Kleines Ferientagebuch – Sonntag, 29. Juli 2001

Der Tag geht super los: Schützenfrühstück um 8.30 Uhr. Ich hatte vorab vermutet, dass maximal magenfreundlicher, entkoffeinierter Schonkaffee serviert würde, aber die Mischung stimmt halbwegs, auch wenn ich mir die Finger an der Plastiktasse verbrenne. Nach einer eher kurzen Nacht im Bettchen, versuche ich zumindest ein halbwegs interessiertes Gesicht zu machen. Die nötigen Informationen kriege ich zumindest. Der Typ, der dieses Jahr zum ersten Mal den Schützenzug kommentiert, schildert mir mit einem Bier in der Hand und einem fiesen Grinsen im Gesicht, dass es wohl Ärger mit seinem Vorgänger gegeben hat: „Der hat die Leute doch letztes Jahr mit ‚Hallo Ratinger, helau liebe Närrinnen und Narren‘ begrüßt. Das kam nicht gut an bei der Bruderschaft.“

Nachmittags: Crazy Partypeople, peace, love, harmony. Alle haben ganz viel Spaß, freuen sich, dass Sven Väth zum Blauen See gekommen ist und feiern ganz, ganz entspannt. Und jetzt erzähl ich mal, wie es wirklich war: Ab mittags ist die komplette Innenstadt vollgeparkt, verstopft. Ich entscheide mich wegen unnötiger körperlicher Anstrengung gegen das Fahrrad und für das Auto. Mein Ziel: Mit der Kiste direkt runter zur Naturbühne zu fahren. Der Security-Onkel mit Headset am Straßenrand winkt schon von weitem ab. Ich halte meinen gefälschten Presseausweis in die Höhe – er winkt ab. Ich sage ihm, dass ich unbedingt runter muss, weil ich eine schwere Tasche habe – er winkt ab. Ich schaue ihn ganz lieb an – er schlägt mir vor, einen der Veranstalter anzurufen, der mich unten abholen kann. Ich greife mir sein Handy, telefoniere mit Partymacher Peiki. Der ist total genervt, aber sowas von total: „Sorry, sorry, sorry, ich kann nichts für Dich tun. Alles zu.“ „Okay“, sage ich dem Security-Onkel, „Er holt mich ab.“ Und ich bin durch.

Ich könnte jetzt noch erzählen, dass ich eine dreiviertel Stunde in der Gästeliste-Schlange gestanden habe, in der brüllenden Hitze, zusammen mit pickeligen Jugendlichen, die sich in der Schlange geirrt haben und Alt-Ravern mit Knitter im Gesicht und sooooo großen Augen. Aber das führt zu weit.