Unser Advent 9

Britzel bratzel blitzer blink – so sieht eine ordentliche Innenstadt zur Adventszeit aus. Alle Straßenzüge gehören mit Lichterketten behängt, damit die in ihnen herumirrenden Passanten nicht zwischen Oberhemdenkaufen und Bratwurstessen depressiv werden, nur deshalb, weil sich schon so unverschämt früh die Dunkelheit ihren Weg durch die kopfsteinbepflasterten Gassen bahnt. Der Spaßverderber in mir schreit noch abgehackte Sätze ins Nichts, die irgendetwas mit Stromverschwendung zu tun haben, während ich das Lichtermeer generell begrüße.

In der Glühbirnenflut gehen nur leider gelegentlich wichtige Informationen verloren: Das Parkleitsystem, welches nicht nur im Advent vor sich hin leuchtet, sondern seinen Dienst geflissentlich das ganze Jahr hindurch verrichtet, droht im allgemeinen Gefunkel schier unterzugehen. Neulich zeigte eine dieser hilfreichen Instrumente für das nächstgelegene Parkhaus eine „Eins“. Ich stutzte, während ein von mir imaginierter Optimist freudig in seinem Auto das Gaspedal trat, um diesen einen, letzten Parkplatz zu erheischen.

Realitätsnäher wäre es, anzunehmen, daß bei Ankunft an jenem Parkhaus sich davor schon eine beträchtliche Autoschlange angesammelt hat, die Fahrer alle auf den einen Parkplatz erpicht.

Mir konnte es „wurst“ sein, da gerade dem ÖPNV entstiegen und nun auf Schusters Rappen unterwegs (versehentlich tippte ich hier zunächst „Pappen“ statt „Rappen“, was bei genauerer Betrachtung der Qualität meiner Schuhe diesen eher gerecht worden wäre – das nur nebenbei).

War dies der Unterschied zwischen einer positiven und einer negativen Lebenseinstellung? Ärgern sich negativ eingestellte Menschen über einstellige Zahlen auf den Anzeigen des Parkleitsystems? Oder treffen sich diese Leute an einem Samstag Nachmittag auf dem Weihnachtsmarkt, um mit grantigen Gesichtern und einem Glühwein in der Gegend herumzustehen und mir den Weg zu versperren?

Die Schlechtgelaunten stehen einfach nur da, die Fröhlichen schlendern um diese herum, alle zusammen bilden einen Menschenpfropf, der die Innenstadt verstopft und mich daran hindert, möglichst schnell von Punkt A zu Punkt B zu gelangen. Punkt A ist naß, eiskalt und draußen, Punkt B ist trocken, geheizt und meine Wohnung.

Man trinkt besser zuhause eine Tasse Kaffee, als draußen naßkalt und grantig einen Glühwein. Vielleicht sollte ich mir eine Lichterkette kaufen und mir meine eigene Innenstadt-Festbeleuchtung zaubern – es fehlt lediglich in meiner Küche das passende Parkleitsystem.

Schade.