Eriks und Michis Adventskalender 5

05/12/01, 15 Uhr, Freiburg, Arbeitsamt. Europa wird mit dem Euro noch ein bisschen greifbarer. Und so muss natürlich Freiburg, das sich sowieso als Nabel Europas, wenn nicht sogar der Welt sieht, seinen Senf mit einer Berufsorientierungsbörse zum Thema „Freies Europa“ dazugeben. Und weil die VHS auch dabei ist, darf ich natürlich den klapprigen VHS-Stand aufbauen. Morgen früh geht es los, und das Foyer wimmelt jetzt schon vor Leuten, die ihre riesigen Pappaufsteller, Broschüren und Gratisluftballons liebevoll drappiert haben. Als ich mit dem altersschwachen Gestell anrücke, ist natürlich alles schon voll, und der Koordinator vom Arbeitsamt guckt mich etwas mitleidig an. „Da finden wir schon noch ein Plätzchen. Groß muss es ja wahrlich nicht sein“, sagt er und schaut sich im Raum um.

05/12/01, 6 Uhr (morgens!), Berlin, Lokalredaktion. Todesmutig habe ich mir den Wecker auf 6 Uhr gestellt, um mein längst fälliges Referat an diesem eigentlich freien Mittwoch durchzuprügeln.

05/12/01, 12 Uhr (mittags!!), Berlin, Lokalredaktion. Ich raffe mich also geringfügig verspätet auf, um das größte jemals geschriebene Werk über variable Theaterbauformen zu verfassen. Alle Bücher zu diesem Thema sind jedoch von 1970 und preisen den modernen Stahlbetonbau (doofe Idee). Mein Heil liegt also in der Kunst der freien Improvisation.

05/12/01, 17 Uhr, Freiburg, Arbeitsamt. Es steht, und das verwundert nicht nur mich. Der Koordinator vom Arbeitsamt hat wirklich ein Eckchen für mich gefunden, der Tante vom Stand nebenan ist aber noch spontan eingefallen, dass sie noch zwei Meter für eine Stellwand braucht, so dass ich jetzt wieder nach dem Koordinator suche. Der ist mittlerweile aber wohl nach Hause gegangen. Die Tante vom Stand nebenan grabscht derweil nervös an meinen Pappaufsteller, was ich ihr mit strengem Tremolo untersage. Dann pack ich meinen Kram zusammen und lasse die gute Frau einfach stehen. Ich muss ja morgen nicht den Stand betreuen.

05/12/01, 13-15 Uhr, 15-18 Uhr, 19-20 Uhr, Berlin, Lokalredaktion. Nachdem ich nun die Fenster geputzt, die Schaukel repariert, den Hund gefaxt und die Putzfrau gefeuert habe, fällt mir echt nichts mehr ein. Und ich schreibe ein Referat, in dem ich die Vorteile des modernen Stahlbetons preise und mich dabei noch nicht einmal schäme.