Unsterblichkeit

Der Papst nippelt ab wie seine Kirche, aber seinen Sankt hat er trotzdem in der Tasche, ich bin durch den Kinderfresser lebendiges Kulturgut und somit unsterblich aber was, frage ich mich, machen die unzähligen Normalsterblichen?

Liegen sie die ganze Nacht wach, in der Angst, nimmermehr wachzuwerden, wälzen sie sich von einer Seite ihres Bettes zur anderen. während sie die Frage quält, ob sie morgen schon vergessen sein mögen?
Frühstücken sie das bittere Brot des Nichtigseins, neiden sie Aischylos, Meisel oder Goethe jeden Buchstaben ihrer Namen?
Hören sie jede Sekunde ihres Daseins den Schrei nach postmortalem Ruhm?

Ich bin überzeugt, so muß es sein, gerade in dieser wahnsinnig schnellebigen Wegwerfgesellschaft.
Doch all ihr Gebeutelten, Vergessenen, Ruhmsüchtigen, wie könnte es anders sein, der technisierte Kinderfresser erinnert sich an euch.

Und so geht’s:
Lebenslauf, besondere Verdienste und einen Verrechnungsscheck ab 10.000 Euro beilegen und wir erinnern uns 10 Jahre lang an Euch, jede weiteren 1.000 Euro sind ein Jahr mehr (bis zu 100 Jahren wenn Paul etwas in der Genforschung erreicht).
Über 100 Jahre Erinnerung und ihr werdet für nur 10.000 weitere Euro pro Generation (X,Y oder wie auch immer, eine Generation ca. 10 Jahre, Füllhöhe transportbedingt) „Gedenkplus Kunden“ und bekommt eure eigene Gedenkminute auf unserer Seite.
Für etwa 100.000.000 Euro in Gold oder Diamanten nennen wir unsere Seite nach eurem Ableben eventuell in eure Namen um, wenn wir Lust dazu haben.
Also, was wartet ihr noch, schickt sofort eure Erinnerungswünsche an den technisierten Kinderfresser und ihr werdet nie wieder dasitzen und euch fragen müssen, ob das schon alles war!
Endlich wieder ruhig in der Gewissheit einschlafen können, daß ihr morgen schon tot sein könntet!
Und wenn ihr jetzt sofort bestellt, bekommt ihr gratis unsere Domain in den Grabstein gemeißelt, als extra Service für unser ganz besonders toten Kunden!

Mit freundlichen Grüßen und fröhlichen Sterben verbleibt:

Ihr technisierter Erinnerungsfresser

(Achtung, diese Angebote verpflichten den technisierten Kinderfresser zu gar nichts, überhaupt nichts, nüschte sozusagen. Wenn ihr uns trotzdem euer Geld in den Rachen stopfen wollt : bitte, nichts dagegen, macht doch, werdet ja sehen was ihr davon habt, gar nichts nämlich.
Und wenn dann jemand kommt und uns fragt ob wir uns tatsächlich an irgend so einen Hans Müller erinnern, dann prusten wir dem eins, wenn wir gerade Spaß dran haben werden wir vielleicht gucken wofür wir dessen Geld verpulvert haben, aber eins sag ich ihnen jetzt schon: wir werden nie Spaß dran haben, ha, ha.
Wie gut das nie jemand das Kleingedruckte, geschweige denn einen Artikel bis zum Ende liest.)

Ich will es plätschern hören…

Tips für einen verdammt guten Tag
oder:
„Was mir die Flairmankassette rät“

Schlaft den Schlaf der Gerechten, bis etwa 12 Uhr, bevor euch das Schlafen Müde macht. Frühstückt ausgiebig mit frischem Brot, Avocadopaste, wunderbarem Kaffee, den Damen vielleicht einen Sekt.
Frühstückt frisches Obst und spuckt die Kerne aus dem Fenster (wenn sie nicht so groß sind wie die von Avocados).

Ladet Freunde für den Abend ein, duscht ausgiebig, lauft nackt durch die Wohnung, die Nachbarn haben verdient mal etwas zu sehen zu bekommen.
Liebt euch oder holt euch einen runter, ja ehrlich, seid lustig mit euren Körpern, Männlein wie Weiblein!

Führt angeregte Unterhaltungen, geht dabei spazieren oder schreit einfach nur den Regen an.
Hört Musik, laut! Tanzt dabei wenn ihr wollt, aber vergeßt nicht zu lauschen.
Öffnet den sich beschwerenden Nachbarn immer noch nackt, warnt sie gleich, dass es Abends noch lauter wird (niemand wird sich auf eine Diskussion mit euch einlassen, schließlich seid ihr nackt und sie Spießer!).

