Sollte man meinen, dachte ich mir

Der Kaufhof in Berlin veranstaltet um Weihnachten immer eine herzallerliebste Aktion:
die kleinen und die großen Konsumopfer dürfen ihre Wünsche aufschreiben.
Was dabei rumkommt wird, nach kräftiger Zensur, ins Schaufenster gehängt.
Achtzig Prozent der Erwachsenen wünschen sich vorsichtig „ein bischen mehr
Zeit für meine Familie“, dabei wollen sie nur mehr Bewunderung, Geld und Sex.
Ich habe das geschrieben, es wurde aber nicht aufgehängt.

Am ekelhaftesten fand ich den Eintrag:

„Ich wünsche mir ein bischen mehr wirs und weniger ichs! – Ute, 37, Mitmensch“

Sie hat allen Ernstes mit „Ute, 37, Mitmensch“ unterschrieben (kotz, würg)!

Ute Du armes frustriertes Mitmenschlein,
wie kann man nur so verlogen sein?

Alles was Du, Ute, wolltest, war ein Platz im Schaufenster, incl. Menschen die
Deine gottgleiche Weisheit bewundern! Ekelhaft egoistischer kann man nicht
sein und ich kann Dich quasi vorm Kaufhof stehen sehen, wie Du auf Deinen
Eintrag deutest und „ich, ich, ich hab das gemacht“ brüllst, bevor Du zu
irgendeiner Lichterkettenaktion gehst, um eine Fackel gegen irgenwas zu entzünden,
aber pass auf, dass sie groß und hell genug ist, damit Dich alle sehen,
Ute Du kleines Licht.

Aber pass auf, den letzten Erlöser haben sie ans Kreuz genagelt.

Die wahre Weisheit tat wieder einmal Kindermund kund:

„Ich wünsche mir einen
Computer und ein Spiel dafür – Benno, 8 J.“

Richtig so, was sollte man sich sonst vom Kaufhof wünschen, der mit Idealismus
soviel am Hut hat, wie Ute mit Mitmenschlichkeit.