Strafbrillen bitten um Verzeihung für die gelieferten Unbequemlichkeiten

Zum gegenwartigen Tag ist viel es Falle das Internet der Gaunerei in Bezug auf die Kunden unserer Bank. Ist dringend wir empfehlen Ihnen, alle Sicherheitsmasnahmen nach dem Schutz der konfidentiellen Information zu ubernehmen.

Seinerseits war unter diesen Umstanden von unseren Spezialisten das einzigartige System des Monitorings und der Verfolgung (SMV), fahig entwickelt, bis zu 90 % der Verbrechen zu verhindern. Aufgrund der Neuerung liegt das System der Strafbrillen und der grade, nach deren Gesamtheit wir Ihnen dem Zugriff absagen kann oder die zusatzliche Information anfordern.

Die summarische Menge der Strafbrillen auf Ihrer personlichen Rechnung hat die Norm nach dem Zustand auf 6. November 2006 ubertroffen.

Fur die Autorisation (die Aktivierung) Ihrer Rechnung in das System Deutsche Postbank AG nach der Verbannung untenangefuhrt vorbeikommen und den Kode der Aktivierung im entsprechenden Dialog einzusetzen.

Den Kode der Aktivierung: XXXXXXXX

[Link auf Postbank Register page]

Ist dringend ist empfohlen, den Kode einzusetzen, die Autorisation in der Stromung zwei Tage zu gehen, andernfalls wird Ihr Zugriff in das System Deutsche Postbank AG bis zu der Klarung der Umstande geschlossen sein.

Wir werden bemerken, dass es keine Grunde fur die Unruhe, es nur die prophylaktische Sicherheitsmasnahme gerichtet auf die Versorgung Ihrer Sicherheit gibt.
Wir bitten die Verzeihung fur die gelieferten Unbequemlichkeiten.
Hochachtungsvoll.

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Die Lange Nacht der Museen oder wie mir Arte ein wenig zu nahe kam

Die Museumsinsel sieht aus wie eine Goebbels-Inszenierung. Riesige Lichtsäulen schiessen in den Himmel und scheinen den Rest der Welt zu bedeuten, Berlin: Hurra, wir leben noch! Von irgendwoher hört man digital erzeugtes Vogelgezwitscher. Bildende Kunst. Es ist die Lange Nacht der Museen. So geschehen gestern Abend und meine Freundin an meiner Seite, wir beide mittendrin. Zu allererst mal zum Checkpoint Charlie. Touristen gucken. Hier sieht man sie alle: Schulklassen, Zonen-Gabis, Besser-Wessis, IM Christians, James Bonds und natürlich die vier Alliierten in Form von meist gutbeleibten Erlebnisspannern und anstatt mit AK-47 oder M-16, bewaffnet mit Nikon, Sony oder Fuji. Schließlich möchte man wissen, wohin Papa immer gefahren ist, in seiner Uniform oder selbst überprüfen ob man sich, hoffentlich nicht, auf irgendein Foto wieder erkennt.

Als Ex-DDR-Kindergarteninsasse sehe ich mir die Bilder mit einem Gefühl von Betroffenheit und seltsamer Zurückhaltung an. Irgendwie fühle ich mich, als schaue ich im Naturkundemuseum auf einen ausgestorbenen Dinosaurier, bloß unbedeutend klein und fürs Gesamtkonzept unwichtig, ich mittendrin als Knorpelstückchen. Nach einem Rundgang, vorbei an Videoinstallationen, Einzelgeschichten und drapierten Fluchtwerkzeugen, landet der Ausstellungsbesucher automatisch im angeschlossenen Devotionalieneinzelhandel, um dort geschichtsträchtig Mauerstückchen in der Größe einer Wallnuss oder T-Shirts zu erstehen. Von irgendetwas muss der Abriss ja rückfinanziert werden.
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Sehr schön ist der von der BVG eingerichtete Shuttleservice. Ziemlich schnell wird uns klar, warum der Fahrpreis schon mit dem Eintritt verrichtet wurde. Einzelabrechnungen der Fahrten würden mit Faustschlägen enden. Der Bus stinkt nach menschlichen Ausdünstungen, es ist zum bersten voll, wie auch zwei Drittel der Mitfahrer. Wir wollen zum Palast der Republik. Dem vom Abriss bedrohten Asbest-Referenzmodel an der Spree.

