Gibt es eigentlich Menschen, die Sextips aus Frauenzeitschriften ernst nehmen?

Neulich, als ich beim Zahnarzt im Wartezimmer saß, verlangte es einfach der Anstand von mir, eine Frauenzeitschrift zur Hand zu nehmen und
so meine Zeit während des Wartens zu vertreiben. Ist ja nun auch höflicher, als in der Gegend herum zu starren. Da liegen dann diese ganzen Zeitschriften auf dem Tisch, mit Mühe zu einem großen Fächer geordnet und die Langeweile zwingt einen ja doch immer dazu. Na jedenfalls griff ich mir eine der diversen Frauenzeitschriften und schlug sofort die Seiten mit den „Ultimativen Sextips“ auf. Zufällig versteht sich.

Eigentlich kennt sie ja jeder, diese Artikel mit Überschriften wie: „200 Stellungen, die sie garantiert noch nie gesehen haben – So werden sie zum Sexgott!“ und natürlich „Wie sich die Frage: „Wie war ich…?“ auf immer erübrigt!“
Jedenfalls stellte sich mir die Frage, welcher Liebesgott ist für diese schriftlich niedergelegten Ergüsse von sexuellen Weisheiten eigentlich verantwortlich, was ist das denn so für ein Mensch? Da las ich doch tatsächlich,
dass es anregend sein soll, sich gegenseitig die Schamhaare zu rasieren oder Fisch und Käse von einander zu essen – da riecht der eine
aus dem Hals nach Fisch und der andere nach Harzerroller, ja echt lekker, hab ich mir da gedacht.

Ob die Frau neben mir auf sowas steht? Ich glaube es ist wichtig, einmal über dieses Thema zu schreiben. Stellen wir uns doch nur einmal die folgende Situation vor: Ein Paar liegt abends zusammen im Bett und dann sie: „Du Schatz, ich hab da neulich in meiner „Susi“ gelesen…“ STOP! Ab spätestens diesem Zeitpunkt muss ER doch anfangen sich zu fragen, was er eigentlich falsch gemacht hat, was wird dann aus seinem Selbtsbewusstsein?!

Und was ist mit so nem verklemmten Persönchen, das die Tips liest, aber nicht weiß, wie sie ihrem Kerl sagen soll, dass sie gern mal mit dem Nachbarn und ihm in einem Krankenschwesterkostüm, in der nächsten Karstadtfiliale…
Wo ist denn sozusagen der Beipackzettel mit den Anweisungen für die richtige Anwendung? Haben die Verfasser selbst Erfahrung mit ihren eigenen Ratschlägen? Muss man zu manchen Sachen pervers sein und son Kram? Oder nur um so zu schreiben?

Einiges ist ja noch niedlich, aber wenn da steht: „Massieren sie ihn an geheimen
Lustpunkten! Zum Beispiel Anus!“ Also Finger in Po, oder wo?
Machen sie nen Gipsabdruck vom Allerwertesten ihres Partners!“ Als Überraschung
für Schwiegermama oder zum An-Die-Wand-Hängen ganz nett, aber a)den verewigungswürdigen Arsch hat auch nicht jeder und b) das ist doch sau die Schweinerei mit dem ganzen Gips, das krümelt und man kleckert doch.
Ein paar Seiten später bei den In und Outs werden dann Latex-Brustabdrücke als Out bezeichnet,wo ist denn da die Logik?

Das hatte mich alles ziemlich verwirrt und ich kann doch unmöglich der einzige Mensch sein, der sich die Fragen Warum und Wer und Wie stellt
(leider). Und das macht mich ein wenig traurig und ich sehe mich gezwungen, diese Fragen nur mit noch mehr Fragen zu erweitern, konkretere
Fragen wie: „Ich möchte mal wissen, wer hier im Wartezimmer sowas schon probiert hat“, „Muss man denn pervers sein, kann man nicht noch wie früher
ganz normalen Sex haben, jedenfalls ab und an?“ und „Wo kriege ich nun so ein Hawaii-Baströckchen her?“

Es wird gelesen,was auf den Tisch kommt (im Wartezimmer), ohne auch nur zu ahnen, wer da gekocht hat und mit welchen Lebensmitteln, aber vor allem, ob diese noch haltbar waren.

