Wir zweifeln …

… und das nicht erst seit gestern.

  • Dr. Karl-Theodor zu Guttenberg
  • Dr. Silvana Koch-Mehrin
  • Dr. Best
  • Dr. Sommer
  • Der Scheiben-Doktor
  • Der Doktor und das liebe Vieh
  • Dr. Jorgo Chatzimarkakis
  • Dr. Titel
  • Dr. Spiele
  • Dr. Vater
  • Dr. Mabuse
  • Dr. Octopus
  • Dr. Schlager und die Kuschelbären

Aber wer wären wir zu zweifeln?

  • Dr. Snuggles
  • Dr. Who
  • Dr. Alban

Zehn Antworten, die man sich auf ein „Ich liebe Dich“ besser verkneifen sollte

  1. was, echt?
  2. is‘ scho‘ recht
  3. ich weiss
  4. ok, dann hol mir noch ein Bier
  5. ich mich auch
  6. sprich zu meiner Hand
  7. wissen deine Eltern davon?
  8. sprich nicht von Dingen, von denen du nichts verstehst
  9. stfu, n00b
  10. kann ich das schriftlich haben?

Bonusantworten für Premiumabonnenten:

  • gib dir keine Mühe, ich hab kein Geld
  • ich sags nicht noch einmal: geheiratet wird nicht
  • nein, wie gewöhnlich!
  • als ob du zu so etwas fähig wärst
  • fängst du wieder an zu streiten?
  • laß uns nicht von Sex reden
  • jetzt fängst du auch damit an
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Es wuchs uns über den Kopf

Ja, ich gebe es zu. Jetzt, wo es eh jeder weiß, können wir ja ein wenig aus dem Nähkästchen plaudern: Uns wuchs die ganze Sache mit Lonelygirl15
sowieso langsam über den Kopf. Ist einfach zu viel Arbeit geworden…

Aber wie es aussieht brauchen wir uns den ganzen Plot jetzt nicht mehr selbst ausdenken: Vorgestern kam die Bestätigung, daß es zusätzlich zu den Autoren für die Dialoge bald auch Leute geben wird, die für uns den Plot noch zuende weiterentwickeln. Wir hätten an dem Format so auch garnicht weiterarbeiten wollen.
Ach so, wer es noch nicht mitbekommen hat: der Kinderfresser ist 2004 hauptsächlich deshalb in die lange Pause gegangen, weil die organisatorischen Vorbereitungen für dieses YouTube-Format so aufwendig waren. War traurig, hat aber auch einen riesen Spaß gemacht. Seit April hing ja auch YouTube selbst in der Story drin und hat uns etwas unterstützt.

Rückblickend fand ich aber unsere Idee mit dem Alister-Crowley-Altar und dem ganzen Satanisten-Quark lustig. Schade, war nicht meine Idee, hätte ich aber gerne noch weitergestrickt.

Die Studienkollegen aus den Staaten haben es aber von Anfang an leider ein wenig übertrieben: die Ausleuchtung, die übertriebene Gestik der Protagonisten usw… Die Sache mit der Fansite, die wir schon vor dem ersten Video registriert hatten, war schlicht und einfach Dummheit, OK.
Naja, viele Zuschauer haben die Story trotzdem gefressen.

Das Problem ist nur, daß wir unsere Kräfte überschätzt haben: Der Nerd, der keine Frau abbekommt, der LG15-Kritiker mit dem Cowboyhut und der arbeitslosen YouTube-Süchtige (dessen Story wir aber wohl noch weiterführen
werden) – stängig musste irgendeins der Formate mit neuem Inhalt gefüttert werden. Ich will nicht sagen, daß uns langsam die Ideen ausgingen, aber es gipfelte darin, daß einer unserer gohepcat-plots einfach aus dem Satz ‚just let him play videogames for a few minutes, add some music‚ bestand…

Die letzte LG15-Idee aus unserem Hause war übrigens die mit den gefakten Produzenten (deren Namen wir uns notdürftig aus ‚Samuel Beckett‘ und ‚Ned Flanders‘ zusammengebaut haben) – als Notanker, um uns die Pressemeute
ein wenig vom Hals zu halten. Wir dachten auch daran, diese ‚Produzenten‘ selbst noch Filmchen bei YouTube reinstellen zu lassen, mit Erläuterungen, wie sie auf die Idee gekommen sind und dann evtl.
noch, daß sie mit ‚the real lonelygirl15‘ die ‚wahre Geschichte‘
vorstellen, auf der die LG15-Story basiert.