Geht baden oder raucht, was euch mehr entspannt oder liegt, geht Kaffee und Kuchen bei euren Großeltern essen, nirgends schmeckt es besser und sie freuen sich, Dich mal wiederzusehen und Du freust Dich über ihre Freude darüber.
Kuschle Dich danach ins Bett, oder an Deine Liebe, träumt ein wenig, bespaßt euch beim Aufwachen wie es euch gefällt.

Laßt euch was vom Chinesen kommen, verzehrt es auf dem Fußboden sitzend, alberne Spielshows schauend (Lumberjack Contest, Takaschemis Castle…).

Begrüßt jeden Gast als sei es Jahre her, daß ihr ihn gesehen habt, genießt die Anwesenheit jedes einzelnen Freundes.

Feiert bis der Alois kommt, bis alle irgendwo eingeschlafen sind, schlaft unterm Wohnzimmertisch, putzt am nächsten Morgen gemeinsam, irgend jemand macht Frühstück, geht erst am späten Nachmittag auseinander oder feiert einfach weiter.

Warum mir eigentlich alles egal ist 16

„Hey Du, alles klar? Geht gut?“, fragte ein Mitarbeiter des benachbarten spanischen Weinrestaurants, nachdem mit einem riesigen Rumms einem anderen Mitarbeiter wohl ein Tablett mit Geschirr hingeflogen ist. Wie es mir geht, beantworte ich am besten rheinisch: „Et muss, et muss.“ Habe gestern erfahren, dass ich die Mittelhochdeutsch-Klausur nicht bestanden habe und bin danach direkt zum zuständigen Zwischenprüfungs-Beauftragten gegangen. Nach einer dreiviertel Stunde Wartezeit vor seinem Büro verlief das Gespräch ungefähr so: „Guten Tach. Ich habe mich zur Zwischenprüfung angemeldet und wider Erwarten die Mittelhochdeutsch-Klausur nicht bestanden. Kann ich die Zwischenprüfung trotzdem ablegen?“ „Nein.“ „Gibt es Ausnahmen?“ „Nein.“ Ich hätte den Mann wahrscheinlich auch fragen können, was er heute zu Mittag gegessen hat und hätte die gleiche Antwort bekommen. Bettelei verstößt gegen meine Prinzipien.

Stop, stop, aufhören mit dem Gequatsche. Mit diesem elenden Gewäsch, das sowieso keiner lesen möchte. Nichts ist, wie es ist und war. Und ich habe immer gesagt, dass diese Serie enden wird, und das auf jeden Fall stilvoll – entweder mit Schillers „Ode an die Freude“ oder mit „The End“ von den „Doors“. Der Moment ist da – und so ist es nun mal:

This is the end
Beautiful friend
This is the end
My only friend, the end
Of our elaborate plans, the end
Of everything that stands, the end
No safety or surprise, the end
I’ll never look into your eyes…again
Can you picture what will be
So limitless and free
Desperately in need…of some…stranger’s hand
In a…desperate land
Lost in a Roman…wilderness of pain
And all the children are insane
All the children are insane
Waiting for the summer rain, yeah
There’s danger on the edge of town
Ride the King’s highway, baby
Weird scenes inside the gold mine
Ride the highway west, baby
Ride the snake, ride the snake
To the lake, the ancient lake, baby
The snake is long, seven miles
Ride the snake…he’s old, and his skin is cold
The west is the best
The west is the best
Get here, and we’ll do the rest
The blue bus is callin‘ us
The blue bus is callin‘ us
driver, where you taken‘ us
The killer awoke before dawn, he put his boots on
He took a face from the ancient gallery
And he walked on down the hall
He went into the room where his sister lived, and…then he
Paid a visit to his brother, and then he
He walked on down the hall, and
And he came to a door…and he looked inside
Father, yes son, I want to kill you
Mother…I want to…fuck you
C’mon baby, take a chance with us
C’mon baby, take a chance with us
C’mon baby, take a chance with us
And meet me at the back of the blue bus
Doin‘ a blue rock
On a blue bus
Doin‘ a blue rock
C’mon, yeah
Kill, kill, kill, kill, kill, kill
This is the end
Beautiful friend
This is the end
My only friend, the end
It hurts to set you free
But you’ll never follow me
The end of laughter and soft lies
The end of nights we tried to die
This is the end

