Michis Adventskalender 2

02/12/01, 2 Uhr, Diskothek Fun-Park. Wo bin ich hier schon wieder gelandet, frage ich mich seit drei Stunden. Objektiv betrachtet in einer dieser neuen Großraumdiskotheken, die seit geraumer Zeit in allen möglichen Industriegebieten aus dem Boden sprießen und die dem Publikum auf mehreren Bereichen die volle Bandbreite des nächtlichen Gauditums darbieten. Subjektiv gesehen im üblichen Mainstream-Moloch, der es jedem recht machen möchte, vor allem der Dorfjugend aus dem Umkreis, die mit Papas Auto oder dem tiefergelegten Golf II mit verdunkelter Heckscheibe anreist. Das Mobiliar ist betont kitschig, glitzernd und hölzern rustikal. Nicht umsonst ist direkt nebenan ein Baumarkt, der auf den überall herumhängenden Fernsehern kräftig beworben wird. Statt der guten, alten Pappkarte, die bei Verlust viel Geld kostet, werden am Eingang Plastik-Karten ausgegeben, versehen mit Strichcode und Speicherchip. Auch das Logo der Disko ist draufgedruckt, wahrscheinlich aus finanziellen Gründen vom Geschäftsführer selbst entworfen. Geht ja auch einfach: irgendeine dieser Space-Schriftarten, dunkler Hintergrund, ein paar Sterne, Strich drunter, fertig.

Über die Monitore flimmert, was mir heute erspart bleibt: Zum Nikolaus kommt „Future Breeze“, die Woche drauf „Brooklyn Bounce“. Und wer sich an Heiligabend vor 23 Uhr in den Fun-Park aufmacht, kriegt „als kleines Geschenk vom Chef“ alle Getränke umsonst – ein Paradies für alle Depressiven ohne Familienanhang, die nicht unbedingt zum CVJM gehen wollen.

Die Bollos sehen genau so aus wie in Duisburg-Hamborn, die mitgeschleiften Mädels sind entweder Arzthelferin oder Friseuse und heißen wahlweise Marion, Heike oder Peggy. Auf jeden Fall tragen sie bauchfrei, egal wie die Wampe quillt. Aber das sind ja alles Vorurteile und Allgemeinplätze, die schon viel zu oft gesagt worden sind, denke ich mir, und entdecke auf der Tanzfläche im Black Musik & Soul-Bereich einen Typen, der auf der Tanzfläche umherwankt. Eigentlich nichts Besonderes um diese Uhrzeit, wenn da nicht diese traurigen Augen wären. Der Typ schaut jeden an, der an ihm vorbeiläuft, schaut kurz auf wie ein verstörtes Reh. Am Revers seiner Jeansjacke ist eine Aids-Schleife festgemacht, die Hose hängt auf halb Acht, und im Schwarzlicht wirken die dicken weißen Schnürsenkel noch klobiger als sie es so schon sind. Der Typ torkelt herum, sieht aber nicht aus, als wenn er gleich kotzen muss. Eher so, als wäre ihm gerade die Freundin weggelaufen.

Ein komischer Abend ist das. Der Geschäftsführer hat wohl etwas halbherzig eine Motto-Party anberaumt. Titel: Moorhuhn – auch eines dieser Massenphänomene der Unterschicht, die ich abgrundtief hasse. Konfetti und Luftballons liegen auf dem Boden, und eine Aushilfe im Huhnkostüm verteilt bunte Gelee-Eier, die es um diese Jahreszeit eigentlich gar nicht gibt. Wahrscheinlich sind die Eier von Ostern übrig geblieben. Als der Kerl im Huhn-Kostüm dem Torkelnden ein Ei hinhält, schaut dieser nur kurz auf und senkt wieder traurig den Blick.

Veröffentlicht unter michi

Michis Adventskalender 1

01/12/01, 19 Uhr, Innenhof der VHS. Auf dem nassen, glitschigen Kopfsteinpflaster ist mit rund 100 Grabkerzen die Aids-Schleife nachgebildet, an den Fenstern stehen ebenfalls Kerzen und verströmen so etwas wie Adventsstimmung. Die Atmosphäre ist tatsächlich feierlich, auch wenn die Freiburger Aids-Hilfe keine Weihnachtsfeier, sondern eine Gedenkveranstaltung zum Welt-Aids-Tag abhält.

Der Innenhof füllt sich nach und nach mit Menschen. Alle rücken sie nahe an die symbolische Aids-Schleife, Kinder springen zwischen den roten Plastiktöpfchen hin und her. Dann wird es still. Der Dirigent des Homo-Chors „Queerflöten“ ergreift mit sanftem Tenor-Stimmchen das Wort. Was er sagt, klingt mehr als unpassend: Was heute auf der Welt vorgeht, stimme ihn nachdenklich. Vor zehn Jahren sei Aids als Schwulen- und Fixerkrankheit in die Schmuddelecke gestellt worden. Heute seien es „junge, muslimisch aussehende Männer“, die kollektiv verdächtigt würden, Anschläge auf Hochhäuser zu planen.

