Unser Advent 13

Mein Impuls „Weihnachten = Plätzenbacken“ wird von Jahr zu Jahr schwächer. Vor drei Jahren habe ich mit Zimtsternen angefangen, im darauffolgenden Jahr gab es Vanille-Kipferl, die nicht wie Vanille-Kipferl aussahen, aber fast so schmeckten, vergangenes Weihnachten nur noch Ausstecher-Kekse, die keinem geschmeckt haben, inklusive mir. Dass der Antrieb schwächer wird, hat zwei Gründe: a) der nicht unbeträchtliche zeitliche Aufwand, b) die nicht unbeträchtliche Schweinerei in der Küche, die man später wieder wegputzen muss. Darüber hinaus habe ich in der Vorweihnachtszeit bereits soviel Süßkram, verspeist, dass mir beim bloßen Anblick von Spekulatius und Dominosteinen der Magen grummelt.

Okay, man muss die Plätzchen ja nicht essen. Und wenn man sich wie ich die Wohnung mit einem Sozialpädagogen und einem Waldorfschüler teilt, gehören gemeinsame WG-Aktionen irgendwie zum Pflichtprogramm. Das fördert das Gemeinschaftsgefühl und kommt total gut bei Frauen an, sagt der Sozialpädagoge. Und außerdem habe ich Hunger, sagt der Waldorfschüler, der immer Hunger hat. Und auch mir als Altlinkem mit Arbeitervergangenheit wurde es warm ums Herz: „Oh Du fröhliche, oh Du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit“, sang ich fröhlich vor mich hin und entkorkte die erste Flasche Spätburgunder.

Wenn man alle Zutaten beisammen hat, ist die größte Schwierigkeit, nicht doch die Lust an der Backerei zu verlieren. Das ist vor allem dann der Fall, wenn man sich das zweite Glas Rotwein bereits vor dem ersten Arbeitsschritt hinter die Binde kippt. Das gilt übrigens auch für das Schreiben von Kinderfresser-Texten. Aber wofür hat man die Mitbewohner, die schon mal mit Rühren und Kneten anfangen während ich versuche, den Tisch zu säubern, auf dem gleich der Teig ausgerollt werden soll. Dabei finde ich in der Saplte, an der der Tisch aufgeklappt wird noch etwas, was aussieht, wie das Mehl vom vergangenen Winter, dazu diverse Wachsreste (Geburtstagsfeier im Sommer). Außerdem muss an der Unterseite des Tisches irgendjemand seine Kippe ausgedrückt haben, was beim Teigausrollen (mangels Nudelholz mit der mittlerweile leeren Spätburgunder-Pulle) nicht weiter stört.

Nachdem der Waldorfschüler sich beschwert hat, dass die Eier, die ich gekauft habe, nicht aus Freilandhaltung stammen, ist die erste Krise der Weihnachtsbäckerei da. Die Krise ist nach dem nächsten Glas Rotwein schnell wieder vergessen, und mittlerweile habe ich die Ausstecher-Formen gefunden, abgestaubt und wieder richtig zusammengebogen. Der Ofen glüht bereits, derweil der Sozialpädaoge noch jedes einzelne Plätzchen bunt gestalten möchte. Die nächste Krise ist da, weil sich der Waldorfschüler beschwert, dass die von mir gekauften bunten Kügelchen zum Belegen Farbstoffe und Konservierungsmittel enthalten. Die Krise wird nach oben aufgeführten Schema friedlich beigelegt.

Irgendwann sind die Plätzchen fertig, und wie immer hat keiner mehr Lust die Küche zu putzen. In diesem Zusammenhang erinnert der Sozialpädagoge den Waldorfschüler daran, dass er schon vor geraumer Zeit einen Putzplan erstellen wollte. Wir verständingen uns darauf, dass auf jeden Fall rechtzeitig bevor die WG-Mitglieder Richtung Heimat aufbrechen, die Küche wieder blinken muss, bis dem Sozialpädagogen einfällt, dass er die Woche noch ein Mädel zum „Adventskaffee“ eingeladen hat. Sein Problem, denken der Waldorfschüler und ich und stoßen noch einmal an.