Ich bin der Meinung, man hätte uns auch das abgekauft – aber dieser Plot liegt ja jetzt nicht mehr in unseren Händen…

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Was uns die Zukunft bringt…

22.3.2003
Aufgrund der Kritik von Bundeskanzler Schröder und Außenminister Fischer am Krieg der USA gegen den Irak, stellt George W. Bush um 2 Uhr MEZ in einer Rede an das Volk dem deutschen Präsidenten ein Ultimatum von 48 Stunden, das Land zu verlassen. Johannes Rau ist auf seine alten Tage nicht mehr so flink – es fallen Bomben auf Berlin.

23.3.2003
Aufgrund des bitteren Kaffees, den George W. Bush zum Frühstück serviert bekam, stellt dieser um 2 Uhr MEZ in einer Rede an das Volk den Präsidenten der Kaffee exportierenden Staaten ein Ultimatum von 48 Stunden, das Land zu verlassen. Keiner fühlt sich persönlich angesprochen – es fallen Bomben auf Kuba.

24.3.2003
Aufgrund der Tatsache, daß Nordkorea über Atomwaffen verfügt, stellt George W. Bush um 2 Uhr MEZ in einer Rede an das Volk niemandem mehr ein Ultimatum von 48 Stunden, das Land zu verlassen. Stattdessen bombardiert er ein paar Kleinstaaten, die er auf der Achse des Bösen vermutet (mit dem Maßband auf dem Leuchtglobus zwischen Deutschland und Libyen). Es fallen Bomben auf Liechtenstein.

25.3.2003
Aufgrund der Kritik der UN an den Polizeiaktionen der USA stellt George W. Bush um 2 Uhr MEZ in einer Rede an das Volk dem Präsidenten von UN-Land ein Ultimatum von 48 Stunden, das Land zu verlassen. Noch zur gleichen Stunde fallen Bomben auf alle UN-Mitgliedsstaaten mit M: Madagascar, Malawi, Malaysia, Maldives, Mali, Malta, Marshall Islands, Mauritania, Mauritius, Mexico, Micronesia, Monaco, Mongolia, Morocco, Mozambique, Myanmar.

24.3.2003
Aufgrund der Tatsache, daß es offenbar Spaß macht, Bomben zu werfen, stellt George W. Bush um 2 Uhr MEZ in einer Rede an das Volk fest, daß es wirklich sehr viel Spaß macht, Bomben zu werfen. Es fallen Bomben auf Paris, um die Franzosen von der Schreckensherrschaft ihres Diktators zu befreien.

25.3.2003
Aufgrund der Tatsache, daß Kuwait über Öl verfügt und „weil wir grad da sind“, stellt George W. Bush um 2 Uhr MEZ in einer Rede an das Volk den Kuwaitis ein Ultimatum von 48 Stunden, das Land zu verlassen. Dann folgt das Übliche.

26.3.2003
Die CNN-Einschaltquoten stagnieren. Es muß schnell gehandelt werden (time is running out). George W. Bush beschließt um 2 Uhr MEZ in einer Rede an das Volk, die Kriegshandlungen zukünftig in die Spielshow „Nur noch 48 Stunden“ einzubetten.

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Kleines Lexikon

  • sitzen lassen, jemanden: Im Bus oder in der Bahn. Alte Omas oder Opis laß ich gerne sitzen. Froh darf man ausrufen „Juhu, jetzt hab ich einen sitzen!“ (=>sitzen haben, einen)
  • sitzen haben, einen: Tunichtgute Menschen, die stundenlang irgendwo ausharren,
    wo man diese keinesfalls länger erdulden kann. In der Küche z.B., während (nach) einer Party, so gegen fünf.
  • widersetzen, sich: Wer schon viel zu lange irgendwo rumsteht, der sollte sich wieder setzen.
  • besitzen, etwas: Irgendwo draufsitzen. „Ist das ihr Schrank?“ – „Nein, ich besitze ihn nur.“
  • geradesitzen: (Gegenteil:schiefliegen); „He, das ist mein Kaktus, den können sie nicht haben (vgl. => besitzen).“ – „Schon gut, ich wollte ja nur mal gerade sitzen.“
  • besetzen: (= konnotieren = dabeischreiben); „Du solltest in deinem Referat schon erwähnen, daß es um Polen geht.“ – „Das wollte ich soeben besetzen.“
  • sitzen, auf den Ohren: „Die neue Mütze sitzt ganz fantastisch auf den Ohren.“
  • stillsitzen: „Können sie nicht stillsitzen?“ – „Auf sieben schreienden Schimpansen kann man leider nur lautsitzen.“
  • aufsetzen: „Frau Müller-Wurstrahm, würden sie dem Herrn Generaldirektor und mir bitte Tee aufsetzen.“ – „Danke, mir nicht, ich trage einen Hut.“
  • sitzen, in der Tinte: „Möchten sie lieber in der Tinte, oder dort drüben auf dem Trockenen sitzen?“ – „Kann ich nicht hier hinten sitzen bleiben oder einfach widerstehen?“
  • sitzen bleiben, auf etwas: Den Sitzplatz beibehalten. „Wenn nicht noch ein paar albanische Austernfischer zum Essen vorbeikommen, bleibt der Koch auf seinen Albatrossen in Aspik sitzen.“ – „Dabei ist das so ungesund für die Bandscheibe!“
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Unser Advent 15

