Sommerloch und Sonnenstich beim u-AStA

Eines der Hauptkriterien, um beim Freiburger u-AStA einen wichtigen Vorstandsposten zu ergattern, ist neben dem Wir-sind-doch-alle-Menschen-Gesicht der Verzicht auf Schuhwerk. Und das zumindest im Sommer, wenn nicht das ganze Jahr, und selbstverständlich, wenn man irgendwelche Wohnungen betritt, unabhängig davon, ob es nun die eigene ist oder nicht.

„Ich mag Schuhe nicht. Schuhe engen mich ein und hängen mir wie Klötze an den Füßen. Schuhe drücken und machen Schweissfüße. Schuhe stören. Schuhe sind unangenehm“, schreibt Angela, Mitglied der u-AstA-Info-Redaktion im neuesten Heft (Seite 11). Und weil Sommer ist und es keine wichtigeren Themen gibt, darf Angela die Leserschaft mit ihrem Gewäsch eine ganze Seite belästigen: „Es ist eine viel leichtere Art des Gehens. Dann ist es viel interessanter: Wer Schuhe trägt, verpasst das Kitzeln von nassem Gras, das Gefühl von heißem Sand oder die Wohltat kühler Fliesen unter den Füßen.“ Jaja, und wahrscheinlich auch das geile Gefühl von Hundekot und Glasscherben (die Kombination von beidem ist besonders reizvoll). Oh, stopp: „(…) die Dame mit dem Hündchen betrachtet angeekelt meine Fußsohlen, und der Herr mit dem Bierbauch schüttelt nur den Kopf. Sie alle wiederholen mehr oder weniger die gleichen Sprüche: ‚Pass auf, dass du nicht in eine Glasscherbe trittst!‘, ‚Haste kein Geld für Schuhe?‘ und immer wieder das berühmte ‚Haste deine Schuhe vergessen?‘ (…) So machen die SchuhträgerInnen Front gegen die BarfüßerInnen.“ Okay, dann ein Spruch, den Angela bestimmt noch nicht gehört hat: Du bist doch bestimmt so eine Heile-Welt-Öko-Tusse, die nicht kapieren will, dass wir hier nicht am Strand sind, noch nie im Leben was von Hornhautraspeln gehört hat und sich obendrein nicht schämt, beim u-AStA mitzumachen.

Der Gipfel dieses Sommerloch-Gelabers kommt aber noch: „BarfüßerInnen sind die sensibleren Menschen.“ An dieser Stelle ein paar Sätze, die einfach mal gesagt werden müssen und ungefähr den gleichen Aussagewert haben: Adolf Hitler war kein schlechter Mensch, Curt Cobain, David Bowie, Jim Morrison und Sven Väth haben nie was von Drogen gehört, Auguste Pinochet ist verhandlungsunfähig, Amerikaner sind nicht dick und dumm und Franzosen haben keinen Nationalstolz. Diana Spencer ist nicht gegen einen Brückenpfeiler geprallt, Rosa von Praunheim ist nicht schwul, Alfred Biolek auch nicht, Guido Westerwelle schon gar nicht und Klaus Wowereit sagt das nur zu PR-Zwecken. Benjamin von Stuckrad-Barre ist ein ernstzunehmender Schriftsteller, genau wie Helge Schneider, Marielouise Fischer und Hera Lind.

Jürgen Drews kann singen und hat sich nicht den Hintern geliftet. Gerhard Schröder fährt leidenschaftlich gerne Fahrrad, hasst Fernsehkameras und färbt sich nicht die Haare. Jassir Arafat lehnt Gewalt ab, Saddam Hussein ist ein Familienmensch aus dem Bilderbuch, Wladimir Putin hat nicht den Kleiderbügel im Sakko vergessen und würde nie mit dem KGB zusammen arbeiten. Jan Hofer ist kein Langweiler und Cherno Jobatey auch nicht. Mel Jersey heißt wirlich so, Waldemar Hartmann würde nie einen Tropfen Alkohol anrühren und Helmut Berger hat den Schuss gehört. Justus Frantz ist ein Stardirigent, Friedrich Merz kein Skinhead, Franz Müntefering spricht astreines Hochdeutsch, Thomas Gottschalk ist lustig, und sein Bruder schon lange – der Spaßvogel. Jenny Elvers tut nur so dumm, und Timothy McVeigh ist unschuldig. Roger Willemsen ist kein dummer Schleimer, Jan Ullrich nimmt keine Aufputschmittel und Freiburg liegt nicht am Arsch der Welt.

Eby Thust und Negerkalle sind keine prolligen Zuhälter, Klaus Löwitsch wurde immer unterschätzt, Brigitte Bardot trägt gerne Pelz und hat sich nicht die Lippen aufspritzen lassen, Iggy Pop ist ästhetisch, Bob Dylan eine Labertasche und Michel Friedman nicht. Margarethe Schreinemakers ist noch gut im Geschäft, Heino trägt kein Toupet, der Mahr-Hansi ist ein guter Fernsehproduzent, die Renten sind sicher, Pamela Anderson ist frigide, Madonna ein Kumpeltyp, Jennifer Lopez hat keinen fetten Hintern und Gott ist tot. Scientology ist keine Sekte und das Opus Dei ein wohltätiger Verein.

Die Genforschung dient nur medizinischen Zwecken und Aids ist heilbar. Joschka Fischer ist Politiker, Ralf Schumacher sieht nicht so scheiße aus wie sein Bruder, Roberto Blanco kriegt ganz schnell Sommersprossen und der Starfighter ist ein sicheres Flugzeug, genau wie Aeroflot und Concorde. Der Russe hat keine Atomwaffen, war als erster auf dem Mond. Die Revolution ist nicht gescheitert, Fidel Castro wird ewig leben, im Kosovo wurde keine Uran-Munition eingesetzt, und Slobodan Milosevic hat sich feige mit der Nato verbündet – der Spalter. Tschernobyl ist sicher, die Castor-Transporte erst recht.

Joseph Göbbels war ein guter Tänzer und der Freiburger U-AstA ist ein ernstzunehmendes Gremium mit vielen klugen Köpfen.