Findige Marketingstrategen und hippe Leute aus Berlin-Mitte, die in den letzten Jahren schon allen Scheiss gemacht haben, um Papas Geld, welcher dieses hart in München mit einer Schönheitsfarm erarbeitet, durch irgendwelche Projekte, möglichst mit viel Krabumm aus dem Fenster zu schmeissen, haben sich gedacht: Mensch, nennen wir das Ding doch mal für ein paar Wochen „Volkspalast“, holen damit das besagt Volk weg von der Straße, raus aus den Demos, rein in das Stahlgerippe im Betonmantel. Es riecht hier nach Gucci-Rush und man sieht sehr viele Boss-Outletstore Anzüge, darüber nichts sagende GQ-Gesichter deren einzige literarische Bildung jeden Monat die schon benannte „GQ“ und die „Fit for Fun“ sind.
An der Wand hängen Lichtspiele, die mich an „Eins, Zwei oder Drei“ erinnern, denn zum Bass eines „Kraftwerk“-Cover-DJ´s flackern die immer so schön grün auf. Das Palastinnere ist heute Nacht zum feiern da. Yes, hier wird gesteppt. In welchen Club in Mitte kann man wohl auch zurzeit so hipp posieren? Und wenn dann die Verkäuferkolleginnen im Schuhladen auf der Kastanienallee fragen, kann frau und mann dann bedeutungsschwanger und geschwelten Brust sagen: „Oh, ich war bei der Langen Nacht der Museen“ Bloß raus hier. Ich möchte auch dass er nicht abgerissen wird, aber unter den 12cm-Stöckeln, wird jede Illusion nach einer sinnvollen Nutzung totgetanzt. Das nennt man wohl Kulturschock.

Quer über die Straße, rein ins „Alte Museum/Antikensammlung“. Das von Rommel liebevoll zusammen geraubte und erbeutete Kunstgut der Antike bewundern. Mich interessiert das nicht. Alles sieht aus wie nach einem Polterabend, nur das die Scherben hier in Vitrinen liegen und die aufgestellten Figuren, Marke „David“ werden heute, besser und vor allem mit allen Extremitäten und Nasen auf Osteuropäischen Wochenmärkten zum Kauf für den Kunstorientierten Kleingartenbesitzer angeboten, der diesen dann im Handumdrehen an den Gartenschlauch anschließt, woraufhin ein nicht zu verachtender Strahl aus seinem Gasbeton-Genital plätschert.

Wir setzen uns hin. Die Füsse schmerzen, die Augen drücken. Es ist kurz vor zwei Uhr nachts. Mit einem Mal postiert sich ein junger Mann mit einer Breitbildkamera vor uns und bittet uns in die Linse zu schauen, als würden wir Kunst bewerten. Er will nur unsere Augen. Er ist von Arte. Er blickt mir mit seinem Objektiv tief in meine Seele, sieht sich in meiner Pupille. Ich bekomme eine Gänsehaut. Ich fühle mich wie die offenen „Weihenstephan“-Buttermilchbecher, die draußen kostenlos verteilt wurden: leer und benutzt.

