Dieser unbeschreibbare Geruch im Hausflur……trieb Herrn K. beinahe in den Wahnsinn

Vielleicht war es dieser Geruch im Hausflur, der mich an diesem frühen Mittwoch
Nachmittag aus dem Haus vertrieben hatte.
Es gibt ja diese Gerüche, deren Quelle in der Nachbarwohnung zu lokalisieren ist und
die sich von dort aus fast zwei Stockwerke nach unten und ganz nach oben auf den
Speicher ausbreiten.
Man stelle sich ein Parfüm, ein Aftershafe, ja vielleicht sogar eine ganze Duftserie mit
diesem Geruch vor, sie müsste wohl in etwa „Haare gewaschen und danach
Spaghetti mit Käsesauce gekocht“ heißen. Vielleicht gibt es gerade deshalb auch keine
Duftserie mit diesem Geruch. Entweder wegen dem Namen oder aber wegen mangelnder
Toleranz der potentiellen Abnehmer.

Gerne stelle man sich an dieser Stelle einen glattrasierten Yuppi beim Bewerbungsgespräch
vor, der Tage zuvor zwischen den Spiegelschränken und Glastheken der
Innenstadt-Douglas-Filiale riechbar schlecht beraten wurde und nun mit der
Ausstrahlung eines UPS-Boten, der sowohl die Lieferung von Schwarzkopf als auch die
von Miracoli hat fallen lassen, vor seinem nun leider nicht-zukünftigen Chef steht.
Wird Convenience-Food und Shampoo überhaupt gleichzeitig geliefert? Und dann auch
noch von UPS? Eines ist jedoch glasklar: Douglas-Filialen tummeln sich immer
in Innenstädten und sind im Gegensatz zu Bäckern, Telefonzellen und Briefkästen
eigentlich nie in Vorstädten anzutreffen. Lassen sich die Vorstadtbäcker
eventuell ihre Duftartikel – zuvor telefonisch bestellt – per Post liefern? Oder per UPS?
Diese Fragen sind meines Wissens noch nicht ausgiebig genug von der Wissenschaft
untersucht worden.

Verfolgen wir aber nun wieder den Gedanken der seltsam stinkenden Duftserie: Man darf
ohne Einschränkung annehmen, daß solch eine Pflegeserie nicht als Kassenschlager
in die betriebswirtschaftliche Geschichte eines an Gewinnmaximierung
interessierten Großunternehmens eingehen würde. Besagter Geruch war also
ausfallend genug, mich an jenem Mittwoch Nachmittag aus meiner eigenen Wohnung
zu vertreiben.

Hätte mich zu dieser Zeit jemand angerufen, eventuell sogar aus einer
Vorstadt-Telefonzelle, hätte er nur meine Abwesenheit feststellen können.
Mich hat aber niemand angerufen und wenn doch, tat er es zu einem späteren
Zeitpunkt nicht erneut. Möglich ist also, daß es eine ganze Menge erboster
Menschen gibt, die jetzt wutschnaubend zuhause sitzen, weil ich an jenem
Mittwoch nicht telefonisch erreichbar war, sondern die Frechheit besessen habe, nicht
anwesend zu sein. Mit diesem mich wegen meines Fehlverhaltens lünchen
wollenden Pöbel, der an jeder Straßenecke mit Mistgabeln und Fackeln auf mich
warten könnte, muß ich halt zukünftig leben. Und dies alles nur, weil ich zu
besagtem Zeitpunkt nur psychisch bei meinem Telefon anwesend war, mich jedoch
physisch auf der Autobahn Richtung Koblenz befand.

Ein probates Mittel scheint es ja heutzutage zu sein, sich ein Handy zuzulegen. Ich lebe
jedoch lieber mit dem konservativ-romantischen Gedanken, an der nächsten
Straßenecke mit einer Mistgabel erstochen zu werden. Komische Menschen gibt es,
die sich nur deshalb ein Handy kaufen, weil sie sich einbilden, ansonsten in
Koblenz von einem nach Shampoo und Käse riechenden Yuppi auf offener Straße
erstochen zu werden.

Verrückte Welt!