Veröffentlicht unter egal

Soll ich Dir mal was sagen

Soll ich Dir mal was sagen, Larissa? Soll ich Dir mal was erzählen, was ich bisher noch keinem erzählt habe? Glaubst Du nicht, dass es mich trifft, dass Vanessa seit Wochen nicht mehr angerufen hat? Auch wenn sie es beim letzten Treffen versprochen hat. Wir telefonieren, hat sie so am Türrahmen in ihrer WG gesagt. Beim Abschied. Vielleicht ist versprochen das falsche Wort, aber sie hat es gesagt. Und ich habe gewartet auf den Anruf. Aber nicht so, wie Du auf Thomas wartest.

Denn irgendwann hat sich der Trotz gemeldet. Und der Trotz hat gesagt: Warum muss ich eigentlich immer der Arsch sein, der sich meldet? Ich habe mich immer gemeldet, ich hatte immer die Tübinger Nummer auf der Telefonrechnung. Und es hat mir nichts ausgemacht. Doch, stimmt nicht. Es hat mir was ausgemacht. Aber ich habe mir irgendwann gesagt: Wenn sie sich nicht meldet, wird sie schon ihre Gründe haben.

Rückblende: Das letzte Treffen mit ihr. Ich habe mich angestrengt. Ich wollte Klarheit, ich wollte sie zur Rede stellen. Aber was wollte ich eigentlich hören? Dass sie mich doch liebt, weil sie das jetzt erst gemerkt hat. Habe ich das wirklich erwartet? Konnte ich das erwarten? Denn irgendwie habe ich es schon vorher geahnt: ich wollte die letzte Gewissheit haben. Und die habe ich bekommen, klar und kalt: Sie hat einfach nichts gesagt. Nur leicht den Kopf geschüttelt, als ich mal das Thema, das Thema angesprochen habe.

Ganz leicht mit dem Kopf geschüttelt, etwas nachsichtig, so wie mit Kindern, wenn man sie ermahnen möchte: Erzähl doch keinen Quatsch, Kleiner. Dafür bist du noch viel zu klein, Kleiner. Und dann habe ich nichts mehr gesagt, und habe nur noch gewartet, und gewartet, dass sie noch was sagt.

Aber es war Stille im Raum, so eine Stille, die peinlich ist. Ich liebe absolute Stille. Und ich sehne mich jeden Tag nach einem Moment, wo ich absolut nichts mehr hören brauche. Aber die Stille war peinlich. Kennst Du so Momente, wo man soviel zu sagen hat, aber dann merkt, dass nichts, aber auch gar nichts passend ist in diesem Moment? Spätestens dann ist es aus, Larissa, aber nicht vorher.

Veröffentlicht unter michi

Von einem der auszog das Lieben zu lernen.

„Nennst Du mich Narr, Junge?“
„Alle Deine anderen Titel hast Du weggeschenkt, mit diesem bist Du geboren“

(William Shakespeare, König Lear)

Narr

Ist ihnen schon einmal aufgefallen, das man immer der letzte ist, der merkt das man verliebt ist und ist ihnen des weiteren schon einmal aufgefallen, daß man immer der Letzte ist, der merkt das diese Liebe erwidert wird?
Während man sich selbst noch durch seine Hoffnungen und Zweifel kämpft, kann ein Außenstehender in einer Nanosekunde erkennen, daß man praktisch schon mitten in einer Beziehung steckt.
Das ist nur deshalb so ungerecht weil man einem Außenstehenden nie wirklich glauben wird und man viel zu feige ist, das Objekt der Begierde einfach geradeheraus zu fragen.

Du dienst

Also bleibt einem meist nur der komplizierte Weg einer würdigen Werbung,
wie diese jedoch auszusehen hat, weiß niemand so recht und gibt jemand Hinweise, sollte man den Teufel tun diese auch nur ansatzweise zu befolgen, noch besser ist es, das genaue Gegenteil zu tun, aber da ich ihnen das jetzt geraten habe, kann das wohl auch kaum richtig sein.
Es schwirrt einem jedoch immer die Frage im Kopf herum, ob das jetzt wohl der Augenblick wäre einen Kuß einzufordern.
Um sich eine halbe Stunde später selber dafür zu schlagen, dass man Vollidiot die Chance seines Lebens verpaßt hat.
Was bleibt ist eine Nacht mehr mit der Vorstellung was wohl passiert wäre, hätte man sich nur diesen Schritt weiter gewagt oder da und dort etwas anderes gesagt.
Grundsätzlich gilt in dieser Phase: Das, was du beabsichtigt hast auszudrücken und das, was du gesagt hast, kann nur von einem Medium in Verbindung gebracht werden.
Unglücklicherweise geht es dem Gegenpart meist genauso, was zu einer Spirale von Missinterpretationen führt und das ganze noch komplizierter macht als es ohnehin schon ist.
Außer für die Außenstehenden, die langsam beginnen an deinem Verstand zu zweifeln, aber das hatten wir ja schon.

