Echt aus … der Region!

Da schaut man mal elf Jahre nicht aus dem Fenster und dann das: Schwupps, weg isser, der Italien-Laden. Hat einfach dicht gemacht. Praktisch von heute auf morgen. Und es kommt sogar noch schlimmer. Wie ich aus halbwegs verlässlichen Quellen inzwischen erfahren musste, hat der Australien-Laden wohl im gleichen Jahr seine Pforten geschlossen, in dem auch der letzte Yahoo-Nutzer auf der Datenautobahn überfahren wurde. Tja.

Ich muss gestehen, dass ich mir eine gewisse Mitschuld gebe. Und das zu Recht, war doch mein Bedarf an teurem Schinken und bröckeligem Hartkäse nie sehr hoch. Auch das Didgeridoo hat es bis heute nicht geschafft, als Instrument in mein Hausmusikensemble aufgenommen zu werden. So, und jetzt hab‘ ich den Salat – sogar im wahrsten Sinne des Wortes, denn an der Scheibe des ehemaligen italienischen Feinkostkramers wird nun für „Das Beste aus der Region“ geworben. Die Lebensart der Mittelmeeranrainer wurde hier plump durch Grünkohl und Runkelrüben ersetzt, die fragilen Bistrotischchen von grobschlächtigen Hofladenmöbeln verdrängt. Und nebenan? Dort werden nun Erzeugnisse aus Talg und Lauge feilgeboten, schmierige Kernseifen, die ihre zweifelhafte Herkunft heute hinter Modenamen zu verstecken suchen.

Was für ein Tor war ich, den feinen Spezereien aus den fernen Paradiesen so wenig Beachtung geschenkt zu haben. Statt internationalem Flair pfeift nun ein harscher Befehlston durch die Gassen: „Auf heimischer Scholle sollst Du mit bloßen Händen nach Erdäpfeln scharren! Danach Hände waschen, ab ins Bett!“

Schlagartig wird mir auch klar, warum unsere Bundeskanzlerin „Multikulti“ für gescheitert hält, wenn sich jetzt sogar schon die Italiener weigern, unsere Innenstädte mit rot-weißen Tischdecken und korbumflochtenen, bauchigen Rotweinflaschen zu schmücken. Wo soll das bloß hinführen, wenn der Trend dahin geht, dass es bald nur noch Produkte aus Fröschen zu kaufen gibt? Ein eintönig-autarkes Angebot aus Sauerkraut, Schrott, Zeitgeist, Weltschmerz und Blitzkrieg?

Dass es so weit nicht kommen darf, wird selbst der nudelverachtendste Leser leicht einsehen. Also, liebe Kakaoschlürfer und Zuckerrohrschmatzer, lasst Euch Eure Kolonialwaren und Südfrüchte nicht nehmen!

geläutert und einsichtig: Die Lokalredaktion (also ich)

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