Unser Advent 7

Ab und an soll es vorkommen, daß man mit Leuten redet, denen man eigentlich gar nichts wichtiges
mitzuteilen hat – auf Parties zum Beispiel. Oft wird dann über „Fernsehn“ oder „Musik“ geplaudert, weil einem halt sonst nichts einfällt und man dann wenigstens ein Thema hat, zu dem allen oder wenigstens vielen etwas einfällt. Blödsinnige Gespräche eigentlich.

Die „Diskussionen“ über Fernsehsendungen – sagen wir mal über Sabine Christiansen – sind da meistens noch einfach. Der eine bevorzugt dies, der andere das, Gründe weshalb nennt man kaum, braucht man auch nicht, insgeheim einigt man sich meist darauf, es sei ja schließlich irgendwie Geschmackssache, deshalb der Diskussion nicht wert. Punkt.

Ganz anders sieht es da leider oft bei der gefürchteten Musikdiskussion aus, die man eigentlich immer vermeiden sollte. Ich lebe z.B. in ständiger Angst, in ein Gespräch (verbales Handgemenge) mit einem Musikfaschisten zu geraten.

Einschub! Dringend erforderlich! Mir steht es nicht zu, an dieser Stelle einen Terminus „Musikfaschist“ zu besetzen. Dieser ist irreführend, wenn nicht schlicht falsch. Mit „Musikfaschist“ meine ich jene Menschen, mit denen man sich über Musik streiten muß, weil sie alles besser wissen und alles, was mit Musik zu tun hat, furchtbar ernst nehmen. Das Wort „Faschist“ sollte außerdem auch nicht, wenn nicht dringend erforderlich, gebraucht werden. Ich gelobe Besserung und nenne einen imaginären Prototypen meiner „Musikfaschisten“ ab sofort „Bob“.

Mit Bob streitet man sich über Musikrichtungen, Stile, Epochen – über alles. Ist das noch Jazz Was ist Popmusik? Warum ist derundder viel besser/genialer als derundder… Bob weiß alles. Seine Aussagen sind objektiv, selbstredend richtig, allgemeingültig und unanfechtbar. Ich habe die ganz ganz ganz furchtbare Angewohnheit, Bob nicht ignorieren zu können und ES zwingt mich, ganz blöde Allgemeinplätze rauszuhauen wie: „Acid Jazz ist nicht gleich Acid Jazz, weil sich der ‚frühe‘ von dem ‚heutigen‘ unterscheidet“ (dabei weiß ich nichts von früher und auch nichts von heute) und „…das ist ja so, als ob man Dave Weckl mit Gene Krupa vergleicht“ (von den beiden Herrschaften weiß ich aber auch gar nichts und will es auch nicht).

Ich habe seltsamerweise noch nie mit jemandem auf einer Party darüber gestritten, wodurch sich eine Sitcom definiert. Bei Musik möchte ich bitte auch haben, daß sich Gespräche darüber in einem „Geschmacksache-punktum“-Wölkchen auflösen. Wird das ein Punkt auf meinem Wunschzettel? Mal sehen.

P.S.: Dies ist kein Artikel über Sabine Christiansen, obwohl ich sie natürlich geschickt versteckt
eingebaut habe (wer hat’s gemerkt?). Nur Geduld, liebe Sabine…