Unser Advent 8

Zickezacke Hühnerkacke

Loriot

Für mich als Bruder im Geiste Joschka Fischers sind es schwierige Zeiten. Der Ortsverband will nicht so, wie ich es will. Die Freiburger Parteibasis ist halt eine der letzten Bastionen grüner Politik, wie sie in den 80ern gemacht wurde. Problem: Wir haben das Jahr 2002, und Rübenbärte und Kratzepullis sind einfach unsexy.

„Kommt, die Zeiten der Trennung von Amt und Mandat sind vorbei. Wir haben es doch vor Bundestagswahl gesehen: Joschka, Joschka, Joschka und nochmals Joschka. Und kein anderer, der die Klappe aufreisst. So holt man Wählerstimmen und nicht anders“, hatte ich bei der letzten Ortsvereinssitzung gesagt, bevor die Abordnung zum Parteitag nach Hannover aufbrach. „Bei der Bundestagswahl hat es doch geklappt. Der Fritz und die Claudia haben doch ihre Sache halbwegs ordentlich gemacht.“

„Quatsch“, rief der Freiburger Oberfundi, einer von denen, die den Schuss noch nicht gehört haben, und raufte sich die verfilzten Haare. So reiste der Oberfundi mit seiner Oberfundi-Abordnung nach Hannover.

Und während sich die Grünen die Nacht mit der Frage der Trennung von Amt und Mandat um die Ohren schlugen lief mein Wochenend-Date nicht ganz so ab, wie ich es mir vorgestellt habe.

Um ehrlich zu sein: Es lief alles schief, was schief laufen konnte. Das ging schon vor ein paar Wochen los: Ich kaufte Karten für das Tanztheater am 7. Dezember. Der Mensch am Vorverkaufsschalter war sehr freundlich, zeigte mir den noch sehr bunten Monitor mit vielen freien Plätzen. Ich suchte mir zu günstigen Stundententarifen zwei Plätze im hinteren Parkett, Mitte aus. Das wird bestimmt nett, dachte ich mir.

Als ich mir vor einer Woche die Karten genauer anschaute, stand da nichts vom „7. Dezember, 19.30 Uhr“, sondern „21. November, 19.30 Uhr“. Und das dick und fett und ohne Zweifel, auch wenn es spät am Abend war.

„Das ist ihr Problem, wenn sie nicht sofort nach dem Kauf auf die Karten gucken“, sagte mir der Vorverkaufsmensch am nächsten Morgen ungerührt, „Der Fehler liegt bei Ihnen.“ Der Fehler lag dann doch beim Vorverkaufsmenschen, nachdem ich den Geschäftsstellen-Leiter gerufen hatte.

Da Freiburger Tanztheater hingegen aller Tocotronic-Liedtexte mit sinkenden Zuschauerzahlen konfrontiert sind, gab es dann doch noch Karten für den Dezembertermin. Kurz: Alles hätte gut werden können, wenn nicht ausgerechnet auf den Plätzen, die ich erstanden hatte, der Tontechniker sein Mischpult aufgebaut hätte. „Ach, haben die die Plätze schon wieder verkauft?“, fragte der Tontechniker uninteressiert. Und so fanden wir doch noch Plätze, und zwar hintereinander, und nicht nebeneinander.

Wenigstens das übliche „Wollen wir noch was trinken?“ hätte nett werden können, wäre nicht rein zufällig ihre beste Freundin aufgetaucht, die leider nur Karten für den Rang bekommen hatte. Es wurde ein netter Abend mit den beiden Mädels, die sich ziemlich viel zu erzählen hatten, während ich mir aus Frust eine Schachtel Luckys kaufte.

Den Rest der Schachtel habe ich dann noch den Mädels geschenkt, damit ich bloß nicht in Versuchung geführt werde und bin dann irgendwann nach Mitternacht nach Hause, während sich die Mädels noch soviel zu erzählen hatten.

„Scheiß Doppelspitze“, dachte ich bei mir und ärgerte mich über meinen Kinderüberraschungs-Kalender, in dem schon wieder drei Kinderschoko-Bons steckten.