Mexiko weist Pornodarsteller aus

Bei uns in der Agenturkantine liegt die Süddeutsche Zeitung aus. Morgendlich angenehme Lektüre der Nachrichten des vergangenen Tages. Jeden Tag nehme ich mir diesen Wälzer vor, der, manchmal so scheint es, sozialdemokratischen Bastion in Bayern. Nachdem ich den mittwochschen Immobilienteil mit einem müden Lächeln überblättert hatte, früher habe ich das nicht getan, sondern auch mal interessiert reingeschaut, aber als Berliner schüttelt man doch nur fassungslos den Kopf angesichts von Miet- und Kaufpreisen annähernd in der Höhe der Altschuldenlast der Bundeshauptstadt an der Spree, lande ich auf der Panoramateil, den Blick über die Wies´n hinaus, das Fenster in die Welt. Und dort lese ich, als kleine Randnotiz, kaum sichtbar durch einem regelmäßigen Lesefluss, abfällig hingeklatscht: „Mexiko weist Pornodarsteller aus“. Der Junge Mann hatte es wohl auf einer Sexmesse sich wund gerieben, darf´s deshalb jetzt gar nicht mehr treiben und wurde deshalb vertrieben.

Ich habe mich auch einmal als Erotikdarsteller probiert. Ein unbezahltes Schülerpraktikum in der neunten Klasse. Vorausschauender als jedes gängige Praktikummodell und für einen Jungen im Alter von knapp 15 Jahren 14 Tage das Paradies auf Erden. Ich bin also persönlich betroffen. Ich lernte wie man Spermaersatz anrührt, der immer dann zum Einsatz kommt, wenn besonders kunstvoll männliches Ejakulat über den penetrierten weiblichen Körper laufen sollte und ich sollte feststellen das Länge doch eine Rolle spielt. Was ist eine Double-Penetration, ein Fistfuck, Cum-Shot, GirlGirl, BoyGirl, BoyBoy, BoyGirlGirl, GirlBoyBoy, Bondage, GangBang, Interracial? Das konnte mir bisher keine „Bravo“ bieten und selbst der Goldstaub von „Coupé“ und „Playboy“ lagen ab jetzt wie Flusen in meiner Vergangenheit. Hier stimmte die Bezahlung, die kommunikative Ebene, der Teamgeist und man befruchtete sich gegenseitig um zum Optimum zu kommen. Manche Marketingratgeber bedienen sich deshalb auch sehr gern am Erotik-Cineastischen-Vokabular.

Zurück zum Mexikanischen Bett-Rodeo, was sicherlich an diversen Stellen an Tarantino´s Klassiker „From Dusk till Dawn“ erinnert haben muss. Was erwartet der gemeine Sexmessen Besucher? Man trifft viele Franks und Gabis, die mit Federn beschmückte Katzenmasken aufsetzen, im Orion Verwöhnset, bestehend aus einem Schdring-Tanga, einem Büschtey und dem Strätsch-Body für Ihn. Die erotische Erfahrungswelt solcher Pärchen, spielt sich vor allem in schmuddeligen, holzgetäfelten Hobbykellern ab, wo in der Mitte des Raums eine kaltnasse Gummimatratze liegt, auf der sich dann die Barmer-Versicherungsangestellte und der Einzelhandelskaufmann treffen um ihren Gewohnheiten zu frönen. Ein Papierhandtuchspender hängt an der Wand und das latent orgiastische Stöhnen wird nur durch das quietschen einer ehemaligen Fiss-Fensterputz-Pumpflasche gestört, in der jetzt grünlich schimmernd Desinfektionsflüssigkeit auf ihren Einsatz wartet.

Hier werden noch Phantasien war, und wenn mann oder frau Glück hat, wird mann oder frau auch noch Protagonist einer Pseudoreportage von RTL2 oder Wa(h)re Liebe, in denen dann ausführlich über Fick- oder Blasgewohnheiten der Clubbesitzer referiert wird und in Großaufnahme braune, randharte Bierwurst auf Eisbergsalat zu sehen ist. Das ist so in Chemnitz und auch in Mexiko.

Da lieb ich mir doch die Wäscheseiten aus dem Quellekatalog, die ich als Frühpubertierender mit meinen wildesten Phantasien überzog.