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Wie ich einmal um vier Zähne ärmer und um einige Erfahrungen reicher wurde

Erster Lagebericht

Noch sind sie drin,sollte ich es mir noch einmal überlegen?
Ich pack das schon, so schlimm wird das außerdem bestimmt gar
nicht. Nicht so wie bei David (bei dem haben die Spritzen noch nicht gewirkt und
er hat gemerkt, wie das Skalpell sein Zahnfleisch durchtrennte
…) oder wie bei Tina, bei der sich das gleich zwei mal entzündet hatte (beim ersten Mal wegen
Essensresten
in den Löchern und beim zweiten Mal wegen Alkoholkonsumes…) und
dann war die letzte Geschichte die ich noch gehört habe, bei einer, die fast an der Schwellung erstickt wäre….

Zweiter Lagebericht

Das ist eine ganz gewöhnliche Routine-Op,das macht der doch jeden
Tag und mehrmals.

„Guten Tag Frau XXX! Ich darf doch noch Du zu dir sagen?“
(Aber nur,wenn ich sie „Böser-Mann-in-weiß“ nennen darf)

Ich nuschele meine Antwort,denn ich stell mich ja nicht an.
Wenig später sitze ich in einem kleinen normalen Zahnarztzimmer
und sehe Elvis-Best of Album-Werbung an. Vor seiner Medikamentensucht hatte der Mann mal tolle
Hüften und ich überlege, das ganze komplett ohne Schmerzmittel durchzustehen. Man weiss ja nie.

Eine Helferin hat alles vorbereitet:
Vor mir ein Tablett: Meißel, Skalpell, ne kleine
Schleifmaschine, Tupfer, Flex und so andere Dinge.

Jetzt ist er zurück, nun bekomme ich die 6 Spritzen, je eine für jeden
Zahn und dann zwei in den Gaumen.
Nun die erste: war ja gar nix
die zweite: grummel
die dritte: ahhh
die vierte: wo hat der das denn gelernt?

Zwanzig Minuten Einwirkzeit für die Betäubung, ich spüre wie mein
Kinn scheinbar immer größer und schwerer wird, mein Hals
„scheinbar“ zuschwillt und ich
sofort an das Mädchen denke, das künstlich beatmet werden musste.

Nun ist es aus, ich sabbere vor mich hin, kann nicht mehr
schlucken, fühle mich
gedemütigt, meiner Sprache beraubt, die einzigen Worte sind jetzt
eher Würggeräusche und silbenloses Brabbeln.

Die Helferin, sie scheint mich zu verstehen! Sie lächelt mich an
und ich versuche ihr zu erklären, das bei einem Freund die
Spritzen nicht gewirkt haben.
„Das werden wir ja merken. Wenn es zu stark wehtut sag Bescheid,
dann spritzen wir nach!“ No comment.

Dritter Lagebericht

Der Ernstfall

Der Doktor ist da,er kommt an mich heran, öffnet mir mit
hypnotischen Worten
den Mund und er legt los:

Er schnippelt hier, er schneidet da, reißt mir das Zahnfleisch
auseinander damit er an die Wurzel kann, auf in den Grund meines
Kiefers dort, wo die Kleinen
sitzen und darauf warten, als Manschettenknöpfe zu enden.
Jetzt schaut er – seine Helferin fleißig und flink mit dem
Sauger dort wo mein Blut endet (an den nicht betäubten Stellen meines
Gesichtes merke
ich die Spritzer )- wo die Dinger sitzen.

Nun schnippelt er noch schnell die Schleimsäckchen ab, die hat
jeder Zahn. Jetzt kommt die Schleifmaschine,sie schneidet den
Zahn heraus,ich höre das laute
Kreischen.

Zu guter letzt: „Jetzt drückt es ein wenig.“
Ein furchtbarer Schmerz, er bricht die Wurzelreste heraus, drückt
dabei nochmal schön auf die Nerven.

Dieses viermal vollzogen, dann schnell zwei dicke Tampons in
meinen Mund gestopft und die zwanzig Minuten sind um.
Da ich nicht mit leeren Händen nach Hause kommen wollte, nahm ich
meine Zähne
natürlich mit.

So saß ich da und hatte noch keine Schmerzen mit meinem Kühlkissen
um den Kopf.
Erst am Abend waren sie da, rechneten aber nicht mit Dolomo TN, dem besten
Schmerzmittel auf dem Erdenrund. Mein Gesicht
schwoll ein wenig an, aber ich konnte mich schließlich von
Tomatensuppe und Apfel- und Bananenmatsch ernähren. Keine
Erstickungsanfälle, keine blauen Flecken im Gesicht und morgen
wird die Schwellung nicht mehr zu sehen sein.

PS: meine letzten Worte vor der OP hätten so klingen können:
Ich hoffe ich werde ihre Nasenhaare nicht anstarren.

Veröffentlicht unter becky