Heute versucht keines der mit bunten Wollschals behängten Kinder, die Teiche im Park der Universität zu Fuß zu überschreiten. Kein Wunder: sie sind nicht mehr zugefroren. Wenn man mich fragt, wäre zwar jetzt ein besserer Zeitpunkt, um auf den Teichen Schlittschuh zu fahren, weil weniger gefährlich, aber mich fragt ja keiner.

Ein laues Lüftchen weht die Weihnachtsvorfreude hinweg wie ein achtlos dahingeworfenes Zelophantütchen. Ich folge inzwischen auch der Anweisung meines Linguistik-Professors, der nebenbei bemerkte, man könne sich das ganze Fest einfach dadurch versauen, indem man sich für „die Tage zwischen den Tagen“ zu erledigen vornimmt, wozu man im vergangenen Jahr nicht gekommen ist. Neulich bin ich nachts um zwei aufgewacht, quer durchs Zimmer zu meinem Taschenkalender gekrochen, habe mit dem beiliegenden Kuli „Finanzamt!“ eingetragen, bin wieder zurückgekrochen und habe dann stundenlang wachgelegen.

Ob die Teiche in der Schweiz jetzt dick zugefroren und mit weihnachtsvorfreudigen Kindern bestückt sind? Jaja, Herr von Stuckrad-Barre, Sie haben es leicht. Einfach in die Schweiz zu ziehen, tricky! Da erspart man sich das lästige Nummernkontoauflösen. Ich hingegen muß zum Finanzamt, welches vierundzwanzig Stunden am Tag geschlossen ist.

Auf den Internetseiten der Stadt Trier suchte ich die Ämter ab, das Finanzamt war nicht dabei. Als ich in der A-Z-Liste nachschauen wollte, zeigte mir der Rechner sein Unbehagen, indem er seinen Dienst komplett einstellte. Aha, dachte ich, der will also genausowenig zum Finanzamt wie ich. Beim zweiten Anlauf fand ich dann den Vordruck „Antrag auf Erteilung einer Bescheinigung zur Steuerfreistellung des Arbeitslohnes für ein geringfügiges Beschäftigungsverhältnis“. Ärgerlich nur, daß ich mich jetzt doch noch zum Finanzamt
quälen muß, um den ausgefüllten Wisch abzugeben. Der große Vorteil ist, daß ich den Zettel jetzt nicht mehr im Finanzamt im Flur auf dem Boden knieend ausfüllen muß, wie sonst. Dabei werde ich nämlich immer in Versuchung geführt, den Vordruck gar zu patzig auszufüllen:

„Ich habe im Kalenderjahr 2003 voraussichtlich folgende andere Einkünfte“ – „Das weiß
ich jetzt doch noch nicht, ihr Deppen“. Auf so etwas sollte man vielleicht wirklich verzichten, oder gleich in die Schweiz ziehen, um sich das Steißbein beim Überschreiten eines zugefrorenen Sees zu brechen.

Veröffentlicht unter 2002

Unser Advent 11

Oh je, jetzt steht doch mein Name da oben. Dabei wollte ich anonym bleiben. Man weiß ja nie. Insbesondere zu Weihnachten darf man sich verfolgt fühlen: Wie wir alle wissen, ist „Kinderfresser“ nur der Deckname von Knecht Ruprecht, der alle bösen Kinder in den Sack steckt.

Infos hier…

Zwar hab ich den St. Nikolaustag einigermaßen gut überlebt, zumindest ohne in einen Sack gesteckt zu werden, da aber der Weihnachtsmann auch nur ein profanisierter Nikolaus ist, kommt dieser also an Heiligabend nochmal zurück. Danke, liebe Hersteller der koffeinierten Brause. Früher brauchte man sich nur einmal fürchten, heute darf man sich berechtigte Sorgen machen, am 6.12. nur vergessen worden zu sein.