Immanuel Kant: Zum ewigen Frieden

Völker als Staaten können wie einzelne Menschen beurteilt werden, die sich in ihrem Naturzustande (d. i. in der Unabhängigkeit von äußeren Gesetzen) schon durch ihr Nebeneinandersein lädieren, und den jeder um seiner Sicherheit willen von dem anderen fordern kann und soll, mit ihm in eine der bürgerlichen ähnliche Verfassung zu treten, wo jedem sein Recht gesichert werden kann. Dies wäre ein Völkerbund, der aber gleichwohl kein Völkerstaat sein müßte. Darin aber wäre ein Widerspruch: weil ein jeder Staat das Verhältnis eines Oberen (Gesetzgebenden) zu einem Unteren (Gehorchendem, nämlich dem Volk) enthält, viele Völker aber in einem Staate nur ein Volk ausmachen würden, welches (da wir hier das Recht der Völker gegeneinander zu erwägen haben, sofern die so viel verschiedene Staaten ausmachen und nicht in einem Staat zusammenschmelzen sollen) der Voraussetzung widerspricht.

Gleichwie wir nun die Anhänglichkeit der Wilden an ihre gesetzlose Freiheit, sich lieber unaufhörlich zu balgen, als sich einem gesetzlichem, von ihnen selbst zu konstituierenden Zwange zu unterwerfen, mithin die tolle Freiheit der vernünftigen vorzuziehen, mit tiefer Verachtung ansehen und als Rohigkeit, Ungeschliffenheit und viehische Abwürdigung der Menschheit betrachten, so, sollte man denken, müßten gesittete Völker (jedes für sich zu einem Staat vereinigt) eilen, aus einem so verworfenen Zustande je eher desto lieber herauszukommen: statt dessen aber setzt vielmehr jeder Staat seine Majestät (denn Volksmajestät ist ein ungereimter Ausdruck) gerade darin, gar keinem äußeren gesetzlichen Zwange unterworfen zu sein, und der Glanz seiner Oberhauptes besteht darin, daß ihm, ohne daß er sich eben selbst in Gefahr setzen darf, viele Tausende zu Gebot stehen, sich für eine Sache, die sie nichts angeht, aufopfern zu lassen , und er Unterschied der europäischen Wilden von den amerikanischen besteht hauptsächlich darin, daß, da manche Stämme der letzteren von ihren Feinden gänzlich gegessen worden, die ersteren ihre Überwundenen besser zu benutzen wissen, als sie zu verspeisen, und lieber die Zahl ihrer Untertanen, mithin auch die Menge der Werkzeuge zu noch ausgebreitetern Kriegen durch sie zu vermehren wissen.

Bei der Bösartigkeit der menschlichen Natur, die sich im freien Verhältnis der Völker unverhohlen blicken läßt (indessen daß sie im bürgerlich-gesetzlichen Zustande durch den Zwang der Regierung sich sehr verschleiert), ist es doch zu verwundern, daß das Wort Recht aus der Kriegspolitik noch nicht als pedantisch ganz hat verwiesen werden können, und sich noch kein Staat erkühnt hat, sich für die letztere Meinung öffentlich zu erklären; denn noch werden Hugo Grotius, Pufendorf, Vattel u. a. m. (lauter leidige Tröster), obgleich ihr Kodex, philosophisch oder diplomatisch abgefaßt, nicht die mindeste gesetzliche Kraft hat, oder auch nur haben kann (weil Staaten als solche nicht unter einem gemeinschaftlichen äußeren Zwange stehen), immer treuherzig zur Rechtfertigung eines Kriegsangriffes angeführt, ohne daß es eine Beispiel gibt, daß jemals ein Staat durch mit Zeugnissen so wichtiger Männer bewaffnete Argumente wäre bewogen worden, von seinem Vorhaben abzustehen. – Diese Huldigung, die jeder Staat dem Rechtsbegriffe (wenigsten den Worten nach) leistet, beweist doch, daß eine noch größere, obzwar zur Zeit schlummernde, moralische Anlage im Menschen anzutreffen sei, über das böse Prinzip in ihm (was er nicht ableugnen kann) doch einmal Meister zu werden und dies auch von andern zu hoffen; denn sonst würde das Wort Recht den Staaten, die sich einander befehden wollen, nie in den Mund kommen, es sei denn, bloß um seinen Spott damit zu treiben, wie jener gallische Fürst es erklärte: »Es ist der Vorzug, den die Natur dem Stärkeren über den Schwächeren gegeben hat, daß dieser ihm gehorchen soll.«