Zu solch weitsichtigen Einschätzungen der Weltlage kann man wohl nur in Freiburg kommen, denke ich mir und schaue zu Daniela, einer ergrauten Dame, die früher mal Daniel hieß. Daniela raucht heute Abend Kette, wirkt schon den ganzen Abend über ganz weit weg und klatscht begeistert, als der Homo-Chorchef geendet hat. Der Chor setzt ein. Es klingt ziemlich Scheiße, weil Deutsche mit badischem Dialekt keine Gospels singen sollten.

Dann ist Zeit für die Gedenkminute. Alle sollen sich an den Händen fassen, und ich weiß schon wieder ganz genau, was ein Großteil der Anwesenden für eine Partei wählt. Ich stehe zwischen einem Schwulenpärchen. Der kleinere von den Beiden, mit Arafat, Nickelbrille und kleiner schwarzen Mütze ausgestattet, reicht mir seine feuchte, kleine Mädchenhand. Der Größere, mit dunklem Imkerbart, ansonsten kahlrasiert und nietenbesetzter Lederkutte, greift mit seinen klobigen Fingern kräftig zu. Alle Anwesenden sollen für einen Moment „die Augen oder ihre Herzen schließen“, sagt der Chorleiter und zeigt damit, dass es bei ihm nicht nur mit den Vergleichen hapert.

Der Chorleiter hört auch während der Gedenkminute nicht auf zu labern, erzählt irgendwas von „Zusammenrücken“ und „Wärme spüren“ und schließt mit den Worten: „So, und nun nehmen wir alle unseren Nebenmann oder Nebenfrau in den Arm und lassen uns gegenseitig spüren, dass wir nicht alleine sind.“ Ich möchte hier ganz dringend weg, und der kleine Schwule wohl lieber seinen starken Partner in den Arm nehmen. Nein, ausweichen ist nicht möglich. Ich drücke meinen Oberkörper kurz in Richtung Arafat-Schal, tätschel dem Kleinen kurz auf den Rücken seiner ausgewaschenen Jeansjacke. Dann der Blick nach rechts. Der Große wirkt in seiner Lederkluft auf einmal kleiner. Jetzt erst sehe ich, das er Tränen in den Augen hat.

Veröffentlicht unter michi

Teste Dein Allgemeinwissen Teil 1

Wer war der erste deutsche Bundeskanzler?

  • Helmut Kohl (0)
  • Konrad Adenauer (1)
  • Adolf Hitler (0)
  • Fritz Walter (0)

Wie lautet der Spitzname von Rudi Völler?

  • Tante Käthe (1)
  • Tante Droll (0)
  • Hobble Frank (0)
  • Christiane Bours (0)

Welcher der drei folgenden Herren war nie deutscher Bundespräsident?

  • Richard von Weizsäcker (0)
  • Carl Carstens (0)
  • Dieter Borsche (1)
  • Theodor Heuss (0)

Warum ist die Banane krumm?

  • Weil Tarzan sie krumm geritten hat (0)
  • Um mehr Sonnenlicht zu bekommen (1)
  • Weil sie ein Häkchen werden will (0)
  • Um den G-Punkt zu erreichen (0)

Wie heisst der Präsident der USA?

  • Steinzeit jr. (0)
  • Einstein jr. (0)
  • Schwiegersohn jr. (0)
  • George W. Bush jr. (1)

Nenne alle vier Himmelsrichtungen ( nicht zutreffendes streichen)

  • Norden (0)
  • Süden (0)
  • Osten (0)
  • Westen (0)

Welches Pseudonym verwendete Arnold Schwarzenegger bei seinem Karrierestart in den USA?

  • Artie Syph (0)
  • Arnie Strong (1)
  • Monty Arnold (0)
  • Monty Burns (0)

Womit drohen männliche Bonobo-Affen ihren Geschlechtsgenossen?

  • Mit einem Revolver (0)
  • Mit ihrem Anwalt (0)
  • Mit Fernsehverbot (0)
  • Mit ihrem riesigen erigierten Penis (1)

Wer gilt als der Entdecker der Schwerkraft?

  • Helmut Fischer (0)
  • Helmut Kohl (0)
  • Helmut Newton (0)
  • Sir Isaac Newton (1)

Welcher der vier folgenden Herren ist kein Kinderfresser-Redakteur?

  • Tim (0)
  • Heiko (0)
  • Specki (0)
  • Lurchi (1)

Auswertung

  • 0 Punkte: Du solltest an deinem Allgemeinwissen noch etwas arbeiten!
  • Mehr als 0 Punkte: Dein Allgemeinwissen ist o.k.!
Veröffentlicht unter test