Du wirst beherrscht

Alles wird nur noch schlimmer, hat man das mit dem ersten Kuß erstmal hinbekommen.
Ist man jetzt zusammen, oder sieht es der andere nur als irgendetwas anderes an?
Spätestens hier beginnst du dann deine Freunde so richtig zu nerven, für die das alles eigentlich schon im ersten Absatz abgefrühstückt war.
Aber niemand bis auf eine Person kann einem dieses Brett vorm Kopf entfernen.
Ab nun gibt es keinen Augenblick mehr ohne die Erinnerung an diesen kurzen Augenblick der Sicherheit, der in diesem Kuß lag.
Was meiner Einsicht nach der einziege Grund ist, daß sich schließlich ein Part aufrafft die Sache klarzustellen und so das ganze fertig zu backen.

Du verlierst deinen Kopf

Und dann gehst du nach Nantes, FÜNF Monate, ab hier ist es dann nicht nur den Außenstehenden vorbehalten, dich für den ungeschicktesten aller Liebenden zu halten.
Und jetzt für alle, die irgendwo in Phase zwei stecken: Wiederholen sie laut und wohlbetont folgenden Satz und handeln sie dementsprechend (auch für Fortgeschrittene geeignet )!
„Ja ich will diese Frau lieben, ihr meine Liebe schenken, so wie ich ihre empfange.“

„Ein Fluch der Zeit, daß Tolle Blinde führen!
Tu was ich bat, oder auch, was du willst“

(William Shakespeare, König Lear)

Veröffentlicht unter erik

Cidre in der Nacht

Ach je, weh weh, wie gern` hätt` ich jetzt ein Gläschen Cidre, eines nur, ach nur eins,
ich armer Kerl.

Nur ein einziges Gläschen, nur um des Prickelns willen, welches es auf meiner Zunge
erzeugt, nur um den schalen Geschmack des Wassers zu vertreiben das ich zu trinken
gezwungen bin.

Ich will ja gar nicht viel, ein Gläschen nur, wer könnte mir das schon verübeln und
vielleicht ein Fläschchen dazu, nur zum Nachschütten, damit das eine Glas nicht so
einsam bleibt.

Was verlange ich schon? Eine einsame Flasche, das ist alles, nur damit ich ein Gesellen
am Abend habe, wenn mich das Licht des Tages verläßt.

Eine traurige Flasche, nicht der Rede wert, nur um meinen Durst zu stillen und den
Geschmack von Äpfeln und Herbst ein paar Minuten zu vernehmen, daß ist doch alles.
Ist solches denn vielleicht schon zuviel verlangt?

Vielleicht wäre zudem noch eine zweite Flasche angebracht, damit nicht nach dem
ersten essentiellen Durstlöschen nichts mehr zum Genießen übrig ist.

Ach zwei Fläschchen nur und alles wäre viel netter, so wenig macht mich doch schon
so fröhlich.

Oi, oi, oi klagen die Griechen mit mir, mit zwei Fläschchen kann man die Perser gut
bemitleiden, aber wie wäre es mit dreien, damit sich der Weg zum Altglascontainer lohnt?
Recht haben meine umweltbewußten Griechen, wer könnte es abstreiten?

Drei Fläschchen, was ist das schon für einen strammen Burschen wie mich und schließlich
soll es in meiner Bude nicht aussehen wie bei einem Säufer!

Ja, grobe Worte mich zu tadeln sind da fehl am Platze, drei Fläschchen, mehr würde
man einem Hund gönnen!

Ach ich bitte doch nur um vier Fläschchen Cidre, denn das Zählen fällt mir schwer ohne
Apfelwein, wie soll ich wohl sonst die Übel der Menschheit aufzählen?