Da die Art, wie Staaten ihr Recht verfolgen, nie wie bei einem äußern Gerichtshofe der Prozeß, sondern nur der Krieg sein kann, durch diesen aber und seinen günstigen Ausschlag, den Sieg, das Recht nicht entschieden wird, und durch den Friedensvertrag zwar wohl dem diesmaligen Kriege, aber nicht dem Kriegszustande (immer zu einem neuen Vorwand zu finden) ein Ende gemacht wird (den man auch nicht geradezu für ungerecht erklären kann, weil in diesem Zustande jeder in seiner eigenen Sache Richter ist), gleichwohl aber von Staaten nach dem Völkerrecht nicht eben das gelten kann, was von den Menschen im gesetzlosen Zustande nach dem Naturrecht gilt, »aus diesem Zustande herausgehen sollen« (weil sie als Staaten innerlich schon eine rechtliche Verfassung haben und also dem Zwange anderer, sie nach ihren Rechtsbegriffen unter eine erweiterte gesetzliche Verfassung zu bringen, entwachsen sind), indessen daß doch die Vernunft vom Throne der höchsten moralischen gesetzgebenden Gewalt herab den Krieg als Rechtsgang schlechterdings verdammt, den Friedenszustand dagegen zur unmittelbaren Pflicht macht, welcher doch ohne einen Vertrag der Völker unter sich nicht gestiftet oder gesichert werden kann: – so muß es eine Bund von besonderer Art geben, den man den Friedensbund (foedus pacificum) nennen kann, der vom Friedensvertrag (pactum pacis) darin unterschieden sein würde, daß dieser bloß einen Krieg, jener aber alle Kriege auf immer zu endigen suchte. Dieser Bund geht auf keinen Erwerb irgendeiner Macht des Staates, sondern lediglich auf Erhaltung und Sicherung der Freiheit eines Staates für sich selbst und zugleich anderer verbündeten Staaten, ohne daß diese doch sich deshalb (wie die Menschen im Naturzustande) öffentlichen Gesetzen und einem Zwange unter denselben unterwerfen dürfen. – Die Ausführbarkeit (objektive Realität) dieser Idee der Föderalität, die sich allmählich über alle Staaten erstrecken soll und so zum ewigen Frieden hinführt, läßt sich darstellen. Denn wenn das Glück es so fügt: daß ein mächtiges und aufgeklärtes Volk sich zu einer Republik (die ihrer Natur nach zum ewigen Frieden geneigt sein muß) bilden kann, so gibt diese einen Mittelpunkt der föderativen Vereinigung für andere Staaten ab, um sich an sie anzuschließen und so den Freiheitszustand der Staaten gemäß der Idee des Völkerrecht zu sichern und sich durch mehrere Verbindungen dieser Art nach und nach immer weiter auszubreiten.

Daß ein Volk sagt: »Es soll unter uns kein Krieg sein; denn wir wollen uns in einem Staat formieren, d. i. uns selbst eine oberste gesetzgebende, regierende und richtende Gewalt setzen, die unsere Streitigkeiten friedlich ausgleicht« – das läßt sich verstehen. — Wenn aber dieser Staat sagt: »Es soll kein Krieg zwischen mir und anderen Staaten sein, obgleich ich keine oberste gesetzgebende Gewalt erkenne, die mir mein und der ich ihr Recht sichere«, so ist es gar nicht zu verstehen, worauf ich dann das Vertrauen zu meinem Rechte gründen wolle, wenn es nicht das Surrogat des bürgerlichen Gesellschaftsbundes, nämlich der freie Föderalism, ist, den die Vernunft mit dem Begriffe des Völkerrechts notwendig verbinden muß, wenn überall etwas dabei zu denken übrig bleiben soll.