Um nicht weiter negativ aufzufallen, geh ich nun besser in den Untergrund. Denn was liegt näher, als daß der gute alte Knecht Ruprecht mal auf seiner eigenen Homepage nachschaut, wer sich da so unberechtigt tummelt und diese bösen Kinder dann in den Sack steckt?

Oh je, das wird eine lange Zeit bis Weihnachten, tief unten im See, durch einen Schilfhalm atmend… Dann tauch ich mal ab.

Veröffentlicht unter 2002

Unser Advent 10

Neulich hab ich mich dabei ertappt, wie ich Sonntag abends während Sabine Christiansen ein Buch gelesen hab und nur ab und an die Zeilen Zeilen sein ließ, um auf den Fernseher zu schauen. Und zwar immer nur dann, wenn Frau Christiansen ihren Gästen unbequeme Zwischenfragen stellte:“Aber ist es nicht so…“, „Vor nicht mal einem Jahr sagten Sie doch…“, „Hat ihre Partei nicht aber…“ – so in dem Stil, man kennt das.

Die Hahnenkämpfe der Politiker zwischendurch veranlassten mich dazu, mich immer wieder meiner Lektüre zu widmen. Warum schau ich mir diese Sendung überhaupt noch an? Vielleicht warte ich darauf, daß irgendwer in der Runde einmal klipp und klar sagt: „Da kann die Politik doch eh nichts machen und wir Politiker müssen schließlich trotzdem unsere Machtpositionen sichern – irgendwie muß man ja sein Geld verdienen.“

Viel interessanter als Sabine Christiansen war dagegen das Gespräch, welches ich neulich in einem Cafe belauschte. Offensichtlich hatten einige ausländische Studierende, eigentlich, um Deutsch zu lernen, aber aus pädagogischen Gründen der Aktualität des Tagesgeschehens verbunden, die Aufgabe bekommen, über die Geschehnisse in der Politik referieren zu können. Ein deutschsprachiger Tutor fragte gerade eine italienische Studentin nach dem Finanzminister: „Eichert? Ebert?“ – „Eichel“ – „ach so, O.K.“ In der Gruppe entfachten kleine Gespräche. Es ist erstaunlich, wie sehr Tacheles geredet wird, wenn sich Leute über die deutsche Politik unterhalten, deren Muttersprache nicht Deutsch ist und die sich, auch gerade deswegen, möglichst kurz fassen wollen: „Der Finanzminister ist Eichel, Deutschland hat Schulden, kein Geld, weil es gibt mehr aus, als hereinkommt, Schröder hat gelogen, weil er sagt, Deutschland hat wenige Schulden, vor der Wahl.“

Veröffentlicht unter 2002

Unser Advent 9

Britzel bratzel blitzer blink – so sieht eine ordentliche Innenstadt zur Adventszeit aus. Alle Straßenzüge gehören mit Lichterketten behängt, damit die in ihnen herumirrenden Passanten nicht zwischen Oberhemdenkaufen und Bratwurstessen depressiv werden, nur deshalb, weil sich schon so unverschämt früh die Dunkelheit ihren Weg durch die kopfsteinbepflasterten Gassen bahnt. Der Spaßverderber in mir schreit noch abgehackte Sätze ins Nichts, die irgendetwas mit Stromverschwendung zu tun haben, während ich das Lichtermeer generell begrüße.

In der Glühbirnenflut gehen nur leider gelegentlich wichtige Informationen verloren: Das Parkleitsystem, welches nicht nur im Advent vor sich hin leuchtet, sondern seinen Dienst geflissentlich das ganze Jahr hindurch verrichtet, droht im allgemeinen Gefunkel schier unterzugehen. Neulich zeigte eine dieser hilfreichen Instrumente für das nächstgelegene Parkhaus eine „Eins“. Ich stutzte, während ein von mir imaginierter Optimist freudig in seinem Auto das Gaspedal trat, um diesen einen, letzten Parkplatz zu erheischen.

Realitätsnäher wäre es, anzunehmen, daß bei Ankunft an jenem Parkhaus sich davor schon eine beträchtliche Autoschlange angesammelt hat, die Fahrer alle auf den einen Parkplatz erpicht.

Mir konnte es „wurst“ sein, da gerade dem ÖPNV entstiegen und nun auf Schusters Rappen unterwegs (versehentlich tippte ich hier zunächst „Pappen“ statt „Rappen“, was bei genauerer Betrachtung der Qualität meiner Schuhe diesen eher gerecht worden wäre – das nur nebenbei).

