Unser Advent 4

Es ist ein Weinen in der Welt,
Als ob der liebe Gott gestorben wär,
Und der bleierne Schatten, der niederfällt,
Lastet grabesschwer.

Else Lasker-Schüler

Nein, nein, so schlimm ist es noch nicht, auch wenn die Bild-Zeitung das ein bisschen anders sieht und unser Bundeskanzler das langsam auch zu glauben beginnt. Für mich als Unterstützer der Kanzlerkandidatur von Dr. Edmund Stoiber wäre es jetzt leicht, hämisch zu werden.

Das erledigt aber bereits Michael Glos für mich, während ich im Bett meinem Kinder-Happy-Hippo-Snack aus dem Kinderüberraschungs-Adventskalender den Kopf abbeisse und der Rede des CSU-Landesgruppenchefs im Bundestag lausche. Bei dem Mann weiß man nie,ob er nun „Daten“ oder „Taten“ sagt, wobei sich mir in der Wortbedeutung auch nach längerem Überlegen kein großer Unterschied erschließt. „Das ist der Weg von Champagner zum Leitungswasser und von Brioni zu Hennes & Mauritz“, sagt Glos (oder „Herr Glotz“, wie ihn der Kanzler gleich zweimal nennen wird), als ich gerade aus dem Bad komme und mir meinen hellblauen H&M-Rollkragen-Pullover überstreife.

Kein Grund zur Häme: Solange es die Deutschen noch schaffen, bar 999 Euro für den Volks-PC auf den Tisch zu blättern, dauerts mit dem Weltuntergang noch ein bisschen. Ich will ja erst nächstes Jahr einen Job. Und bis dahin haben wir ja noch Zeit.

Ich bin nicht so wie mein Germanistik-Professor, bei dem keine Stunde ohne einen Seitenhieb auf die aktuelle Bundesregierung vergeht. Aber gerade wenn das Auditorium zu kapieren beginnt, dass es wieder lustig wird, unterbricht er sich Äugschen knipsend und mit einem kleinen Räuspern: „Aber dazu darf ich mich ja nicht äußern“. Das ist der Dozent von dem die Mär geht, er spiele abends, wenn er abends nach Hause kommt, nur noch Computer, weil er schon alles weiß. Von dem gleichen Dozenten wird erzählt, er sei früher Boxer und glühender Anhänger von Horkheimer und Adorno.Was sich dann nach Abschluss der Familienplanung und dem Antritt der C-4-Professur schlagartig geändert hat.

Auf gehts anschließend zum Weihnachtsmarkt. Nach zwei Gläsern Glühwein sieht die Welt schon wieder ganz anders aus, nach dem dritten Glas erst recht. Und dafür lieben wir doch auch alle die Adventszeit, die Zeit der Lichter und Wohlgerüche. Wenn auch die menschliche Wärme fehlt, wenigstens ist es warm im Magen. Da sagt auch Else nicht nein.