Kleines Ferientagebuch – Freitag, 3. August 2001

Kurzfristig habe ich mich gestern Abend im „Talschlösschen“ entschlossen, vielleicht doch mal etwas für die Uni zu tun, und gehe deshalb heute nicht zur Redaktion. Statt dessen nehme ich den mitgebrachten Stapel Kopien zum Thema „Legasthenie“, einen Block und lese die Seiten, die ich vor etlichen Wochen schon mal gelesen habe, deren Inhalt ich aber mittlerweile wieder vergessen habe. Zu Hause lernen ist nervend, zu komfortabel. Deshalb radele ich in die Stadtbücherei. Ach ja: ich radele immer noch, weil die Werkstatt gestern Mittag mit „unerwarteten Problemen“ kam: Alle vier Reifen stark porös, ein Loch im Auspufftopf. „Kann man das nicht schweißen?“ habe ich gefragt. Nein, kann man anscheinend nicht, glaubt man dem Werkstatt-Mann. Also: In der Stadtbücherei habe ich meine Ruhe, wenn man mal von den Kleinkindern absieht, die mit ihrer grünen Mutti in der Pädagogik-Abteilung rumturnen. Fazit: alle Seiten gelesen, die erste Seite geschrieben.

Abends: Ein Blick ins Schützen-Festzelt, wo heute Oldie-Party ist. Die Ratinger Dorfjugend ist auch da: Ein unterbelichteter Pickelträger, der schon ein paar Alt intus hat, stiert auf einen vorbeilaufenden Hintern, holt schon mit der Hand aus, wird aber im letzten Moment noch von seinen Kumpels gebremst.