schwerfällig läuft, wie das hölzerne
Laufrad von Francois Derallonde von 1806, dem Erfinder des gleichnamigen
Dellaronde-Rades von 1806. Zu dieser Zeit studierte an der Rheinischen
Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn auch Ernst Moritz Arndt, dem heute ein kleines
aber auffälliges Zinnguss-Denkmal am „alten Zoll“ in Rheinnähe gebührt. Auch
Heine kam später dazu und Marx. Dieser Trierer (hallo Kaihai!!!) studierte
Rechtswissenschaften und Ökonomie (das ist, wenn Katholiken und Protestanten
gemeinsam nach der Prozession in „Zum Kothen“ einen saufen gehen) und war in der
Trierer Landsmannschaft aktiv. Dieser altehrwürdige Verein schämt sich
heutzutage über ihr Gründungsmitglied von früher, weil dieser später dann eine
unglaubliche Entdeckung machte: den Weltkommunismus. Heute erinnert an der
Universität weder eine Plakette an die Studizeit von Karl Marx, noch an die Taten
von Oskar Schindler oder Karl-Heinz Bogomiehl, dem einarmigen
Schiffschaukelbremser von der Oberbilker Kirmes, der in den 1960ern von einem blonden
Betriebsmeister eines bekannten Lintorfer Mittelstandsunternehmen gesehen worden war
und seither bei diesem Mann einen überaus starken Eindruck hinterlassen hat,
der manches Mal zu psychotischen Ausbrüchen führt.

Heine hingegen wird in
Bonn dennoch Ehre gebührt, und das mittels eines markanten Basaltblockes, auf
dem schlicht steht: „Heinrich Heine“. Auf manchen anderen Gegenständen steht:
„Thunfisch ohne Öl, in Stücken“ oder „Teakholzstuhl, massiv, von Dr. Teak“.
Henry Heine schrieb Lieder über bekiffte Blondinen, die auf Basaltblöcken am
Rhein sitzen, auf denen „Heinrich Heine“ zu lesen ist, und sich das Haar
kämmen und singen (für alle BWL- und Jura-Studenten: damit ist natürlich die
Schlagzeugerin von Lenny Kravitz gemeint, die mich mit ihrem schnellen
Rhythmus-Spiel beim vorletzten Loreley-Festival, auf der Loreley gelegen, ganz
verzückte!). Dieses Lied wird heute noch als ‚Lied von einem unbekannten Dichter‘ von
so manchem betrunkenen, deutschnationalen und antisemitischen
Burschenschaftler der Trierer Landsmannschaft gegrölt, am Grab von Immanuel Kant in
Königsberg, nachts, heimlich, manchmal.

Auch Freiherr Friedrich vom und zum Stein, der mit seinem Kollegen,
Staatsminister Hardenberg, die preußischen Reformen durchsetzte, kann alleine schon
wegen seines Namens mit Heinrich-Heine-Granitquardern in Verbindung gebracht
werden. Er hielt, ebenso wie der bekannte Althistoriker Berthold Gustav
Droysen, zahlreiche Vorträge an der Bonner Uni, z.B.: „Das Laufrad – Segensbringer
oder Teufelswerk?“ oder „zum Verständnis der lyrischen Teakholz-Trilogie von
Heinrich Heine“.

Zurück zum Jungsporn: Als dieser also auf seinem Dellaronde-Rad, Baujahr
1806, aus Teakholz, aus der Manufaktur von Dr. Teak, an dem
Ernst-Moritz-Arndt-Denkmal und einem Basaltblock, auf dem Lenny Kravitz saß und kiffte,
vorbeifuhr, wurde ihm grausig die ganze Tragweite des 19. Jahrhunderts offenbar. Er
gab seinem Rad die Sporen, setzte seinen Monokel auf, raffte Gamaschen,
Anglaise, Schnupftaback und Taschenuhr zusammen und fuhr auf schnellstem Wege zur
Uni, wo ihm der Kurs „Feministische Literaturtheorien“ völlig die
konservativ-reaktionäre Laune vermasselte, weil darauf herumgehackt wurde, dass es in
Schillers ‚Ode an die Freiheit‘ heißt: Alle Menschen werden Brüder! und nicht:
alle Menschen/-innen werden lesbisch!

P.S.: Das ist mir jetzt irgendwie zu primitiv am Schluß. Ich möchte damit
nicht so aufhören, ich möchte viel lieber an einer modernen Uni studieren, wo
Denkmäler von Container-Alex und Stefan Raab rumstehen und ich entzückt
ausrufen könnte: Hach, wie modern! Aber wo ist´s schon so stylish…?