Bei dem Begriffe des Völkerrechts, als eines Rechts zum Kriege, läßt sich eigentlich gar nichts denken (weil es ein Recht sein soll, nicht nach allgemein gültigen äußern, die Freiheit jedes einzelnen einschränkenden Gesetzen, sondern nach einseitigen Maximen durch Gewalt, was Recht sei, zu bestimmen), es müßte denn darunter verstanden werden: daß Menschen, die so gesinnt sind, ganz recht geschieht, wenn sie sich untereinander aufreiben und also den ewigen Frieden in dem weiten Grabe finden, das alle Greuel der Gewalttätigkeit samt ihren Urhebern bedeckt. – Für Staaten im Verhältnisse untereinander kann es nach der Vernunft keine andere Art geben, aus dem gesetzlosen Zustande, der lauter Krieg enthält, herauszukommen, als daß sie ebenso wie einzelne Menschen ihre wilde (gesetzlose) Freiheit aufgeben, sich zu öffentlichen Zwangsgesetzen bequemen und so einen (freilich immer wachsenden) Völkerstaat (civilitas gentium), der zuletzt alle Völker der Erde befassen würde, bilden. Da sie dieses aber nach ihrer Idee vom Völkerrecht durchaus nicht wollen, mithin, was in thesi richtig ist, in hypothesi verwerfen, so kann an die Stelle der positiven Idee einer Weltrepublik (wenn nicht alles verloren werden soll) nur das negative Surrogat eines den Krieg abwehrenden, bestehenden und sich immer ausbreitenden Bundes den Strom der rechtscheuenden, feindseligen Neigungen aufhalten, doch mit beständiger Gefahr ihres Ausbruchs (Furor impius intus – fremit horridus ore cruento. [Virgil] )

Der Mann der immer Hunger hatte

Es war einmal ein mann, der hatte immer hunger.
„Ich habe hunger“, sagte er zu seiner frau. Aber die zuckte nur mit den achseln.

Eines tages war die frau mit ihrer geduld am ende.

„Ich habe hunger“, sagte der mann.

„Vielleicht solltest du zum arzt gehen, mann, wenn du immer hunger hast“, sagte die frau.

„Ich habe hunger“, sagte der mann zum arzt, der in seinem weissen kittel hinter seinem grossen, schwarzen schreibtisch sass.
„Hmmm“, sagte der arzt, legte den kopf schief und strich sich über den bart.
„Hmmm. Hunger sagen sie?“

Wieder strich sich der arzt über den bart, wieder „Hmmm“.

„Vielleicht sollten sie mal was essen“, sagte der arzt.
Der mann sah den arzt verständnislos an.

„Was ist das, essen?“, fragte der mann.

Und der arzt erklärte es ihm.

Ein bunter Strauß Ideen

von Christof Bultmann & Marc Cechura

Wenn man das leere Blatt Karopapier lange genug
anstarrt, verwandelt sich das Muster wahlweise in einen Eiskristall, einen Stern oder in ein Cannabisblatt.

Außerdem fangen die Augen an zu schmerzen. Mit diesem Gedanken blickte er vom Papier auf. Doch das Bild, das sich ihm bot, war nicht weniger schmerzhaft.

„Ich hätte gern Pfeil und Bogen!“ raunte sein
Tischnachbar ihn an. Schon tausendmal hatte er seinen Mitbewohner daraufhin gewiesen, wie sehr er diese Karo-Fenstervorhänge hasste. Doch es half nichts, sie wehten im Wind, der durch das geöffnete Fenster kam und die Augen schmerzten.