War dies der Unterschied zwischen einer positiven und einer negativen Lebenseinstellung? Ärgern sich negativ eingestellte Menschen über einstellige Zahlen auf den Anzeigen des Parkleitsystems? Oder treffen sich diese Leute an einem Samstag Nachmittag auf dem Weihnachtsmarkt, um mit grantigen Gesichtern und einem Glühwein in der Gegend herumzustehen und mir den Weg zu versperren?

Die Schlechtgelaunten stehen einfach nur da, die Fröhlichen schlendern um diese herum, alle zusammen bilden einen Menschenpfropf, der die Innenstadt verstopft und mich daran hindert, möglichst schnell von Punkt A zu Punkt B zu gelangen. Punkt A ist naß, eiskalt und draußen, Punkt B ist trocken, geheizt und meine Wohnung.

Man trinkt besser zuhause eine Tasse Kaffee, als draußen naßkalt und grantig einen Glühwein. Vielleicht sollte ich mir eine Lichterkette kaufen und mir meine eigene Innenstadt-Festbeleuchtung zaubern – es fehlt lediglich in meiner Küche das passende Parkleitsystem.

Schade.

Veröffentlicht unter 2002

Unser Advent 7

Ab und an soll es vorkommen, daß man mit Leuten redet, denen man eigentlich gar nichts wichtiges
mitzuteilen hat – auf Parties zum Beispiel. Oft wird dann über „Fernsehn“ oder „Musik“ geplaudert, weil einem halt sonst nichts einfällt und man dann wenigstens ein Thema hat, zu dem allen oder wenigstens vielen etwas einfällt. Blödsinnige Gespräche eigentlich.

Die „Diskussionen“ über Fernsehsendungen – sagen wir mal über Sabine Christiansen – sind da meistens noch einfach. Der eine bevorzugt dies, der andere das, Gründe weshalb nennt man kaum, braucht man auch nicht, insgeheim einigt man sich meist darauf, es sei ja schließlich irgendwie Geschmackssache, deshalb der Diskussion nicht wert. Punkt.

Ganz anders sieht es da leider oft bei der gefürchteten Musikdiskussion aus, die man eigentlich immer vermeiden sollte. Ich lebe z.B. in ständiger Angst, in ein Gespräch (verbales Handgemenge) mit einem Musikfaschisten zu geraten.

Einschub! Dringend erforderlich! Mir steht es nicht zu, an dieser Stelle einen Terminus „Musikfaschist“ zu besetzen. Dieser ist irreführend, wenn nicht schlicht falsch. Mit „Musikfaschist“ meine ich jene Menschen, mit denen man sich über Musik streiten muß, weil sie alles besser wissen und alles, was mit Musik zu tun hat, furchtbar ernst nehmen. Das Wort „Faschist“ sollte außerdem auch nicht, wenn nicht dringend erforderlich, gebraucht werden. Ich gelobe Besserung und nenne einen imaginären Prototypen meiner „Musikfaschisten“ ab sofort „Bob“.

Mit Bob streitet man sich über Musikrichtungen, Stile, Epochen – über alles. Ist das noch Jazz Was ist Popmusik? Warum ist derundder viel besser/genialer als derundder… Bob weiß alles. Seine Aussagen sind objektiv, selbstredend richtig, allgemeingültig und unanfechtbar. Ich habe die ganz ganz ganz furchtbare Angewohnheit, Bob nicht ignorieren zu können und ES zwingt mich, ganz blöde Allgemeinplätze rauszuhauen wie: „Acid Jazz ist nicht gleich Acid Jazz, weil sich der ‚frühe‘ von dem ‚heutigen‘ unterscheidet“ (dabei weiß ich nichts von früher und auch nichts von heute) und „…das ist ja so, als ob man Dave Weckl mit Gene Krupa vergleicht“ (von den beiden Herrschaften weiß ich aber auch gar nichts und will es auch nicht).

Ich habe seltsamerweise noch nie mit jemandem auf einer Party darüber gestritten, wodurch sich eine Sitcom definiert. Bei Musik möchte ich bitte auch haben, daß sich Gespräche darüber in einem „Geschmacksache-punktum“-Wölkchen auflösen. Wird das ein Punkt auf meinem Wunschzettel? Mal sehen.

P.S.: Dies ist kein Artikel über Sabine Christiansen, obwohl ich sie natürlich geschickt versteckt
eingebaut habe (wer hat’s gemerkt?). Nur Geduld, liebe Sabine…

Veröffentlicht unter 2002