Nur wer leugnet, daß es diese gibt, würde mir diese vier Fläschchen verwehren, fürwahr!
Ja, für das Wohl des Volkes tränke ich diese Flaschen, man kann nicht oft genug auf
die Gesundheit aller Gruppen oder Minderheiten anstoßen und die Schrecken dieser Welt
verdammen!

Apropos verdammt, verdammt ich weiß nicht mehr ob ich das Licht in der Küche
ausgemacht habe, guckt doch mal nach und wenn da zufällig noch ne Flasche im
Kühlschrank liegt, laßt sie nicht frieren, ich nähme sie gern an mein großes warmes Herz.

Aber es mag mühsam sein, fünf Flaschen zu entkorken, das leuchtet ein, ja es würde
vielleicht die ganze Gemütlichkeit zerstören und somit auch den Grund überhaupt nur ein
einziges Gläschen zu trinken.

Ach! Ich scheue mich nicht, auch hier in die Bresche zu springen, ein Fässchen bringt
die notwendige Lockerheit und wer würde es abstreiten, Lockerheit braucht man um
Artikel zu schreiben.

Um was bitte ich also schon, doch nur um eine kleine Aufmerksamkeit, damit ich einen
Artikel schreiben kann, um nicht mehr und nicht weniger! Denn Artikel schreiben sollte
man solange man lebt, deshalb sollte auch ein solches Faß nicht zu klein sein.

Abschließend möchte ich sagen, dass Rotwein auch seinen Zweck erfüllen würde.

„Konzept“ steht auf dem Collegeblock

Langsam müsste ich doch mal über den Status dieses Schulaufsatzgeschwurbels hinwegkommen, denke ich mir immer wieder. Das ist schnell gesagt, schwer zu schaffen. Wie oft habe ich schon auf eine leere Seite in meinem Collegeblock das Wort „Konzept“ geschrieben, dann lange drüber nachgedacht, und die Seite ist leergeblieben.

„Lesen ist Quatsch“, sagt mein Mitbewohner Daniel mit Überzeugung in den Augen. Kein Wunder, denke ich mir, mit Blick auf seine Videosammlung – alles Komödien, amerikanisch, Hollywood halt mit Happy-End und einer Figur zum Sich-identifizieren. Mit deutschen Filmen kann er nichts anfangen, sagt er. Das ist ja immer das Gleiche, sagt er: Da wird dann zuviel geredet, und die Frauen sehen meisten auch noch scheiße aus.

Dafür hängt dann JeLo an unserer Klotür, von außen. Das war ein Poster mit zwei Teilen, die wir dann mit Tesa zusammengeklebt haben. Nun sieht JeLo ein bisschen aus, als wenn sie Zellulite hat, Auf jeden Fall sieht man, wie klein sie ist. Das hat Madonna immer gut zu vertuschen gewusst. Aber JeLo steht ja auch zu ihrem dicken Hintern, hab ich gelesen. Und dann Daniel erzählt, weil der ja nichts liest. Der sagt, das muss so sein, und es sieht gut aus.

„Konzept“ steht da auf der leeren Karoseite. Aber ich habe kein Konzept, weil man Konzepte erst haben kann, wenn man weise ist und ganz viel gelesen hat. Denke ich mir. Auch die ganzen Klassiker, damit man die dann ins Konzept einbasteln kann. Und wenn das Buch dann fertig gedruckt ist, müssen die Kritiker die Klassiker wieder rausbasteln. Um dann so Sätze zu schreiben, wie: „In der Hauptfigur vereinen sich Charakterzüge des jungen Werthers und Raskolnikows.“ Will ich so was lesen? Thomas Mann ist übrigens auch ohne Stilmittel-Kunde lustig.

Mitbewohner Hendrik liest lieber Terry Pratchett, weil der so coole Charaktere erschaffen hat und man immer lachen muss. Deshalb liegt auch seit Wochen das Scheibenwelt-Handlexikon mit einer Übersicht über alle Charaktere auf dem Klo, auf der Ablage über dem Klorollenhalter. Henrik kommt nämlich nur auf dem Klo dazu, das Handbuch zu lesen, oder nachts. Aber dann muss er ja wieder aufstehen, über den kalten Flur, in die kalte Küche und dann ins kalte Bad, um sich das Buch zu holen. Aber wenigstens liest er. Weil Lesen ja viel besser ist als Fernsehgucken. Und man sich nach einem guten Buch nicht so ausgebrannt fühlt. Aber wir haben ja sowieso nur fünf Sender.

„Konzept“ steht auf dem Collegeblock.

Veröffentlicht unter michi