„Was hast du gesagt?“, fragte er zurück.

„Ich hätte gern Pfeil und Bogen!““, sagte der
Tischnachbar ungeduldig. „Du weißt schon, aus Holz!“

„Pfeil und Bogen.“ , wiederholte er versonnen.
Unfähig sich zu bewegen starrten beide in alle
Himmelsrichtungen. „Pfeil und Bogen, das ist wie Tisch und Bett.“, sagte er langsam aber bestimmt und klopfte, um seine Worte zu untermauern, auf das Holz seiner Tischplatte. Der Tischnachbar sprang in einer spontanen Phase der Aktivität auf und schloß das Fenster. Eine erdrückende Stille erfüllte den Raum. Es dauerte eine ganze Weile, in welcher der Nachbar langsam und bedächtig hin und her blickte und an den Fingern drehte, als überlege er angestrengt.

„Pfeil ist wie Tisch … und Bogen ist wie Bett … oder umgekehrt!?“ Ätzende Augenblicke des Schweigens und angestrengten Nachdenkens vergingen, bis er sich ebenfalls aufschwang und mit unsicheren Schritten (das Echo der nackten Füße auf dem kalten Linolboden hallte bis in jede Ecke des Raumes) auf die kleine Schiefertafel zu wankte. Mit zittrigen Händen und einem penetrant quietschenden Kreidestück, malte er mit ruckartigen Bewegungen ein Karo auf die Tafel. Das
Quietschen der Kreide schmerzte, doch der Tischnachbar verzichtete darauf, sich die Ohren zuzuhalten.

„Ein Karo!“ sagte er mit gebrechlicher Stimme.

„Ein Karo!“, wiederholte sein Tischnachbar, ohne von der Tafel aufzusehen. Das Licht der Halogen- Röhren über den beiden flackerte und somit entstand ein wirres Schattenspiel in dem sonst spärlich eingerichteten Raum.

„Pfeil ist wie Pfeil, und Bogen, na du weißt
schon…“, die Beiden starrten sich an, um
herauszufinden, wer von ihnen gerade auf diese
Erkenntnis gekommen war. Doch das Halogen-Licht
versagte endgültig.

Nun wieder Stille, untermalt von dem Leisen Surren der Klimaanlage. Ein Schrei: „Karotisch, das ist alles völlig karotisch“, schrie er und kratzte mit den Fingernägeln auf der Schiefertafel, bis sie blutig wurden. Doch niemand konnte ihm mehr helfen.

„Das ist dein persönliches Karo, alles, was dir
bleibt, außer natürlich Pfeil und Bogen“, sagte der Tischnachbar ruhig und besonnen.

Beruhigt, aber trotzdem hoch errötet, erfasste er die Hände des Tischnachbars und sie fingen an sich langsam aber immer schneller werdend zu drehen. Sie drehten sich schon bald so schnell, dass sie in der Bewegung ineinander zu einem Kreisel verschmolzen und dabei glucksten sie Laute der Freude. Das Drehtempo war schon kaum mehr zu steigern als sich ruckartig die Tür
öffnete, der einzige Ausgang aus diesem Raum
(abgesehen von den Fenstern mit dem Karo!) und der
aufsehende Arzt erfasste die Situation schnell:

„Schwester, geben sie mir so viel Valium, wie sie
finden können, schnell!“ Und zu ihm, der immer noch wie betrunken durch das Zimmer taumelte: „Ruhig, ruhig, bleiben sie ruhig. Jetzt ist er wieder weg, der Tischnachbar, nicht wahr?“

Gibt es eigentlich Menschen, die Sextips aus Frauenzeitschriften ernst nehmen?

Neulich, als ich beim Zahnarzt im Wartezimmer saß, verlangte es einfach der Anstand von mir, eine Frauenzeitschrift zur Hand zu nehmen und
so meine Zeit während des Wartens zu vertreiben. Ist ja nun auch höflicher, als in der Gegend herum zu starren. Da liegen dann diese ganzen Zeitschriften auf dem Tisch, mit Mühe zu einem großen Fächer geordnet und die Langeweile zwingt einen ja doch immer dazu. Na jedenfalls griff ich mir eine der diversen Frauenzeitschriften und schlug sofort die Seiten mit den „Ultimativen Sextips“ auf. Zufällig versteht sich.

Eigentlich kennt sie ja jeder, diese Artikel mit Überschriften wie: „200 Stellungen, die sie garantiert noch nie gesehen haben – So werden sie zum Sexgott!“ und natürlich „Wie sich die Frage: „Wie war ich…?“ auf immer erübrigt!“
Jedenfalls stellte sich mir die Frage, welcher Liebesgott ist für diese schriftlich niedergelegten Ergüsse von sexuellen Weisheiten eigentlich verantwortlich, was ist das denn so für ein Mensch? Da las ich doch tatsächlich,
dass es anregend sein soll, sich gegenseitig die Schamhaare zu rasieren oder Fisch und Käse von einander zu essen – da riecht der eine
aus dem Hals nach Fisch und der andere nach Harzerroller, ja echt lekker, hab ich mir da gedacht.

Ob die Frau neben mir auf sowas steht? Ich glaube es ist wichtig, einmal über dieses Thema zu schreiben. Stellen wir uns doch nur einmal die folgende Situation vor: Ein Paar liegt abends zusammen im Bett und dann sie: „Du Schatz, ich hab da neulich in meiner „Susi“ gelesen…“ STOP! Ab spätestens diesem Zeitpunkt muss ER doch anfangen sich zu fragen, was er eigentlich falsch gemacht hat, was wird dann aus seinem Selbtsbewusstsein?!

Und was ist mit so nem verklemmten Persönchen, das die Tips liest, aber nicht weiß, wie sie ihrem Kerl sagen soll, dass sie gern mal mit dem Nachbarn und ihm in einem Krankenschwesterkostüm, in der nächsten Karstadtfiliale…
Wo ist denn sozusagen der Beipackzettel mit den Anweisungen für die richtige Anwendung? Haben die Verfasser selbst Erfahrung mit ihren eigenen Ratschlägen? Muss man zu manchen Sachen pervers sein und son Kram? Oder nur um so zu schreiben?

Einiges ist ja noch niedlich, aber wenn da steht: „Massieren sie ihn an geheimen
Lustpunkten! Zum Beispiel Anus!“ Also Finger in Po, oder wo?
Machen sie nen Gipsabdruck vom Allerwertesten ihres Partners!“ Als Überraschung
für Schwiegermama oder zum An-Die-Wand-Hängen ganz nett, aber a)den verewigungswürdigen Arsch hat auch nicht jeder und b) das ist doch sau die Schweinerei mit dem ganzen Gips, das krümelt und man kleckert doch.
Ein paar Seiten später bei den In und Outs werden dann Latex-Brustabdrücke als Out bezeichnet,wo ist denn da die Logik?

Das hatte mich alles ziemlich verwirrt und ich kann doch unmöglich der einzige Mensch sein, der sich die Fragen Warum und Wer und Wie stellt
(leider). Und das macht mich ein wenig traurig und ich sehe mich gezwungen, diese Fragen nur mit noch mehr Fragen zu erweitern, konkretere
Fragen wie: „Ich möchte mal wissen, wer hier im Wartezimmer sowas schon probiert hat“, „Muss man denn pervers sein, kann man nicht noch wie früher
ganz normalen Sex haben, jedenfalls ab und an?“ und „Wo kriege ich nun so ein Hawaii-Baströckchen her?“

Es wird gelesen,was auf den Tisch kommt (im Wartezimmer), ohne auch nur zu ahnen, wer da gekocht hat und mit welchen Lebensmitteln, aber vor allem, ob diese noch haltbar waren.

Veröffentlicht unter becky